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Wolfgang Sommer, Die lutherischen Hofprediger in Dresden (Dominique Guillemenot-Ehrmantraut)

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Wolfgang Sommer, Die lutherischen Hofprediger in Dresden. Grundzüge ihrer Geschichte und Verkündigung im Kurfürstentum Sachsen

Francia-Recensio 2009/3 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Wolfgang Sommer, Die lutherischen Hofprediger in Dresden. Grundzüge ihrer Geschichte und Verkündigung im Kurfürstentum Sachsen, Stuttgart (Franz Steiner) 2006, 319 S., 22 Abb., ISBN ISBN 978-3-515-08907-4, EUR 42,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Dominique Guillemenot-Ehrmantraut, Landau

Der Autor beginnt seine sorgfältige Studie über die Predigten des ersten und zweiten lutherischen Hofpredigers von der Mitte des 16. bis zum 18. Jahrhundert in Dresden mit einer These, die sich als roter Faden durch seine Arbeit zieht: »Das Verhältnis von Religion und Politik ist ein Grundphänomen menschlicher Geschichte«. Diese Geschichte und die zeitgeschichtliche Situation geben Antworten auf Fragen wie sich das Verhältnis von Religion und Kirchenamt zur Politik und weltlichen Obrigkeit gestaltet, wenn ein Hofprediger dem Fürsten am nächsten steht, welche Art von theologischen Argumentationen und welche Ausspracheform der Frömmigkeit dort herrschen, wie die Hofprediger das soziale Leben der Kurfürsten und ihre Regierungspolitik kommentieren und welche Schlüsse daraus für den Lebenswandel im Dresden dieser Zeit gezogen werden können.

Der Autor legt zunächst den geschichtlich-religiösen Kontext in Dresden bis ins Jahr 1763 dar, um dann zu den Biographien zu kommen und das Amt der betreffenden Pfarrer zu untersuchen. Die Kapitel folgen den politischen Herrschaftszeiten. Am Anfang steht Nikolaus Selnecker (1553–1586), ein herausragender lutherischer Theologe nach dem Augsburger Religionsfrieden und Vertreter für die kritische Geisteshaltung der Kurfürsten. Philipp Wagner (1556–1572) erlebte den Zwiespalt unter den sächsischen Theologen. Sein Nachfolger, Georg Lysthenius (1573–1586), erfuhr selbst den Machtkampf der verschiedenen Parteien am Hof in der Kanzelpolemik gegen die Calvinisten. Martin Mirus (1574–1588 und 1592–1593) brachte am Hof erstmals die Bibel und die Gebetsfrömmigkeit zur Geltung. Mit der Inthronisierung von Kurfürst Christian I. und der Ernennung Johann Salmuths (1587–1591) kam ein Umbruch, der in der Amtszeit des führenden lutherisch-orthodoxen Theologen Polycarp Leyser d. Ä. (1594–1610) gipfelte. Der prägendste, dem Fürsten am nächsten stehende und einflussreichste Hofprädiger war Matthias Hoe von Hoenegg (1613–1645), dessen Amtszeit die Politik während des Dreißigjährigen Krieges kennzeichnete. Jakob Welle (1646–1664) wiederum konzentrierte sich auf Hauptinhalte des christlichen Glaubens. Er folgte der theologischen Tradition im Streit um die Wahrheit mit einer biblisch fundierten, gelebten Frömmigkeit. Darauf folgten Martin Geier (1665–1680), Johann Andreas Lucius (1681–1686) und schließlich der berühmte Philipp Jakob Spener (1686–1691). Samuel Benedikt Carpzov (1692–1707), dem in einer bewegten Regierungszeit das Amt oblag, vertrat das alte Luthertum. Henrich Pipping (1709–1722) setzte der aufkeimenden katholikenfreundlichen Politik keinen Widerstand entgegen. Bernhard Walther Marperger (1724–1746) und Johann Gottfried Hermann (1746–1791) wirkten am längsten am Hof. In die Amtszeit von Marperger, fielen wichtige Ereignisse der sächsischen Kirchengeschichte. Währen der Amtszeit von Hermann kam es zum Ende des »augusteischen Zeitalters« der sächsischen Geschichte. In der Zeit des Pietismus und der Aufklärung sollten sich die Hofprediger im Gegensatz zu ihren Nachfolgern keiner kritischen Vorbehalte gegenüber der Obrigkeit mehr bedienen.

Wolfgang Sommers Arbeit ist eine hochspannende Darstellung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat. Seine sich durch Präzision und Klarheit auszeichnende Schrift ist nicht nur Theologen zu empfehlen, ihr Detailreichtum enthüllt das geistige Profil einer ganzen Epoche.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

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Wolfgang Sommer, Die lutherischen Hofprediger in Dresden (Dominique Guillemenot-Ehrmantraut)
In: Francia-Recensio, 2009-3, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
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Dokument zuletzt verändert am: Feb 28, 2012 11:03 AM
Zugriff vom: May 24, 2012