Personal tools
Navigation
 

Larry Silver, Marketing Maximilian (Karl Vocelka)

— filed under:
Larry Silver, Marketing Maximilian: The Visual Ideology of a Holy Roman Emperor

Francia-Recensio 2009/3 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Larry Silver, Marketing Maximilian: The Visual Ideology of a Holy Roman Emperor, Princeton (Princeton University Press) 2008, XIV–303 S., ISBN 978-0-691-13019-4, EUR 29,95.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Karl Vocelka, Wien

Maximilian I. gilt als der erste Habsburger, der eine besondere Form von Überhöhung seiner Familie und eine Form von politischer Propaganda entwickelt hat. Larry Silver fasst in seinem kunsthistorisch orientierten Buch vor allem die künstlerischen Aspekte dieser Selbststilisierung und Vermarktung – gewissermaßen ein Vorläufer der PR – Maximilians I. zusammen, wobei er vor allem auf der Basis von Literatur und den bildlichen Quellen, bei denen die Graphik im Vordergrund steht, ein umfassendes Bild erarbeitet. Wie häufig bei angelsächsischen Forscherinnen und Forschern ist das Netzwerk der Kontakte – trotz der Rezeption deutschsprachiger Literatur – ein angelsächsisches. Zusammen mit dem Eindruck, dass die vielen nicht graphischen Bildwerke der Propaganda in Österreich – inklusive dem Innsbrucker Grabmal – wenig berücksichtigt wurden, zeigen sich einige Unterschiede zur deutschsprachigen Forschung. Methodisch verlässt die Arbeit den Rahmen traditioneller kunsthistorischer Forschung nur wenig, auch wenn z.B. der kommunikationstheoretische Ansatz »media-as-message«, Webers Ansichten über Charisma und die Theorien von Clifford Geertz Erwähnung finden.

Das erste Kapitel beschäftigt sich mit der autobiographischen Eigenproduktion Maximilians I., wobei ausschließlich die Illustrationen und nicht die Texte analysiert werden, allerdings wird der Beitrag der Humanisten und Künstler (wie Konrad Peutinger und Johannes Stabius) entsprechend gewürdigt und ihr Beitrag klar gemacht. Hervorragend ist die Zusammenstellung der Quellen in tabellarischer Form, sie bietet einen sehr brauchbaren Überblick.

Die weiteren Kapitel sind einzelnen Themenbereichen der maximilianeischen Propaganda gewidmet. Das erste dieser Kapitel beschäftigt sich mit Genealogie und Ideologie, vor allem die »Historia Friderici et Maximiliani« und »Der Zaiger« von Jakob Mennel stehen dabei im Vordergrund. Für die geringe Beschäftigung mit nicht graphischen Kunstwerken spricht die Tatsache, dass die bekannte Wappenwand Friedrichs III. in Wiener Neustadt keine Berücksichtigung findet, während weiter zurückreichende Traditionen (Karl IV.) in der vergleichenden Analyse durchaus beachtet wurden.

In einem weiteren Kapitel mit dem Titel »Translation of Empire« wird die Stilisierung Maximilians als Kaiser des Reiches aufgearbeitet, wobei der »Triumphzug«, Münzen und Medaillen im Zentrum stehen. Ein wesentliches Forschungsthema, das nur wenig ausgeführt wurde, ist die Frage des Reiterdenkmals, zu dem ein Entwurf von Hans Burgkmair vorliegt.

In einem weiteren Abschnitt der Arbeit wird die Funktion Maximilians als Führer der Christenheit betrachtet, der Georgskult, die Kreuzzugsidee oder der Besuch beim Heiligen Rock in Trier werden im Zusammenhang mit der Idee des Gottesgnadentums gesehen. Gewissermaßen eine Synthese der religiösen Vorstellungen Maximilians bietet ein Blatt von Hans Springinsklee, auf dem Maximilian I. Christus als Weltenherrscher von seinen Patronen (Maria, Georg, Maximilian, Barbara, Leopold, Andreas und Sebastian) präsentiert wird.

Ein weiteres Kapitel ist der Funktion Maximilians als Ritter und dem Thema Krieg gewidmet, wobei neben den allgemeinen Quellen vor allem der »Freydal«, in einen etwas bescheideneren Ausmaß auch Realien wie Harnische und das Zeughaus (für die Artillerie) als Quellen herangezogen werden.

Der letzte sachlich orientierte Abschnitt beschäftigt sich mit dem Thema »Freizeit« (princely pastime), worunter der Autor Jagd, Fischerei, Turniere und Musik zusammenfasst, allerdings auch Wappen und Diplomatie in diesem Kontext nochmals anspricht. Auch dabei sind die Quellen und auch die Betrachtungswinkel fast ausschließlich auf die bildlichen Quellen, besonders wieder die Graphik ausgerichtet.

Im letzten Kapitel mit dem Titel »Dynasty and/or Nation?« versucht Larry Silver eine Synthese seiner Arbeit, in diesem Abschnitt orientiert er sich vor allem an der Rezeption der Propaganda Maximilians I. Vom Standpunkt des Historikers aus ist der Titel des Kapitels kritisch zu hinterfragen, denn von »Nation« im modernen Sinne kann ja um 1500 noch nicht die Rede sein, Reichsbewusstsein oder vielleicht Reichspatriotismus würden eher passende Begriffe bilden. In einem Erzählstrang geht der Autor der Rezeption innerhalb der Familie (vor allem bei Karl V., dessen Tapisserien er hervorhebt und bei Ferdinand I., der den Innsbrucker Grabmalsplan seines Vaters weiter betreibt, aber auch noch bei Karl VI. am Beginn des 18. Jahrhunderts) aber auch außerhalb der Habsburgerdynastie (z. B. Friedrich der Weise von Sachsen) nach.

Einige kleine historische Fehler (Maximilian I. war nicht der erste Habsburger, der seinem Vater nachfolgte, auch Albrecht I. war der unmittelbare Nachfolger Rudolfs I. und Ferdinand I. begann nicht erst 1526 zu regieren, denn die Erblande gehörten ihm schon 1521 durch den Wormser Vertrag) fallen wenig ins Gewicht, denn die Darstellung beeindruckt durch ihre Breite und Fülle an Material.

Mit der vorliegenden Studie liegt somit eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Forschungen zur Propaganda Maximilians I. vor, die durch ihre verschiedenen Blickwinkel der Annäherung neue und sehr spannende Zusammenhänge herzustellen imstande ist.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Document Actions
Zitierhinweis
Empfohlene Zitierhinweise:
Larry Silver, Marketing Maximilian (Karl Vocelka)
In: Francia-Recensio, 2009-3, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-3/FN/silver_vocelka
Dokument zuletzt verändert am: Feb 27, 2012 12:00 PM
Zugriff vom: May 24, 2012