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R. Boyer, G. Grévin (dir.), Une Sainte provençale du XIVe siècle (Klaus Krönert)

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Raymond Boyer, Gilles Grévin (dir.), Une Sainte provençale du XIVe siècle. Roseline de Villeneuve. Enquête sur sa »momie«, avec la collaboration de Christine Aznar, Paul Bailet, Jean-Louis Clément et al. Préface de Mgr Victor Saxer

Francia-Recensio 2009/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Raymond Boyer, Gilles Grévin (dir.), Une Sainte provençale du XIVe siècle. Roseline de Villeneuve. Enquête sur sa »momie«, avec la collaboration de Christine Aznar, Paul Bailet, Jean-Louis Clément et al. Préface de Mgr Victor Saxer, Paris (De Boccard) 2006, 188 S. (De l’archéologie à l’histoire), ISBN 2-7018-0212-1, EUR 20,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Klaus Krönert, Paris

Die Kenntnisse, die wir von Menschen entfernter Epochen haben, sind oft so gering, dass kein Element vernachlässigt werden darf, und daher ist es nur zu begrüßen, dass die modernen naturwissenschaftlichen Methoden es uns heute erlauben, neue Informationen zu erlangen. Solche Untersuchungen wurden 1995 an dem als Reliquie verehrten Körper der Kartäuser-Heiligen Roseline von Villeneuve, die im 14. Jahrhundert lebte, durchgeführt, und das hier besprochene Buch stellt die dabei erzielten Ergebnisse vor. Das Resultat ist als positiv zu bewerten, wobei die Erwartungen jedoch, wie bei den meisten Untersuchungen dieser Art, nicht zu hoch gestellt werden dürfen.

Der größte Teil der Informationen zur Heiligen und der Geschichte ihrer Reliquien stammt nach wie vor aus den überlieferten Texten, und die Herausgeber des Buches sind zu beglückwünschen, dass sie diesen Aspekt nicht vernachlässigt haben. So stellt Raymond Boyer in einer ausführlichen Einführung und im 1. Teil des Buches das hagiographische Dossier einschließlich aller die Reliquien betreffenden Dokumente und Handschriften vor und präsentiert das bisherige Wissen über Roseline, wobei er sich hauptsächlich auf die Acta Sanctorum und die Arbeiten von Paulette L’Hermite-Leclercq und Daniel Le Blévec stützt. Ohne hier wirklich Neues zu finden, erfährt der Leser, dass die Heilige um 1270 als Tochter Girauds II. von Villeneuve aux Arcs geboren wurde, dass sie im Kloster La Celle-Roubaud als Nonne gelebt hat und dass sie am 17. Januar 1329 gestorben ist. Ihre erste Vita wurde 1527 in der Grande Chartreuse geschrieben. Eine erste Erwähnung ihres Körpers 1334/35 ist ungesichert, und ein erster Aufschwung der Verehrung, der auch schriftlich dokumentiert ist, setzte erst in der ersten Hälfte des 17. Jhs. ein. Von dieser Zeit an werden die Zeugnisse immer zahlreicher: 1660 prüfte z. B. ein Arzt Ludwigs XIV., Antoine Vallot, die Authentizität der Augen Roselines, indem er ein Auge aufstach, und 1894 unternahm aufgrund eines fortschreitenden Verfalls des Körpers der italienische Arzt Piero Neri umfassende Untersuchungen und Restaurierungsmaßnahmen, die er auch schriftlich dokumentierte.

Der zweite und längere Teil des Buches ist der wissenschaftlichen Untersuchung der Reliquien gewidmet. Aus den mit hohem technischen Aufwand durchgeführten Experimenten, deren Ergebnisse in ausführlichen Beschreibungen und mit diversen Fotos, Zeichnungen und Tabellen präsentiert werden, erfährt der Leser vor allem Details zum Zustand des Körpers und zu den Konservierungstechniken des 19. Jhs. Dadurch werden die Beschreibungen Dr. Neris in naturwissenschaftlicher Terminologie vervollständigt. Die Informationen zur Heiligen selbst bleiben allerdings relativ dünn: Zu den konkreten Ergebnissen zählt ein offensichtliches, aber wenig erstaunliches Kariesleiden und ein recht guter Zustand ihrer Haarstruktur, was darauf schließen lässt, dass die Haarpflege in ihrem Leben eine nicht unwichtige Rolle gespielt hat. Zudem attestieren die Forscher, dass es sich bei dem untersuchten Körper um eine Frau von 50 bis 60 Jahren handelt, die in der Tat Roseline sein kann, ein nicht zu unterschätzender Befund angesichts der Tatsache, dass es von ihrem Tod bis zum 17. Jh. eine fast 300 Jahre dauernde Überlieferungslücke bezüglich ihres Körpers gibt. Auch im zweiten Teil ordnen die Herausgeber des Buches die erzielten Ergebnisse regelmäßig in den jeweiligen Zeitkontext ein, um ihnen dadurch eine gewisse Breite zu geben. Jedoch sind hier, um nur auf die Erläuterungen zum Reliquienkult zu sprechen zu kommen, die erwähnten Beispiele zeitlich und örtlich zu disparat, um völlig zu überzeugen.

Trotz dieser letztlich geringfügigen Schwächen soll abschließend festgehalten werden, dass künftige interdisziplinäre und patheographische Untersuchungen den Weg einzuschlagen haben, der hier vorgezeigt wurde.

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R. Boyer, G. Grévin (dir.), Une Sainte provençale du XIVe siècle (Klaus Krönert)
In: Francia-Recensio, 2009-2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-2/MA/Roseline_Kroenert
Dokument zuletzt verändert am: Feb 29, 2012 01:11 PM
Zugriff vom: May 24, 2012