You are here: Home content Publikationen Francia-Online Francia-Recensio 2009-2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500) G. Philippart (dir.), Hagiographies. Histoire internationale de la littérature hagiographique vernaculaire en Occident des origines à 1550 (Klaus Herbers)
Personal tools
Navigation
 

G. Philippart (dir.), Hagiographies. Histoire internationale de la littérature hagiographique vernaculaire en Occident des origines à 1550 (Klaus Herbers)

— filed under:
Guy Philippart (dir.), Hagiographies. Histoire internationale de la littérature hagiographique vernaculaire en Occident des origines à 1550 / International History of the Latin and Vernacular Hagiographical Literature in the West from its Origins to 1550 / Internationale Geschichte der lateinischen und einheimischen hagiographischen Literatur im Abendland von den Anfängen bis 1550 / Storia internazionale della letteratura agiografica latina e volgare in Occidente dalle origini a 1550

Francia-Recensio 2009/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Guy Philippart (dir.), Hagiographies. Histoire internationale de la littérature hagiographique vernaculaire en Occident des origines à 1550 / International History of the Latin and Vernacular Hagiographical Literature in the West from its Origins to 1550 / Internationale Geschichte der lateinischen und einheimischen hagiographischen Literatur im Abendland von den Anfängen bis 1550 / Storia internazionale della letteratura agiografica latina e volgare in Occidente dalle origini a 1550, Brepols, Turnhout 2006 (Hagiographies, IV), 796 S., ISBN 978-2-503-51826-8, EUR 250,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Klaus Herbers, Erlangen

Nachdem 1994 der erste Band des großangelegten Werkes »Hagiographies« von Guy Philippart herausgegeben wurde, sind nun zwölf Jahre vergangen, bis der hier zu besprechende vierte erschien. Das Konzept war von Anfang an so angelegt, dass die sukzessiv eintreffenden Beiträge zu unterschiedlichen Ländern und Gebieten des lateinischen Westens und zu verschiedenen Epochen möglichst rasch publiziert werden, ohne Rücksicht auf das Inhaltsverzeichnis, das insgesamt 16 verschiedene »Länder« ausweist. Dieser vierte Band komplettiert nun das Panorama mit weiteren handbuchartigen Beiträgen für folgende Gegenden: Eduardo d’Angelo zur lateinischen Hagiographie im Süden Italiens (750–1000, S. 41–134), Ángeles García de la Borbolla über volkssprachige hagiographische Quellen in Spanien (1250–1350, S. 135–182), Ivanka Petrović über lateinische und volkssprachige Hagiographie im kroatischen Raum bis zum Jahr 1350 (S. 183–272), Friedrich Lotter und Sabine Gäbe zur hagiographischen Literatur im deutschen Sprachraum unter den Ottonen und Saliern (ca. 960–1130, S. 273–520), David Collins zur lateinischen Hagiographie im deutschen Sprachraum von 1450 bis 1550 (S. 521–582), schließlich Guy Philippart und Anne Wagner zur Hagiographie in Lothringen zwischen 950 bis 1130 (Diözesen von Metz, Toul und Verdun, S. 583–742).

Den größten Teil dieses Bandes nimmt die Darstellung der Hagiographie in Deutschland während des hohen Mittelalters ein; alle Beiträge sind mit verschiedenen Hilfsmitteln wie Karten, Bibliographien, Listen der hagiographischen Schriften, Schaubildern und Anderem ausgestattet. Gerade diese Karten und Tabellen machen deutlich, wie unterschiedlich die Schwerpunkte hagiographischer Produktion zu verschiedenen Zeiten waren. Die Erklärungen hierfür erfährt man in der Regel aus den zugehörigen Texten.

Was diesen Band von vorhergehenden abhebt, ist eine generelle Einleitung des Herausgebers sowie eine Schlussbilanz, die sich auf den vierten Band, aber auch auf das Gesamtwerk bezieht. Wer eine kurze Übersicht über die sechs Beiträge dieses Bandes und die jeweiligen Schwerpunkte der handbuchartigen Artikel erhalten möchte, dem seien diese Schlussbemerkungen von Guy Philippart (S. 745–783) ans Herz gelegt. Die Bilanz dient allerdings auch dazu, das Gesamtwerk einzuordnen, das insgesamt weitgehend flächendeckend nun auf 2300 Seiten als Handbuch genutzt werden kann, gleichwohl aber noch einige Lücken aufweist, vor allem im Bereich Italiens und der Gallia, teilweise auch Spaniens und einiger anderer Länder. Trotzdem bietet der Herausgeber sein Schlussrésumé wohl auch deshalb, weil er offensichtlich skeptisch ist, ob der fünfte Band mit den noch ausstehenden Beiträgen erscheinen wird (Dieser Band wird vom guten Willen derer abhängen, die die Aufgaben seit 15 Jahren übernommen haben, so S. 12). Damit bleibt ungewiss, ob wichtige Bereiche der Hagiographie in so zentralen Regionen wie Frankreich und Italien jemals in diesem insgesamt so wertvollen Werk erscheinen werden. Vor dem Hintergrund, dass die Chancen nicht allzu gut stehen, ist auch der einleitende Beitrag von Guy Philippart zu verstehen, der den Titel trägt: »L’hagiographie, histoire sainte des amis de Dieu« (S. 13–40). Mit den knappen Bemerkungen bringt Guy Philippart auch Reflexionen auf den Punkt, die jeden, der sich mit Einzelfällen und Einzelphänomenen aus dem Bereich der Hagiographie beschäftigt, interessieren sollten. Zurecht versucht er eine Differenzierung verschiedener Hagiographien und Heiligkeiten und öffnet damit Perspektiven, die zukünftige Arbeit über den »Einzelfall« hinaus bestimmen werden, eben große übergreifende Studien, die erst durch die Aufarbeitung der lokalen Traditionen, wie im Gesamtwerk von »Hagiographies« vorgelegt, möglich werden. So formuliert der Herausgeber auch die Aufgaben einer künftigen Hagiographie als »internationale Geschichte« (S. 782). Diese Perspektiven sollten sogar über die christliche Religion hinausgreifen und Heiligkeit in vergleichender Perspektive untersuchen. Die in den ersten vier Bänden aufgearbeitete Grundlage der dazu vorhandenen Schriften ist ausgesprochen wertvoll. Auch wenn es nicht zu einem fünften Band kommen sollte, so wären die Nutzer für eine solche vergleichende Geschichte sicherlich dankbar, wenn wenigstens ein gemeinsames Register die bisher vorliegenden 2300 Seiten Gelehrsamkeit insgesamt erschließen könnte.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier:
http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Document Actions
Zitierhinweis
Empfohlene Zitierhinweise:
G. Philippart (dir.), Hagiographies. Histoire internationale de la littérature hagiographique vernaculaire en Occident des origines à 1550 (Klaus Herbers)
In: Francia-Recensio, 2009-2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-2/MA/Philippart_Herbers
Dokument zuletzt verändert am: Feb 22, 2012 11:46 AM
Zugriff vom: May 24, 2012