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K. Borchardt, Nikolas Jaspert, Helen J. Nicholson (ed.), The Hospitallers, the Mediterranean and Europe (Christian Vogel)

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Karl Borchardt, Nikolas Jaspert, Helen J. Nicholson (ed.), The Hospitallers, the Mediterranean and Europe. Festschrift for Anthony Luttrell


Francia-Recensio 2009/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Karl Borchardt, Nikolas Jaspert, Helen J. Nicholson (ed.), The Hospitallers, the Mediterranean and Europe. Festschrift for Anthony Luttrell, Hampshire (Ashgate Publishing Ltd.) 2007, XVI–321 S., Abb., ISBN 978-0-7546-6275-4, GBP 60,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Christian Vogel/Saarbrücken

Die Festschrift, welche Anthony Luttrell zu dessen 75. Geburtstag gewidmet ist, enthält neben einer ausführlichen Würdigung des Jubilars 22 Aufsätze zu Themen, die auch seinem Forschungsschwerpunkt entsprechen. Im Mittelpunkt stehen dabei, wie der Titel des Sammelbandes bereits verrät, die Johanniter und der Mittelmeerraum im späten Mittelalter. Michael Gervers zeichnet zunächst in einer ausführlichen Einleitung die Stationen der Forscherlaufbahn Luttrells nach, der, wie Gervers schreibt, mehr für die Erforschung des Johanniterordens getan habe als irgendein anderer, und schließt mit der Erwartung einer noch ausstehenden Synthese von Luttrells Johanniterstudien.

Die folgenden 22 Aufsätze sind in drei Teile (Kreuzzugszeit, Rhodos und der Lateinische Osten, Ritterorden im Westen) gegliedert, deren erster von Benjamin Z. Kedar mit einer Abhandlung über das Jerusalemer Hospital eröffnet wird. Er untersucht das Phänomen des Hospitals, einer Einrichtung mit bezahlten Ärzten, welche nach verschiedenen Quellen im Heiligen Land schon im 10. und 11. Jahrhundert nachweisbar seien, in dessen Tradition auch das ab dem 12. Jahrhundert belegte Hospital der Amalfitaner stehe, das vermutlich mit christlichen Ärzten aus Syrien betrieben wurde.

Es folgen zwei der wenigen Aufsätze, die sich nicht unmittelbar mit den Johannitern befassen. Bernard Hamilton diskutiert das Verhältnis von Templern, Assassinen und König Amalrich. Im Mittelpunkt steht dabei der Überfall der Templer auf eine Assassinen-Gesandtschaft, welche die vermutlich geplante Zusammenarbeit der Assassinen mit König Amalrich beendet hat. Als Motiv vermutet Hamilton ethische Bedenken der Templer gegen die Methoden der Assassinen (politische Morde), welche mit dem Ideal eines christlichen Ritterordens nicht zu vereinbaren seien. Peter Edbury befasst sich mit demselben Vorfall, und zwar anhand der Schilderung des Wilhelm von Tyrus, der die Templer ihrerseits als Mörder diskreditiert. Judith Bronstein hat wieder in erster Linie die Johanniter im Auge und widmet sich deren Doppelrolle als militärisch aktiver wie auch als caritativer Verband, der sich dem Krieg und den Kranken verschrieben hat. Es folgt eine quellenkritische Untersuchung Peter Herdes zu einem unveröffentlichten Brief Johannes’ XXII., der Besitzstreitigkeiten einer englischen Kommende betrifft. Um die Schiffe und den Transport von West nach Ost geht es David Jacoby, der vor 1291 keine eigene Flotte (mit Galeeren) bei den Johannitern vermutet, die zu ihren eigenen Schiffen ohnehin weitere hätten anheuern müssen. Jochen Burgtorf beleuchtet schließlich die Karriere des Johanniters Bonifaz von Calamandrana und seine Verbindungen zum aragonesischen Hof, bevor Alan Forey den ersten Teil mit einem Beitrag zum ordensinternen Strafvollzug abschließt.

Der zweite Teil umfasst Aufsätze zu Rhodos. Nicholas Coureas geht Zeugnissen syrischer Immigranten auf Rhodos nach. Syrische Händler und Schiffsleute waren dort zahlreich vertreten und unterhielten gute Beziehungen zur Ordensführung. Anna-Maria Kasdagli untersucht die drei Typen epigraphischer Quellen auf der Ordensinsel (lateinische meist weltliche, griechische meist kirchliche Zeugnisse, ferner meist westliche Heraldik). Jürgen Sarnowsky befasst sich mit Visitationen und deren Reformen. Er geht dabei auf die Reformen des 15. Jahrhunderts ein sowie auf das Instrument des melioramentum, der Versetzung eines Kommandanten in eine »bessere« (wirtschaftsstärkere) Kommende, das er als eine besondere Spielart der Visitation beschreibt. Gregory O’Malley fasst die wenigen Iren und Briten in den Blick, die auf Rhodos Militärdienst geleistet haben. Losgelöst vom Johanniter-Rhodos sind die Beiträge von Norman Housley, der über die Kreuzzugspläne Sanudos und Pilotis im 15. Jahrhundert schreibt, und Elizabeth Zachariadou, die spätere Zeugnisse als Erinnerung an frühere Beziehungen eines Klosters zu dem bis ins 15. Jahrhundert bestehenden Emirat Menteshe aufgreift.

Im dritten Teil des Sammelbandes sind Aufsätze zu den Ritterorden im Westen vereint. Michael Gervers und Nicole Hamonic gelang es, mit Hilfe computergestützter Analysen Urkundenschreiber zu identifizieren und Rückschlüsse auf die Organisation der Skriptorien des Ordens zu ziehen. Die militärische Aktivität der ungarischen Johanniter bildet den Mittelpunkt des Beitrags von Zsolt Hunyadi, der auf dessen Dissertation über das unagrische Johanniterpriorat aufbaut. Die größte Kommende des Montesa-Ordens, Cervera, die zuvor den Johannitern gehörte und dank deren Privilegien stark gewachsen war, steht im Fokus der Betrachtungen von Luis Garcia-Guijarro Ramos. Die steigende Bedeutung der ancianitas-Regel bei der Ämtervergabe angesichts des verstärkten Zustroms von Brüdern nach Rhodos und des gleichzeitigen Bestrebens der Meister, die Ämterbesetzung an sich zu ziehen, sind Gegenstand des Beitrages von Pierre Bonneaud. Carlos Barquero Goñi befasst sich mit den Beziehungen der letzten navarresischen Könige zu den Johannitern, genauer gesagt zum örtlichen Prior, der eine wichtige Rolle am Königshof spielte, während die Könige umgekehrt in den Orden hineinregierten. Der Deutsche Orden ist Thema von Johannes Mol, der einen nie zur Ausführung gelangten Plan des Ordensmeisters zur Gewinnung Frieslands behandelt. David Allen Frank schließlich geht auf kriegswissenschaftliche Abhandlungen von Johanniterbrüdern ein, bevor Jonathan Riley-Smith die Festschrift mit einer allgemeinen Betrachtung über die Geschichte der Ritterorden abschließt und dabei schwerpunktmäßig die neuzeitliche Entwicklung des Johanniterordens und seiner Nachfolgeorganisationen bis in die heutige Zeit nachzeichnet. Er beschreibt die Säkularisierungen, insbesondere der spanischen Ritterorden, während der Reformation bis in unsere Zeit, die noch fünf Nachfolgeorganisationen des mittelalterlichen Johanniterordens kennt. Sie arbeiten inzwischen verstärkt im karitativen Bereich zusammen und haben nicht zuletzt dank ihrer Anpassungsfähigkeit alle Zeitumstände gemeistert und überlebt.

Eine 20 Seiten starke Bibliographie des Jubilars vervollständigt die Festschrift. Sie legt den Schwerpunkt auf die Johanniter, vereint aber historische wie kunsthistorische Beiträge und deckt den gesamten (nördlichen) Mittelmeerraum ab. Man wird an die Stationen im Leben Luttrells erinnert, die Gervers in seiner Einleitung nachzeichnet: Madrid, Rom, Pisa, Oxford, Edinburgh, Malta, Princeton, Paris, Würzburg, London, Orléans.

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K. Borchardt, Nikolas Jaspert, Helen J. Nicholson (ed.), The Hospitallers, the Mediterranean and Europe (Christian Vogel)
In: Francia-Recensio, 2009-2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-2/MA/Luttrel_Vogel
Dokument zuletzt verändert am: Feb 24, 2012 05:38 PM
Zugriff vom: May 24, 2012