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J.-L. Fray, Villes et bourgs de Lorraine (Frank G. Hirschmann)

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Jean-Luc Fray, Villes et bourgs de Lorraine. Réseaux urbains et centralité au Moyen Âge

Francia-Recensio 2009/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Jean-Luc Fray, Villes et bourgs de Lorraine. Réseaux urbains et centralité au Moyen Âge, Clermont-Ferrand 2006 (Presses universitaires Blaise-Pascal), 552 S, 1 CD-Rom, ISBN 2-84516-238-3, EUR 40,00

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Frank G. Hirschmann, Trier

Die mit einem Vorwort von Michel Parisse versehene Studie basiert auf der Habilitationsschrift Jean-Luc Frays von 1997. Sie stellt eine Analyse der lothringischen Städtelandschaft im hohen Mittelalter dar und hat ihre methodischen Wurzeln in der Zentralitätsforschung. Der Untersuchungsraum umfasst die Diözesen Metz, Toul und Verdun sowie den Süden des Erzbistums Trier südlich einer Linie Arlon – Luxemburg – Trier; die Arbeit konzentriert sich im Wesentlichen auf die Zeit zwischen 1000 und 1300 mit Ausblicken in das späte Mittelalter.

Fray macht verschiedene zeitliche Schichtungen der Stadtentwicklung aus von den »anciennes bourgades gallo-romaines« über die »bourgs monastiques« und die »bourgades« der Zeit um 1000 bis hin zu den »villes de fondation plus récente« des 13./14. Jahrhunderts. Bei seinen Kriterien zur Definition der mittelalterlichen Stadt unterscheidet er zwischen morphologischen Gesichtspunkten, der Stadtmauer, der »importance historique«, rechtlichen Kriterien, der Terminologie und funktionalen Kriterien. Besondere Erwähnung verdienen dabei die interessanten und innovativen »critères toponymiques«. Hier untersucht Fray, welche Orte nach welchen benannt sind, also »X-lès/devant/près/sous-Y«, ein Phänomen, das besonders in Lothringen, der Champagne und Burgund begegnet. Sehr zu Recht betont der Verfasser, dass die Freibriefe kein Zentralitätskriterium darstellen und die große Mehrheit der damit ausgestatteten Orte stets ländlichen Charakter behielt.

Vom Ende des 11. bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts entstand in Lothringen ein »réseau secondaire« zentraler Orte. Fray geht ausführlich auf die verschiedenen Entwicklungsphasen einzelner Orte ein und widmet sich einigen Fallstudien, insbesondere Saint-Dié, Nancy und Saarburg. 32 Tabellen, 28 Karten und 7 Grafiken komplettieren die umfangreiche Arbeit. Die Karten informieren etwa über die Verteilung der Propsteien, der »Tabellionages«, der Hospitäler und Leprosorien, der Märkte und Jahrmärkte oder der Juden (wobei erstaunt, dass dem Verfasser die Juden etwa in Trier und Luxemburg unbekannt sind) im Raum oder die Verteilung der Zentralitätskriterien zu einzelnen Zeitschnitten (1000, 1100, 1150, 1200, 1300, 1400). Leider handelt es sich dabei zum Teil um Inselkarten, die den Eindruck erwecken, außerhalb der heutigen Region Lothringen habe es zahlreiche Phänomene nicht oder kaum gegeben. Interessant sind auch einige Spezialkarten wie etwa zur Einwanderung nach Metz im 13. Jahrhundert.

Die Grafiken illustrieren beispielsweise das Aufkommen der Hospitäler oder die Entwicklung einzelner Städte (etwa im Vergleich der drei Herrschaftssitze Bar-le-Duc, Luxemburg und Nancy), die Tabellen u. a. die Zahl der Zentralitätskriterien in den einzelnen Orten zu bestimmten Zeitschnitten (1000, 1100, 1300). Nicht immer ist dabei der Zusammenhang zwischen Tabelle und Karte klar; so verzeichnet z. B. die Tabelle S. 282 für Verdun 38 und für Trier 34 Zentralitätskriterien für 1300, auf der Karte S. 286 beträgt jedoch der Kreisdurchmesser für Trier 18 mm, für Verdun 14 mm.

Erhebliche Schwachstellen der Arbeit offenbart jeweils der Blick in die Nachbarregionen. Dass beispielsweise um 1300 Colmar (17 Kriterien), Schlettstadt und Mülhausen (je 16) eine deutlich höhere Zentralität als Basel (12) besessen haben und Rappoltsweiler oder Thann (je 11) annähernd an Basel herangereicht haben sollen, ist geradezu absurd. Auch war zu jenem Zeitpunkt Luxemburg (30) gewiss nicht bedeutender als Straßburg (28), lagen Saarburg (23) und Arlon (22) ganz sicher nicht weit vor Basel usw.

Sinnvollerweise liegt der Studie eine CD-Rom bei, auf der sich – ein erfreulicher Service – noch einmal alle Karten und Grafiken abrufen lassen. Zudem enthält diese einen Ortskatalog, einen Index und das Literaturverzeichnis jeweils als PDF. Bedauerlicherweise wurde jedoch die Literatur nach 1996 nur sehr unvollständig, nach 2000 erschienene Arbeiten praktisch gar nicht mehr erfasst, so dass die letzten zehn Jahre vor Erscheinen der Arbeit weitgehend ausgeblendet bleiben. Auch der Ortskatalog enthält Schwächen: Vieles ist nicht belegt, vieles wurde übersehen. So kennt der Verfasser offenbar in Trier die Benediktinerklöster St. Martin und St. Marien ebenso wenig wie das Kollegiatstift St. Paulin und eine ganze Reihe anderer geistlicher Institutionen (Zisterzienserinnen, Deutschherren, Johanniter usw.) oder das Stift St. Gangolf in Toul.

Daher verliert diese von ihrem Ansatz her weiterführende, interessante Einzelergebnisse enthaltende Studie leider aufgrund ihrer erheblichen Unzuverlässigkeit, die auch zu fehlerhaften Schlussfolgerungen führt, erheblich an Wert.

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J.-L. Fray, Villes et bourgs de Lorraine (Frank G. Hirschmann)
In: Francia-Recensio, 2009-2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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Dokument zuletzt verändert am: Feb 24, 2012 03:51 PM
Zugriff vom: May 24, 2012