B. S. Bowers (ed.), The Medieval Hospital and Medical Practice (Kay Peter Jankrift)
Barbara S. Bowers (ed.),
The Medieval Hospital and Medical Practice, Aldershot (Ashgate
Publishing) 2007, XIV–258 S., 20 Abb.
(AVISTA.
Studies in the History of Medieval Technology, Science and Art, 3),
ISBN 978-0-7546-5110-9, GBP 55,00.
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Der Titel des Sammelbandes weckt hohe Erwartungen, weiß doch jeder, der sich näher mit dem Themenfeld beschäftigt hat, dass eine regelmäßige medizinische Versorgung in den mittelalterlichen Hospitälern des Abendlandes eher die große Ausnahme denn die Regel war. Insgesamt 15 Beiträge nehmen sich in vier Sektionen den Bereichen: Wege zur Erforschung der mittelalterlichen Medizin, Archäologie und Architektur, neuen Zugriffen auf Schriftquellen sowie der Verbindung zwischen monastischem Rahmen und Heilkunde an. Dass mehr als 6 Jahre zwischen der Präsentation der Beiträge auf dem 36th International Congress on Medieval Studies in Kalamazoo im Jahre 2001 und dem Erscheinen des Bandes vergangen sind, hat manchen Aufsätzen der ersten Sektion – trotz des stellenweise erkennbaren Bemühens der Aktualisierung durch kleinere Einschübe – nicht gut getan. Dies zeigt sich insbesondere am Beitrag von Bruno Tabuteau zur Entwicklung der Forschungen über die historische Lepra (S. 41–56), der inzwischen schlichtweg veraltet erscheint und sich noch dazu trotz der Einbindung Westeuropas in den Titel vor allem auf Frankreich konzentriert. Punktuell trifft diese Kritik auch den Beitrag von John M. Riddle »Research Procedures in Evaluating Medieval Medicine« (S. 3–17). So liegen vor allem zum Erreger der mittelalterlichen Pest seit den letzten Jahren neue, wichtige Erkenntnisse vor. Zeitlos und für die Erforschung der Patientengeschichte von großem Nutzen zeigt sich in dieser ersten Sektion hingegen der Beitrag von Theresa M. Vann (S. 19–40), der sich den Archiven und der Bibliothek der Sacre Infermeria des Malteserordens annimmt. Mit seinen Appendices liefert er eine wertvolle Basis.
Interessantere Zugriffe auf das Themenfeld des Bandes bieten die vier Beiträge der zweiten Sektion. Es gelingt William White, Geoff Egan, Lynn T. Courtenay und Renzo Baldasso die Dimension medizinischer Praxis in mittelalterlichen Hospitälern anhand der archäologischen Befunde wie baulichen Gegebenheiten deutlich zu machen. Dabei gilt es im Kern die Aussage von William White festzuhalten, der zufolge osteoarchäologische Untersuchungen keinerlei Beweis für die Behandlung der meisten Leiden im Spital zuließen, Traumata hingegen mit großer Kunstfertigkeit in den Einrichtungen versorgt wurden.
Unter den Beiträgen von James W. Brodman, Peregrine Horden, Alain Touwaide, M. K.K. Yearl und Anne Van Arsdall in der dritten Sektion beschreitet vor allem Horden (S. 133–146) mit seinem Zugriff auf eine ganzheitliche Krankenversorgung und der Betonung des mentalen Gleichgewichts einen neuen Weg. Einen informativen, dem Thema des Bandes voll gerecht werdenden Einblick in die hospitalischen Handbücher (Iatrosophia) des Byzantinischen Reiches bietet Alain Touwaide (S. 147–174).
Qualitativ fällt der Band mit der vierten Sektion wieder ab. Weder die Beiträge von Rafaël Hyacinthe zur Lepra im Heiligen Land und dem Orden des Heiligen Lazarus (S. 209–224) noch von Maria A. D’Aronco über die Regel des Heiligen Benedikt und den St. Galler Klosterplan in England warten mit wirklich neuen Erkenntnissen auf (S. 235–251). Deutlich sticht aus diesem Kreis der Aufsatz von Piers D. Mitchell heraus (S. 225–234). Er widmet sich den bislang wenig erforschten Infirmarien des Templerordens im Lateinischen Königreich Jerusalem und zeigt schlüssig nicht zuletzt auf der Grundlage eigener osteoarchäologischer Forschung, welche bedeutende Rolle der Heilkunde in den Einrichtungen zukam.
Insgesamt wird der Band nur zum Teil dem gerecht, was der Titel verspricht. Die Beiträge aber, die sich tatsächlich mit der Thematik auseinandersetzen, bieten für die weitere Forschung wichtige Grundlagen und Anregungen. Bei einer etwas rigideren Auswahl durch die Herausgeberin hätte ein durchaus homogeneres Werk entstehen können. So aber erscheint die Aneinanderreihung der Aufsätze eher wie ein willkürliches Sammelsurium. Ein Problem, unter dem bekanntermaßen nicht nur dieser »Sammel«band leidet.
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