F. Bougard, Cristina La Rocca, Régine Le Jan (dir.), Sauver son âme et se perpétuer (Jochen Johrendt)
François Bougard,
Cristina La Rocca, Régine Le Jan (dir.), Sauver son âme et se
perpétuer. Transmission du
patrimoine et mémoire au Haut Moyen Âge, Rome (École française de
Rome) 2005, 532 S. (Collection de l’École française de Rome,
351), ISBN 2-7283-0737-7, EUR 63,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Jochen Johrendt, München
Der Band ist der vierte und damit letzte Band in der Reihe »Les transferts patrimoniaux en Europe occidentale VIIIe–Xe siècle«. Er geht auf eine Tagung vom 3. bis 5. Oktober 2002 zurück, die sich den unterschiedlichen Testamentsarten und -praktiken widmete. Nach einer kurzen Einleitung von Régine Le Jan, Introduction (S. 1–6), geht Josiane Barbier, Testaments et pratique testamentaire dans le royaume franc (VIe–VIIIe siècle) (S. 7–79), den Testamenten der Könige und aristokratischen Oberschicht vom Zeitalter der Merowinger bis ca. 800 unter den Aspekten der Typologie und Testamentspraxis, d. h. der Testamentsexekution, nach. Im Anhang werden Testamente im Zeitraum von 501 bis 800 in Regestenform zusammengestellt. Swen Holger Brunsch, Genesi, diffusione ed evoluzione dei documenti di ultima volontà nell’alto Medioevo italiano (S. 81–96), gibt anhand italienischen Materials einen Überblick über terminologische Abgrenzungen, chronologische Entwicklung und Formen der letztwilligen Verfügungen zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert. Für diese Epoche sind ca. 600 Testamente aus über 90 unterschiedlichen Orten überliefert. An diesen Beitrag knüpfen Stefano Gaspari, I testamenti nell’Italia settentrionale fra VIII e IX secolo (S. 97–113), Luigi Provero, Progetti e pratiche dell’eridità nell’Italia settentrionale (secoli VIII–X) (S. 115–130), und Vito Loré, Disposizioni di tipo testamentario nelle pratiche sociali dell’Italia meridionale (S. 131–158), an. Brigitte Kasten, À propos de la dichotomie entre privé et public dans les testaments des rois francs (S. 159–201), beschäftigt sich mit dem Charakter von 41 Herrschertestamenten von Pippin dem Jüngeren bis zu Konrad IV. hinsichtlich ihrer Regelungen für den öffentlichen (publicus) und privaten (privatus) Bereich und greift dazu neuere Ansätze von G. Melville und P. von Moos auf. Hans-Werner Goetz, Coutume d’héritage et structures familiales au haut Moyen Âge (S. 203–237), differenziert zunächst den Begriff der familia, bevor er die Erbfolge innerhalb der Merowinger und Karolinger daraufhin untersucht und vor diesem Hintergrund anhand der Besitzübertragungen an das Kloster St. Gallen die Vererbung der geschenkten Güter analysiert. Einen Abstecher nach Bayern liefert Geneviève Bührer-Thierry, Des évêques, des clercs et leurs familles dans la Bavière des VIIIe–IXe siècles (S. 239–264), die sich – anders als der Titel suggeriert – allein mit Freising beschäftigt. Im Anhang werden drei bereits 1905 edierte Traditionen ohne Veränderungen aus der Edition nochmals abgedruckt. Zum Themenkreis der Beiträge, die Italien gewidmet sind, gehört auch Laurent Feller, Les politiques des familles aristocratiques à l’égard des églises en Italie centrale (IXe–XIe siècle) (S. 265–292), der regional die Lücke zwischen Nord- und Süditalien schließt, zeitlich jedoch nicht zu den beiden anderen Beiträgen kongruent ist. Spanien wendet sich Lluís To Figueras, Fondations monastiques et mémoire familiale en Catalogne (IXe–XIe siècle) (S. 293–329), am Beispiel von Abteien in Cuxa, Ripoll und Cardona zu. Philippe Depreux, La dimension »publique« de certaines dispositions »privées«: fondations pieuses et memoria en Francie occidentale aux IXe et Xe siècles (S. 331–378), schließt thematisch an die Untersuchung von B. Kasten an, jedoch nicht allein auf Testamente begrenzt. Bei der Unterscheidung von öffentlich und privat fragt er darüber hinaus nach der Funktion der Stiftungen als soziales Distinktionsmerkmal. Im Anhang werden sechs Dokumente geboten, zwei davon in einer Neuedition (eine Schenkung von Dez. 878 an Saint-Martin in Tours und ein Prekarievertrag von 888/889). Eliana Magnani, Don aux églises et don d’églises dans le sud-est de la Gaule: du testament d’Abbon (739) aux chartes du début du XIe siècle (S. 379–400), untersucht ausgehend vom Testament des Abbon provenzalische Testamente und Vermächtnisse pro anima zugunsten von Saint-Victor in Marseille. Wendy Davies, Buying with masses: »donation« pro remedio animae in tenth-century Galicia and Castile-León (S. 401–416), wendet sich wieder dem nordspanischen Raum zu und analysiert die Schenkungen an Kirchen. Dabei kann sie auf die reiche Urkundentradition dieses Raumes zurückgreifen, aus der für das 10. Jahrhundert allein für das Kloster Celanova über 220 Einzelakte überliefert sind. Flavia De Rubeis, La memoria e la pietra (S. 417–430), dokumentiert an ausgewählten Beispielen Italiens (Rom, Mailand, Neapel u. a.) für das 7. bis 9. Jahrhundert den Beitrag der Epigraphik zum Thema. Cristina La Rocca, Rituali di famiglia: pratiche funerarie nell’Italia Longobarda (S. 431–457), konfrontiert unter anderem die Regelungen der Leges Langobardorum mit der dokumentarischen Überlieferung. Mit dem Beitrag von Emmanuelle Santinelli, Les femmes et la mémorie: le rôle des comtesses dans la Francie occidentale du XIe siècle (S. 459–484), kehrt der Band wieder nach Frankreich zurück und untersucht die Stiftungen pro anima wie auch pro anima mariti, filiorum et parentum. François Bougard, Conclusion (S. 485–494), verweist in seinen abschließenden Bemerkungen nochmals auf die Vielfalt des Quellenmaterials und seine unterschiedlichsten Regelungen pro anima des Erblassers. Den Band beschließt ein Register (S. 495–522) sowie ein knappe Zusammenfassung der meisten Beiträge (S. 523–529). Er spannt damit einen weiten chronologischen Bogen und berücksichtigt unterschiedliche Regionen Europas, wobei eine gebündelte Anordnung der Beiträge sinnvoller gewesen wäre.
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