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J.-F. Bergier, Gauro Coppola (a cura di), Vie di terra e d’acqua (Uwe Israel)

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Jean-François Bergier, Gauro Coppola (a cura di), Vie di terra e d’acqua. Infrastrutture viarie e sistemi di relazioni in area alpina (secolo XIII–XVI)

Francia-Recensio 2009/2 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Jean-François Bergier, Gauro Coppola (a cura di), Vie di terra e d’acqua. Infrastrutture viarie e sistemi di relazioni in area alpina (secolo XIII–XVI), Bologna (Società editrice il Mulino) 2007, 260 S. (Fondazione Bruno Kessler. Annali dell’Istituto storico italo-germanico in Trento Quaderni, 72), ISBN 978-88-15-12308-4, EUR 18,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Uwe Israel, Venedig

Die Geschichte des alpinen Natur- und Kulturraums, insbesondere seiner für Europa trennenden oder verbindenden Funktion, hat in jüngster Zeit – sicher befördert durch das gestiegene Interesse an Kommunikations- und Migrationsphänomenen – wieder größere Aufmerksamkeit der Forschung gewonnen. Dafür sprechen die seit 1996 in Medrisio (Schweiz) erscheinende Zeitschrift »Histoire des Alpes – Storia delle Alpi – Geschichte der Alpen« der Internationalen Gesellschaft für historische Alpenforschung (IGHA) oder auch der vorliegende Sammelband. Dieser verdankt seine Entstehung einem im Jahre 2005 am passenden Ort in Trient abgehaltenen Seminar, das durch eine Kooperation der IGHA mit dem Trentiner Kulturinstitut, heute Fondazione Bruno Kessler, zustande kam, in deren historischer Reihe die Akten nun erscheinen.

Die zehn italienischen Beiträge werden eingerahmt von einer knappen Zusammenfassung und Einleitung der beiden Herausgeber, die bereits mit einschlägigen Publikationen hervorgetreten sind. Die Beiträge bewegen sich zwischen allgemeiner Verkehrsgeschichte (Reto Furter für die Zeit vom 14. bis 19. Jahrhundert) und Altstraßenforschung (Robert Büchner für den Arlberg, Donata Degrassi für die ostalpinen Wege zur Adria, Guglielmo Scaramellini für die Wege vom Comersee ins Rheintal) sowie zwischen Wirtschafts- (Stefania Duvia für Como, Kurt Scharr für das Ötztal bis ins 18. Jahrhundert) und Siedlungsgeschichte (Luigi Provero für die Westalpen im 13. Jahrhundert, Christof Thöny für das vor dem Arlberg gelegene Klostertal), die auf infrastrukturelle Voraussetzungen der Mobilität abhebt. Besonders interessante Themen greift Thomas Szabó auf, der sich fragt, wer eigentlich für den Ausbau und die Instandhaltung der Alpenstraßen verantwortlich war: im nördlichen Bereich mit Mitteln des Wegezolls waren es die von den Herrschaftsträgern Beauftragten, später findige Unternehmer – die wie Heinrich Kunter am Brenner ein Geschäft aus den Wegen machten –, im südlichen Bereich der römisch-rechtlichen Tradition, nach der prinzipiell alle beizusteuern hatten, waren es die angrenzenden Kommunen; vor dem 13. Jahrhundert habe es entweder keinen Verantwortlichen gegeben oder es sei bei Italienzügen der nordalpinen Herrscher situationsbedingt zur Mobilisierung aller in den zu passierenden Territorien Interessierten gekommen (157f.). Dann will Guido Castelnuovo die Alpenstraßen »fra immaginario, realtà e politica« untersuchen, was ihm allerdings auf den wenigen Seiten, die ihm zur Verfügung stehen, nicht befriedigend gelingt.

Im Mittelpunkt der meisten Arbeiten stehen die Pässe, wobei auch den weniger prominenten Aufmerksamkeit geschenkt wird, die wieder verstärkt ins Bewusstsein gerückt sind, nachdem es im Jahre 1991 in den Ötztaler Alpen zu dem spektakulären Fund einer prähistorischen Leiche auf über 3000 Meter Höhe gekommen war. Dieser Fund hatte schlaglichtartig daran erinnert, dass es noch im Mittelalter eine Vielzahl von kleinen und kleinsten Übergängen gab, die wohl schon immer ihre regionale Bedeutung hatten (in den Ötztaler Alpen beispielsweise das Gurgler Schartl sowie das Haus-, Nieder-, Timmels-, Eis- und Bildstöckljoch, S. 68) oder die ihre in früheren Zeiten überragende Transitrolle (Septimer, Reschen) an andere Pässe abtreten mussten, nachdem es dort zu Verbesserungen gekommen war (Gotthard, Splügen, Brenner). Die Gangbarmachung vorher unwegiger Passagen (Via Mala, Schöllenen) oder der Ausbau von Saumpfaden zu Karrenwegen (Kunterschlucht, Septimer, Kanaltal) gehörten in eine seit dem 13. Jahrhundert zu beobachtende technisch-administrativ innovative Phase, durch die »l’intera viabilità alpina entra in una fase di rinnovamento e potenziamento« (S. 13).

Nicht alle der teils recht kurzen Beiträge stellen innovative Forschungsleistungen dar. Einige Beiträge bleiben zu sehr im Allgemeinen und geben lang Bekanntes in neu systematisierter Ordnung wieder (Scaramellini mit einer Karte, auf der man eigentlich nichts erkennen kann, S. 22), oder sie beschränken sich vor allem auf eine Literaturübersicht (Furter mit einer aus der Sekundärliteratur erarbeiteten und kommentierten Tabelle zu Transportmengen über ausgewählte Alpenpässe, S. 106–121), andere fassen ihre bereits anderswo vorliegenden Forschungen lediglich bündig zusammen (Büchner, Degrassi, Duvia, Scharr) oder stellen ihr Projekt vor (Thöny, ohne Anmerkungen).

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J.-F. Bergier, Gauro Coppola (a cura di), Vie di terra e d’acqua (Uwe Israel)
In: Francia-Recensio, 2009-2, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2009-2/MA/Bergier-et-al_Israel
Dokument zuletzt verändert am: Feb 24, 2012 03:37 PM
Zugriff vom: May 24, 2012