M. Gumbert-Hepp, J. Gumbert, J. Burgers (Hg.), Annalen van Egmond (Wolfgang Peters)
Annalen van Egmond. De Annales Egmundenses
tesamen met de Annales Xantenses en het Egmondse Leven van Thomas
Becket, uitgegeven en vertaald door Marijke Gumbert-Hepp en J. P.
Gumbert. Het Chronicon Egmundanum, uitgegeven door J. W. J. Burgers,
Hilversum (Uitgeverij Verloren) 2007, CXII–-416 S. (Middeleeuwse
Studies en Bronnen, CVII), ISBN 978-90-8704-000-0, EUR 49,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Wolfgang Peters, Köln
Die Edition der Egmonder Geschichtsquellen war bisher vor allem mit dem Namen Otto Oppermanns verbunden, eines in Utrecht wirkenden deutschen Historikers, der in jahrzehntelanger Arbeit die Kritik dieser Quellen förderte und sie schließlich im Jahre 1933 mit großem Kommentar veröffentlichte (Fontes Egmundenses, Utrecht 1933). Seine Ergebnisse blieben allerdings nicht unwidersprochen. Beginnend mit P. A. Meilink unterzog die niederländische historische Forschung die Geschichtsquellen des ehemals bedeutenden, in der Nähe von Alkmaar im äußersten Norden der Grafschaft Holland gelegenen Benediktinerklosters erneut einer kritischen Prüfung, an deren Ende der vorliegende stattliche Quellenband steht.
Er bietet in einer Paralleledition auf der linken Seite die Annalen, das Hauptwerk der Egmonder Geschichtsschreibung, die im Jahre 640 beginnen und bis 1208 reichen, mit Nachträgen zu 1248–1250, 1282 und 1315. Darunter befindet sich, durch einen schwarzen Balkenstrich abgetrennt, der Text des von den Annalen in weiten Teilen abhängigen Chronicon Egmundanum, das bisher nur in einer Edition aus dem Jahre 1777 zugänglich war. Diese Chronik reproduziert jedoch nicht nur, sie verfügt immerhin über einen selbstständigen Einleitungsteil (S. 2–5) und einen Anhang mit Urkunden des 9. Jahrhunderts zur Geschichte des Klosters (S. 334–341). Ergänzt und abgerundet wird der Abdruck der beiden Quellen durch einen textkritischen Anmerkungsapparat. Auf der rechten Seite wird eine niederländische Übersetzung der lateinischen Texte geboten, ferner ein historischer Sachkommentar, auch dieser in der Form von adnotationes angelegt.
Bei der Überlieferung der Egmonder Annalen kann man geradezu von einem Glücksfall sprechen. Erhalten hat sich nämlich das Autograph, das nach der Plünderung und Aufhebung der Abtei im Jahre 1572/1573 nach England gelangte und heute in London liegt (British Library, Cotton Tib. C. xi). In der Einleitung der Quellenausgabe wird von den Herausgebern noch einmal sorgfältig der Aufbau der Handschrift und die Zuweisung des Textes an die verschiedenen Hände erörtert, wobei die Ergebnisse in wichtigen Punkten von den Thesen Oppermanns abweichen (mit reichem Abbildungsmaterial S. LXXXf.). Eine Neubewertung der Tätigkeit des Schreibers C, der Anfang des 12. Jahrhunderts arbeitete, führte dazu, dass sich die Herausgeber im Gegensatz zu Oppermann dazu entschlossen, die Annales Egmundenses zusammen mit den Annales Xantenses abzudrucken. Sie folgten damit dem handschriftlichen Befund, der beide Quellen als Einheit darbietet.
Neue Erkenntnisse ergaben sich auch bei dem letzten Egmonder Annalisten, der die Annalen von 1203 an (S. 302), möglicherweise aber auch schon früher, von 1176 an (S. 272), bis zum letzten Jahreseintrag 1208 weiterführte. Jan Burgers konnte wahrscheinlich machen, dass es sich bei ihm um den Egmonder Mönch Allinus handelt. Er stammte aus dem Adelsgeschlecht Van Haarlem, war zeitweise als capellanus in der Kanzlei der Grafen von Holland tätig und trat in dieser Eigenschaft als Schreiber von Urkunden hervor.
Komplizierter ist die Überlieferungslage bei dem Chronicon Egmundanum, das in sechs Handschriften überliefert ist, von denen vier aus dem Mittelalter stammen. Der Herausgeber hielt sich hier an das Anciennitätsprinzip und entschloss sich, die Chronik nach der ältesten Handschrift (Berlin Staatsbibliothek, Ms. Phillips 1891) zu edieren.
Sehr eingehend setzt sich Burgers mit den Entstehungsbedingungen und dem Charakter der Chronik auseinander. Er sieht in ihr vor allem eine adelsgeschichtliche Quelle, die die Erinnerung an den Aufstieg des holländischen Grafenhauses und die Entstehung der gleichnamigen Grafschaft wachhalten sollte. Um 1270 dürfte sie im Kloster Egmond – wahrscheinlich im landesherrlichen Auftrag – geschrieben worden sein.
Über 100 Seiten verwandten die Herausgeber darauf, den Leser und Benutzer sorgfältig und sachkundig auf die Lektüre dieser wichtigen Quellen zur Geschichte der nördlichen Niederlande vorzubereiten. Er konnte mit ihrer Hilfe anhand der Annales Egmundenses auch einige Etappen auf dem Wege der Editionsgeschichte dieser Quelle, dessen Anforderungen immer anspruchsvoller wurden, zurücklegen. An seinem Anfang stand im Jahre 1859 Georg Heinrich Pertz mit seiner Monumenta-Ausgabe. Stichproben ergaben, dass auch die letzte Edition der »Egmonder Annalen« nicht frei von Fehlern ist (vgl. S. 192 Z. 15: saluatavit statt salutavit). Beschlossen wird der Band mit einer Bibliographie und einem Index der Personen- und Ortsnamen (S. 394ff.), dessen Oberflächlichkeit und Fehlerhaftigkeit einige Rätsel aufgeben. Diese leise Kritik soll uns jedoch nicht daran hindern, den Herausgebern Marijke Gumbert-Hepp, J. P. Gumbert und J. W. J. Burgers abschließend den notwendigen Respekt zu erweisen. Sie haben viele Jahrzehnte ihres Lebens darauf verwandt, die vorliegende Quellenedition zu erarbeiten.
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