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G. Viard (Hg.): L'Abbaye cistercienne de Morimond (Wolfgang Peters)

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L’Abbaye cistercienne de Morimond. Histoire et Rayonnement. Colloque international organisé par l’Association des amis de l’abbaye de Morimond et la Société historique et archéologique de Langres

Francia-Recensio 2008/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

L’Abbaye cistercienne de Morimond. Histoire et Rayonnement. Colloque international organisé par l’Association des amis de l’abbaye de Morimond et la Société historique et archéologique de Langres, Langres (5–6 septembre 2003), Langres (Association des amis de l’abbaye de Morimond) 2005, 358 S., EUR 30, 00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Wolfgang Peters, Köln

Das Jahr 2003 bot gleich in zweifacher Hinsicht einen Anlass, zu einem wissenschaftlichen Kolloquium über die Zisterzienserabtei Morimond zusammenzutreten. Zum einen galt es, die Erinnerung an das Todesjahr Bernhards von Clairvaux (1153) wachzuhalten, zum andern jährte sich, noch konkreter, die Weihe der architekturgeschichtlich bedeutsamen Abteikirche von Morimond (1253), die heute allerdings nur noch in Teilen als Ruine erhalten ist.

Wer sich auf die frühe Geschichte Morimonds, in der Diözese Langres, im heutigen Département Haute-Marne gelegen, einlässt, beschäftigt sich zugleich mit den Anfängen des Zisterzienserordens. Morimond war das vierte Tochterkloster von Cîteaux. Von hier aus wurde im Jahre 1122 oder 1123 die älteste Zisterzienserniederlassung auf deutschem Boden im niederrheinischen Kamp gegründet. Als Primarabtei trat Morimond selbst in den folgenden Jahrzehnten an die Spitze eines großen Filiationsverbandes mit einem besonderen Schwerpunkt im süddeutschen Raum. Um die Gründung und die Anfänge von Morimond, um den Platz des Klosters im Zisterzienserorden und um seine Ausstrahlung und die Entwicklung des Filiationsverbandes geht es in diesem Aufsatzband.

In einem ersten Teil sind fünf Beiträge zusammengefasst, die historische und quellenkritische Themen behandeln. Michel Parisse (Morimond au XIIe siècle), dem auch eine kurze Conclusio der Tagungsergebnisse am Ende des Bandes zu verdanken ist, wertet die päpstlichen Privilegien des 12. Jhs. für Morimond aus. Sein Ziel ist es, in einigen zentralen Fragen wie dem Gründungsjahr des Klosters, der Chronologie des Filiationsverbandes, der Äbteliste und der Ausbildung der Hierarchie im Zisterzienserorden präzisere Ergebnisse zu erzielen. Auf die Urkunden Morimonds im 12. Jh., deren Edition er vorbereitet, geht Hubert Flammarion (Aspects de la vie de l’ordre cistercien au XIIe siècle à travers les chartes de Morimond) ein. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt in diesem Zusammenhang den Zeugenlisten, die die Namen von nicht weniger als 124 Zisterzienseräbten überliefern, den urkundlichen Interventionen Bernhards von Clairvaux und der Urkundenform des Chirographs (13 Belege), das zur Beilegung von Streitigkeiten eingesetzt wird. Diese ergiebigen Studien zu den frühen Urkunden des Klosters werden durch den Aufsatz von Marlène Hélias-Baron (Les pancartes de Morimond au XIIe siècle) abgerundet und beschlossen. Die päpstlichen Pontifikalienverleihungen an Zisterzienseräbte, die erst spät um die Mitte des 14. Jhs. einsetzen, behandelt Jean-Vincent Jourd’heuil (Un sacramentaire pontifical de Cîteaux puis de Morimond, témoin de l’éclatement de la fonction épiscopale à la fin du Moyen Âge), ehe Georges Viard einen Blick in die Klostergeschichte des 17. Jhs. wirft (Morimond au XVIIe siècle: Réflexions sur la vacance du siège abbatial de 1662 à 1666).

Den mittleren Teil des Bandes eröffnen zwei Aufsätze von Benoît Chauvin, in denen er die Forschungen zur Baugeschichte der Abteikirche seit den Grabungen von Henri-Paul Eydoux in den Jahren 1954/55 Revue passieren lässt. Zugleich erweitert er unsere Kenntnisse über die damalige wissenschaftliche Diskussion, indem er Teile der Privatkorrespondenz von Eydoux, die sich auf die Grabungen beziehen, ediert. Der Grundriss von Morimond war bis zum Beginn der Grabungen von Eydoux unbekannt. Obwohl noch eineinhalb Seitenschiffsjoche des westlichen Langhauses stehen, konnte das Aussehen der Gesamtanlage daraus nicht erschlossen werden. Er brachte die Ergebnisse seiner Ausgrabungen mit der Nachricht, dass Bischof Otto von Freising auf dem Wege zum Generalkapitel in Cîteaux 1158 in Morimond verstorben und im Sanktuarium der Kirche bestattet worden sei, in Verbindung und datierte die Ostteile der Kirche von Morimond in die Jahre zwischen 1155 und 1170. Er nahm also einen Kirchenbau an, der mit der Weihe im Jahre 1253 zum Abschluss gebracht worden sei. Die Thesen von Eydou blieben nicht unwidersprochen. Inzwischen geht die bauhistorische Forschung von zwei aufeinander folgenden Kirchenbauten (Morimond I und Morimond II) aus. Der Baubeginn der zweiten Kirche, deren Grundriss von Eydou freigelegt wurde, wird in das letzte Jahrzehnt des 12.Jhs. bzw. in den Anfang des 13.Jhs. gelegt.

Verhältnismäßig neue Arbeitsfelder betreten Benoît Rouzeau und Erwan Madigand mit ihren Aufsätzen. Im ersten Beitrag (L’hydraulique dans l’enclos de l’abbaye de Morimond), von beiden gemeinsam verfasst, geht es um eine Bestandsaufnahme der archäologischen Spuren, die die Wasserversorgung des Klosters hinterlassen hat. Mit der Gewinnung und Verarbeitung des Eisens in Morimond bis in die Neuzeit beschäftigt sich der zweite Beitrag von Benoît Rouzeau. Erste Hinweise auf eine »métallurgie cistercienne« finden sich bereits in einer Urkunde des Bischofs Pierre de Brixey von Toul von 1181 für die Mönche.

Dem Filiationsverband von Morimond ist der dritte Teil des Aufsatzbandes gewidmet. Eingeleitet wird er durch einen Beitrag von Immo Eberl, der die Ausstrahlung des lothringischen Klosters in den süddeutschen Raum hinein beschreibt (La filiation de Morimond en Allemagne du Sud). 34 Tochtergründungen lassen sich auf Morimond zurückführen, wobei die Abteien Ebrach, nahe Würzburg im Steigerwald gelegen, Heiligenkreuz bei Wien und Lützel im Elsass in diesem Verbindungsnetz die Rolle von wichtigen Knotenpunkten als Ausgangspunkte weiterer Filiationen einnahmen. Ein Blick auf das soziale Profil der Klostergründer zeigt die edelfreien Geschlechter unangefochten an der Spitze, dann folgen mit großem Abstand die Ministerialenfamilien und die Bischöfe.

Der einzigen direkten Tochtergründung Morimonds in Italien, dem gleichnamigen Morimondo, sind gleich drei Aufsätze gewidmet. Francesco Villa (L’expansion de Morimond en Italie) berichtet knapp und präzis über die Geschichte des im Norden der Halbinsel gelegenen Klosters bis in die heutige Zeit, während P. Mauro Loi (Origine et développement de l’abbaye de Morimondo) behutsam und umsichtig die Anfangsphase und die Umstände der Klostergründung im Jahre 1134 und insbesondere auch die Rolle Bernhards von Clairvaux untersucht. Dem Thema Skriptorium und Klosterbibliothek widmet sich Sandrina Bandera (Les premiers manuscrits de l’abbaye de Morimondo et leurs relations avec la région d’origine), die dazu in Morimondo reiches Material vorfindet. Den Tochtergründungen Morimonds im westlichen Pyrenäenraum, in der Gascogne, wendet sich Constance H. Berman (La filiation de Morimond dans le Midi de la France, XIIe–XIIIe siècle) zu. Kennzeichnend für diese Gruppe von Filiationen, die auch auf die spanische Seite der Pyrenäen ausgriff, ist, dass ihr Gemeinschaften beitraten, die ursprünglich unabhängig waren und nicht die instituta ordinis cisterciensis befolgten.

Beschlossen wird der Aufsatzband mit einem Beitrag von Philippe Josserand (D’un couvent l’autre: l’abbaye de Morimond et les ordres militaires hispaniques de filiation cistercienne au Moyen Âge). Der Eintritt des Ritterordens von Calatrava in die Welt der Zisterzienser ist auf das Jahr 1164 zu datieren, sichtbar dokumentiert durch das Privileg Alexanders III., das die neuen Ordensstatuten, die aus Cîteaux kamen, bestätigt. Fortgesetzt wurde der Prozess der Integration 1187, als Morimond die Jurisdiktionsgewalt über Calatrava zugewiesen wurde. Es folgten dann noch die Affiliationen der Orden von Avis und Alcántara. Auch auf einer verhältnismäßig schmalen Quellenbasis kann der Autor den Nachweis führen, dass Morimond bis in die frühe Neuzeit seine Aufsichtsfunktion gegenüber den Ritterorden wahrgenommen hat.

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Zugriff vom: May 24, 2012