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C. Thiellet: Femmes, reines et saintes (Ve-XIe siècles) (Martina Hartmann)

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Claire Thiellet, Femmes, reines et saintes (Ve–XIe siècles)

Francia-Recensio 2008/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Claire Thiellet, Femmes, reines et saintes (Ve–XIe siècles), Paris (PUPS) 2004, 422 S., ISBN 2-84050-294-1, EUR 23,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Martina Hartmann, Heidelberg

Die Autorin geht in ihrem Buch der Frage nach, was eine heilige Königin vom 5. bis 11. Jh. ist, was ihre Aufgaben als Königin waren und was ihre Heiligkeit nach der Darstellung der Hagiographen ausgemacht hat. In drei Großkapiteln (I: Sur la personnalité et la spiritualité des saintes reines, II: Vierges, Épouses et Veuves, III: La sainte reine dans son royaume) geht C. Thiellet dieser Frage nach, aber, um es gleich vorwegzunehmen, sie ist nicht in der Lage, diese Aufgabe in wissenschaftlich korrekter Arbeitsweise zu bewältigen. Über die Tatsache, dass veraltete Editionen benutzt werden (Flodoard, »Historia Remensis ecclesiae«; Hinkmar von Reims, »De ordine palatii«, Thegan, »Vita Ludwigs des Frommen«) könnte man noch hinwegsehen, wenn nicht Anmerkungen wie die folgende (als Nachweis zur Erhebung der Gebeine der hl. Richgard) üblich wären: »Annalista Saxonicus (sic!) apud Eccardum in corpore Historico medii aevi cité par Grandidier, Histoire de l’Église et des évêques-princes de Strasbourg, op. cit. p. 230« (S. 193 Anm. 39). Deutschsprachige Literatur zum Thema ist im Literaturverzeichnis kaum zu finden, und wenn, dann repräsentiert sie nicht den aktuellen Forschungsstand (wie die Arbeit von Werner über die Vita s. Chrodechildis, denn dies ist von Berschin inzwischen widerlegt worden). Offenbar ist die Verfasserin nur in der Lage, deutschsprachige Publikationen »indirekt« zur Kenntnis zu nehmen, so dass sich der grundlegende Aufsatz von Eugen Ewig über die Klosterpolitik der merowingischen Königin Balthild nicht im Literaturverzeichnis, sondern nur in Anm. 152 auf S. 370 findet (R. Folz, Les saintes Reines, op. cit. p. 37 citant E. Ewig, Das Privileg des Bischofs Berthefrid …) So liest man denn auch mit Erstaunen, dass Pippins des Mittleren Gemahlin Plectrud zur Heiligen avanciert ist mit einem Heiligentag am 18. September (Verwechslung mit dem Richgards?), und im Gegensatz zur übrigen Forschung weiß C. Thiellet auch, wann Plectrud gestorben ist, nämlich am 10. April 725 – eine Anmerkung gibt es hierzu freilich genausowenig wie für Richgards angebliches Todesjahr »893/96«, das man ebenfalls gar nicht kennt. Die Langobardenkönigin Theodelinde, die nun tatsächlich eine heilige Königin ist, findet dafür im Buch überhaupt keine Erwähnung, und dass das Konstrukt der Friedelehe längst überholt ist, scheint der Verfasserin des Buches nicht nur entgangen zu sein, sie scheint den Begriff nicht einmal verstanden zu haben: »D’ailleurs les concubines sont appelées friedlehen (sic!), gages de paix« (S. 209). Die Quellen zu den einzelnen Königinnen werden nicht nach ihrer Entstehungszeit oder Abhängigkeiten untereinander analysiert und auch die historischen Hintergründe nicht untersucht, beispielsweise zur erwähnten Klosterpolitik der Königin Balthild sowie ihrem Rückzug von der politischen Bühne oder zum Ehebruchsprozess gegen die Kaiserin Richgard 887 usw.

Gerade zum Thema der frühmittelalterlichen Königin sind in den letzten Jahren in England, Deutschland und Frankreich zahlreiche weiterführende Einzelstudien erschienen, die eine Synthese unter der von C. Thiellet anvisierten Fragestellung verdient hätten, aber das hier bespro­chene Buch wird dem Thema aufgrund wissenschaftlicher Unzulänglichkeiten der Autorin in keiner Weise gerecht.

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C. Thiellet: Femmes, reines et saintes (Ve-XIe siècles) (Martina Hartmann)
In: Francia-Recensio, 2008-4, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2008-4/MA/thiellet_hartmann
Dokument zuletzt verändert am: Feb 13, 2012 10:54 AM
Zugriff vom: May 24, 2012