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V. Tabbagh: Les clercs, les fidèles et les saints en Bourgogne médiévale (XIe-XVe siècles) (Renate Prochno)

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Les clercs, les fidèles et les saints en Bourgogne médiévale (XIe–XVe siècles). Textes réunis par Vincent Tabbagh

Francia-Recensio 2008/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Les clercs, les fidèles et les saints en Bourgogne médiévale (XIe–XVe siècles). Textes réunis par Vincent Tabbagh, Dijon (Éditions universitaires de Dijon) 2005, 192 S., ISBN 2-915552-21-5, EUR 20,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Renate Prochno, Salzburg

Der Band vereinigt acht Aufsätze, die zum größten Teil überarbeitete Vorträge der Tagung »Ordre et disordre dans les sociétés européennes de la protohistoire à l´époque contemporaine« der UMR »Archéologie, cultures et sociétés, la Bourgogne et la France orientale du néolithique au Moyen Âge« (Dijon, November 2003) sind. Das übergreifende Thema sind Frömmigkeitspraktiken im hoch- und spätmittelalterlichen Burgund.

Die einzelnen Aufsätze sind alle gleich gegliedert: Eine kurze allgemeine Einführung gibt den Rahmen für die spezifische Fragestellung. Darauf folgt eine Erläuterung der Quellenlage und die Charakterisierung der benutzten, meist neu erschlossenen Quellen. Der Hauptteil ist jeweils eine detaillierte, sehr gut dokumentierte Darstellung mit einer Fülle von Einzelbeispielen und einer prägnanten Zusammenfassung. Eliana Magnani Soares analysiert auf Grundlage der vier überlieferten coutumiers von Cluny den Wandel in Ablauf und Symbolik des mandatum, der Fußwaschung, vom Ende des 9. Jhs. bis 1080. Als Weg zum Heil waren alle Beteiligten bei diesem Ritual aufeinander angewiesen, und für das Selbstverständnis von Abt und Mönchen waren die komplexen Beziehungen zwischen den Armen, dem Abt, den Mönchen und ihre jeweilige Symbolik als Nachfolger Christi und der Apostel wesentlich. Jean-Vincent Jourd’heuil untersucht die Grablegen der Bischöfe von Langres von den Ursprüngen bis ins 16. Jh. Anders als z. B. im benachbarten Auxerre entstand keine Tradition einer Bischofssepultur, sondern die Bischöfe ließen sich zunächst bevorzugt in St-Bénigne, Dijon, bestatten, in der Kirche des legendären einheimischen Heiligen, der gleichzeitig zum Missionar von Langres stilisiert wurde. Andere Heilige aus Langres selbst wurden in die Bénigne-Legende integriert. Die Wahl der späteren jeweiligen Grablege richtete sich meist nach familiären Bindungen, bzw. nach dem Kloster, in das sich der Bischof zurückzog (vor allem Clairvaux 1150–1250), so dass erst ab Mitte des 12. Jhs. der Chor der Kathedrale von Langres zur regulären Bischofsgrablege wurde. Jacques Madignier korreliert 510 Messstiftungen mit ca. 240 Angaben von Begräbnisorten von Stiftern und Stifterinnen in Autun vom 12. bis zum 14. Jh. Daraus ergeben sich die Vorlieben von höherer und niederer Geistlichkeit, von hohem und niederen Adel, sowie des Stadtbürgertums, unterschieden nach männlichen und weiblichen Vorlieben, mit den möglichen Gründen. Je nach Begräbnisort und Stand des Stifters differieren die Höhen der Stiftungen bzw. die Preise für die Begräbnisorte. Madignier schildert im Detail, wie auch niedere Geistliche und Laien vor allem ab dem Ende des 13. Jhs. dank Stiftungen und verwandtschaftlicher Beziehungen immer öfter im Inneren der Kirchen bestattet wurden. Die Entwicklung in Autun war die übliche, abgesehen von den Kreuzgängen, die dort praktisch leer blieben, im Gegensatz zu den südfranzösischen Städten. Die Sorgfalt, mit der in Autun die Begräbnisorte verzeichnet wurden, ist eine Besonderheit: die Redaktion der Nekrologe gerade am Ende des 13. Jhs. spiegelt den Umbruch der Entwicklung wider. Lucie Milani versucht, anhand der ca. 300 erhaltenen Marienstatuen aus der Zeit von 1300 bis 1500 Rückschlüsse auf die Volksfrömmigkeit zu ziehen. Ihre quantitative Aufschlüsselung nach sozialem Rang des Auftraggebers, künstlerischer Qualität der Figuren, künstlerischem Umfeld, Material, Attributen und ursprünglichem Aufstellungsort muss mangels spezifischer Quellen sehr hypothetisch bleiben. Ihr Fazit, dass die Marienverehrung in der Fürbitte beim Jüngsten Gericht begründet ist und in allen Schichten verbreitet war, bleibt leider etwas pauschal, da sie auch nicht die Ikonographie der Statuen im Einzelnen untersucht. Fabrice Rey konzentriert sich in ihrer Studie zur Mariendevotion auf Margarete von Flandern (1369–1406) und Margarete von Bayern (1404–1424). Wallfahrten, die Stiftung einer Kapelle mit vollständiger Ausstattung in der Sainte-Chapelle von Dijon, Marienreliquien und der Ikonographie der joyaux, sowie die Skulptur von Champmol und Germolles, im weiteren auch die Buchillumination, Tapisserien und Reliquiare veranschaulichen das besondere Gewicht der Marienverehrung der beiden Herzoginnen. Zweck war die Memoria, die Fürbitte Mariens für das Seelenheil, und die irdische Präsenz durch Kunstwerke und Wappen, also spirituell und profan zugleich. Vincent Tabbagh schildert die Strategien der Kollegiatskirche von Vergy anhand von Reformen bzw. Disziplinierung des Kapitels von 1440, um die finanzielle Situation des Stifts zu sanieren. In den vorangegangenen dreißig Jahren waren die Einkünfte aus Stiftungsvermögen und Almosen um ca. ein Drittel gesunken, nicht aber die Verpflichtung der Distributionen an das Kapitel. Das hatte zunächst eine Redaktion des terriers mit den Auflistungen der Liegenschaften des Kapitels zur Folge (1444–1446). Eine Untersuchung der Reliquien förderte wertvolle Schätze zutage und zog die Gründung einer Bruderschaft nach sich, die mit einem Ablass verbunden war. Prozessionen mit den Reliquien brachten diese buchstäblich dem Volk nahe, und auch Wunder ließen nicht lange auf sich warten. Das feierlich inszenierte Zeigen der Reliquien machte Wallfahrten überflüssig und hielt die Spenden im eigenen Ort. Die Amtskirche achtete sehr darauf, die Kontrolle zu behalten und sorgte mit einer Aufteilung der Machtsphären dafür, dass keine Partei mit der anderen in Konkurrenz geriet, sondern alle gemeinsam in dieselbe Richtung wirkten: eine gesteigerte Verantwortung für die Disziplinierung der Laien, des Kollegiatkapitels, und der Pfarrer der übrigen Kirchen. Das entspricht der Entwicklung auch an anderen Orten und war zugleich im Sinne der Stifter.

Laurent Durnecker widmet sich dem Heiligenkult in Moutiers-Saint-Jean vom Mittelalter bis zur Reformation, zeichnet den Kult um den Gründerheiligen nach (Festtage mit Liturgie, Reliquienverehrung, Rekonstruktion von Kirche und Klosteranlage mit Kapelle des Heiligen, Standort des Schreins) und vergleicht sie mit dem Kult anderer Heiliger in der Abtei, vor allem Saint-Silvestre und Maria. Es entstand keine Konkurrenz, sondern »Kohabitation«. Die vertretenen Heiligen waren von lokaler, regionaler und überregionaler Bedeutung, was bis ins 17. Jh. anhielt, weil der Schrein des Gründungsheiligen saint Jean de Réôme für Heilungswunder ausgestellt blieb. Delphine Lannaud untersucht die finanziellen Folgen der bischöflichen Indulgenzien in Burgund im 15. Jh. Diese Ablässe sind oft die einzige Quelle für Wallfahrten und Reliquienverehrung, deren Einzugsbereich auch Konkurrenzen verrät (z. B. zwischen dem Abt von Saint-Étienne, Dijon, und dem Bischof von Langres), und die Aufgaben des örtlichen Klerus schildert. Die bischöflichen Indulgenzien sind für lokale Fragen besonders aufschlussreich, da sie oft detaillierter und dem Geschehen näher als die päpstlichen sind. Da sie bestimmte Kulte fördern und so eine Hierarchie der Heiligen schaffen, sind sie pädagogische Instrumente des Kultus. Sie sind auch Geldquelle, deren Fluss gesteuert wird. Die ersten bischöflichen Ablässe in Burgund sind für das 14. Jh. belegt: alle sechs in der Diözese Langres, in anderen Diözesen aber evtl. nicht erhalten. Ab ca. 1440 haben sie Hochkonjunktur: An den knapp 80 Ablässen sind vor allem Jean Rolin und Jean Germain eifrig beteiligt. Die Bedingungen für einen Ablass sind vor allem Gebete, Fasten, Wallfahrten, Kirchenbesuche oder Almosen und mitunter auch die Mitgliedschaft in Bruderschaften. Gleichzeitig bildet sich eine Art Tarifsystem für zu gewährende Ablässe heraus (auch für Dispense während der Fastenzeit), das aber nicht zu den bisherigen Leistungen wie Gebeten usw. in Konkurrenz tritt. Der Ablass beträgt gewöhnlich 30–40 Tage mit steigender Tendenz bis zu 140 Tagen. Die Kapitel wahren die Kontrolle mit der Aufstellung der Reliquienschreine an den Ablasstagen, der Art der Werbung für die Ablässe, und der Verwaltung der eingenommenen Gelder. Vor allem dienten diese Maßnahmen der Memoria (Ablass für Teilnahme an Seelenmessen) und gleichzeitig der Einbindung der Laien in den Kultus, sowie der Förderung von Bautätigkeit. – Der Band ist aufgrund der klaren Gliederung der Beiträge ein handliches Arbeitsinstrument und aufgrund des neu erschlossenen Materials eine Fundgrube an Quellen. Wünschenswert wäre ein Orts- und Namensregister gewesen, das den Wert des Buches bzw. seine Benutzbarkeit noch um einiges erhöht hätte, das aber auch so unser Wissen um mittelalterliche Frömmigkeitspraktiken und -strategien mit wertvollen Detailstudien erweitert.

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V. Tabbagh: Les clercs, les fidèles et les saints en Bourgogne médiévale (XIe-XVe siècles) (Renate Prochno)
In: Francia-Recensio, 2008-4, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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Dokument zuletzt verändert am: Feb 28, 2012 12:32 PM
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