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E. Graham-Leigh: The Southern French Nobility and the Albigensian Crusade (Christine Keck)

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Elaine Graham-Leigh, The Southern French Nobility and the Albig

Francia-Recensio 2008/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Elaine Graham-Leigh, The Southern French Nobility and the Albigensian Crusade, Suffolk (The Boydell Press) 2005, XXVII–187 S., ISBN 1-8438-3129-5, GBP 70,00

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Christine Keck, Frankfurt a. M.

Zum Albigenserkreuzzug der Jahre 1209–1229 liegt eine Reihe fundierter Untersuchungen vor. In sie reiht sich die Dissertationsschrift von E. Graham-Leigh ein. Sie bietet neue kritische Gesichtspunkte und interessante Erkenntnisse zur südfranzösischen Adelsgeschichte des 12. und 13. Jahrhunderts. Die Autorin legt den Fokus ihrer Untersuchung sowohl auf das Schicksal der Familie Trencavel wie auch auf die religiösen und politischen Interdependenzen im Süden Frankreichs vor und während des Kreuzzugs. In den beiden Eingangskapiteln wird zum einen die Forschungs- und Rezeptionsgeschichte zu diesem ersten innereuropäischen Kreuzzug abgehandelt wie zum anderen ein grober Überblick über die narrativen Quellen geliefert. Die Autorin entwickelt dabei nicht immer völlig überzeugende Einsichten bezüglich der Hauptquellen zum Albigenserkreuzzug; gleichwohl sollten diese im zukünftigen thematischen Diskurs berücksichtigt werden.

Entscheidend und wichtig ist allerdings die Feststellung von Graham-Leigh, daß in der mittelalterlichen südfranzösischen Historiographie weniger die erzählenden Quellen hervortreten als die verstärkt von Oralität geprägten Urkunden weltlicher und geistlicher Herren sowie die »Sirventes« der Troubadour-Lyrik.

Graham-Leigh versteht es, die französische Geschichtsforschung, besonders die des 17. und 20. Jahrhunderts, bezüglich des Albigenserkreuzzugs kritisch zu hinterfragen und auf deren stark dualistische Tendenzen aufmerksam zu machen. Dennoch hat die Autorin die neuesten Untersuchungen zu diesem Thema, die wesentlich differenzierter geführt wurden, kaum in ihre Betrachtung einbezogen, sondern sie rekurriert eher auf den – unbestreitbar immer noch existierenden − Mythos der Albigenser.

Leitmotiv der beiden ersten Kapitel und roter Faden der Untersuchung in den nachfolgenden fünf Hauptkapiteln, ist die Hinterfragung der »Wrong Side in the Patronage War«. Auf der falschen Seite zu sein oder keine Bündnispartner zu haben, führte, wie im Fall der Vizegrafen von Béziers, zum Verlust der angestammten Besitzungen, ohne dass es einen breiter angelegten Protest seitens der übrigen südfranzösischen Adligen oder eine nachträgliche Restitution für Raymond Rogers Nachfolger gegeben hätte. Vielmehr dienten die von den Kreuzfahrern okkupierten Besitzungen der Familie Simon de Montfort als Basis für die Fortführung seiner Militärkampagnen. Graham-Leigh stellt im Hauptteil ihrer Arbeit die Familiengeschichte der Trencavel dar und erläutert dem Leser schlüssig, wie es zum Niedergang der Vizegrafen kommen konnte.

Der Zisterzienserorden hatte zu Beginn des 13. Jahrhunderts kaum Beziehungen zum südfranzösischen Klerus, der sich häufig aus nachgeborenen Adelssöhnen der Region konstituierte. Mitglieder dieses Adels aber waren zum Teil der Häresie verdächtig. So entstand schon Jahre vor dem Albigenserkreuzzug ein brisantes Spannungsverhältnis zwischen einheimischem Adel, päpstlichen Legaten und den neu von der römischen Kurie berufenen Bischöfen, die schon vor 1209 häufig dem Zisterzienserorden angehörten. Ein besonderes Verdienst von Graham-Leighs Untersuchung ist daher die − bisher in dieser Form kaum aufgeschlüsselte – Darstellung der Rolle des Zisterzienserordens bei der Neuordnung der katholischen Kirche im »Midi« seit 1145 sowie während des Albigenserkreuzzugs. Ergänzend und als teilweise widersprüchlich zu Graham-Leighs Untersuchung stehend, sollte zusätzlich B. M. Kienzles Studie »Cistercians, Heresy and Crusade«, York 2001, herangezogen werden.

Ferner arbeitet die Verfasserin heraus, dass sich die Militärtaktik des Kreuzzugs in der Anfangsphase weniger gegen einzelne Vertreter des südfranzösischen Adels richtete, sondern vielmehr zum Ziel hatte, wichtige strategische Plätze zu erobern. Das harsche Vorgehen der Kreuzfahrer gegen die Bewohner dieser Orte erklärt Graham-Leigh mit dem strategisch einkalkulierten Abschreckungsfaktor wie auch mit der Tatsache, dass die Kreuzzugsteilnehmer Opposition mit Häresie gleichsetzten. Stark überzeichnet wirken die Versuche, Adelige wie Bertrand de Saissac, Pierre Roger der Cabaret oder Stéphane de Servian vom Vorwurf der Häresie aufgrund von Donationen für Kirchen und Klöster freizusprechen. Aufgrund der angeführten Urkunden sowie unter Hinzuziehung der übrigen historischen Quellen zeigt sich tatsächlich ein weitaus weniger eindeutiges Bild.

Detailliert recherchiert Graham-Leigh die familia der Trencavel: ihre Parteigänger aus dem niederen südfranzösischen Adel, welche für die Administration in der Vizegrafschaft zuständig waren, aber geringen politischen Einfluß besaßen. Dabei kristallisiert sich heraus, daß, folgt man Graham-Leigh, die Trencavel trotz der Vielzahl ihrer Besitzungen formell mehr Hausmacht besaßen als faktisch. Im südfranzösischen Hochadel galten sie als Emporkömmlinge, hatte keine fundierten Beziehungen zum Zisterzienserorden und besaßen kaum adelige oder städtische Gefolgschaft für eine wirkungsvolle Opposition.

Die Autorin versteht es in der Gesamtbetrachtung sowohl die komplexen politischen und familiären Interdependenzen des südfranzösischen Hochadels untereinander wie auch die von Konflikten oder zeitweiligen Bündnissen gekennzeichneten Beziehungen zu den Häusern von Barcelona und Aragón aufzuzeigen. Indem sich die südfranzösischen Adelsfamilien durch häufig wechselnde Bündnissysteme selbst in ihrer jeweiligen Machtausdehnung kontrollierten, gab es faktisch keinen unangefochtenen Oberherren im »Midi«. Ein Phänomen, das es Simon de Montfort seit 1209 schwer machte, verlässliche südfranzösische Bündnispartner zu finden, da diese – stark zugespitzt formuliert – nicht existierten. Die teilweise von Rückschlägen geprägten Erfolge Simons de Montfort waren zu erreichen, weil sich keine geschlossene Opposition bildete und die Kreuzfahrer in nicht geklärte und seit Jahrzehnten schwelende Familienstreitigkeiten der Südfranzosen hereingebrochen waren.

Detailliert recherchiert Graham-Leigh die familia der Trencavel: ihre Parteigänger aus dem niederen südfranzösischen Adel, welche für die Administration in der Vizegrafschaft zuständig waren, aber geringen politischen Einfluss besaßen. Dabei kristallisiert sich heraus, dass, folgt man Graham-Leigh, die Trencavel trotz der Vielzahl ihrer Besitzungen formell mehr Hausmacht besaßen als faktisch. Im südfranzösischen Hochadel galten sie als Emporkömmlinge, hatte keine fundierten Beziehungen zum Zisterzienserorden und besaßen kaum adelige oder städtische Gefolgschaft, um eine effektive Opposition anführen zu können.

Der Kreuzzug wurde, im Gegensatz zum südfranzösischen Hochadel, für die Trencavel zum tragischen Ereignis. Das Schicksal eines ihrer letzten Vertreter sollte durch die Rezeptionsgeschichte des Albigenserkreuzzugs und des Nord-Süd-Konflikts innerhalb Frankreichs lange Zeit sinnbildhaft für die Unterwerfung der okzitanischen Kultur stehen. Dieser Thematik neue Erkenntnisse entgegengesetzt und eine differenziertere Betrachtungsweise angeführt zu haben, ist E. Graham-Leighs besonderes Verdienst.

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E. Graham-Leigh: The Southern French Nobility and the Albigensian Crusade (Christine Keck)
In: Francia-Recensio, 2008-4, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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Dokument zuletzt verändert am: Feb 15, 2012 02:34 PM
Zugriff vom: May 24, 2012