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G. Garnett: Marsilius of Padua and the ›Truth of History‹ (Jürgen Miethke)

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George Garnett, Marsilius of Padua and the ›Truth of History‹. The Migration Age and the Later Roman Empire


Francia-Recensio 2008/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

George Garnett, Marsilius of Padua and the ›Truth of History‹. The Migration Age and the Later Roman Empire, Oxford (Oxford University Press) 2006, 260 S., ISBN 0-19-929156-X, EUR 45,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Jürgen Miethke, Heidelberg

Kein Jahr vergeht, in dem nicht eine Monographie oder ein mehr oder minder umfänglicher Sammelband zu dem mittelalterlichen »Klassiker« politischen Denkens, zu Marsilius von Padua erscheint, um hier gar nicht von dem Heer der Aufsätze zu seinem »Defensor pacis« zu sprechen, die alljährlich mit mehr oder minder interessanten Thesen ins Feld geführt werden. Die vorl. schlanke Monographie des Cambridge-Absolventen und Oxforder Mittelalterhistorikers Garnett setzt sich scheinbar nur ein begrenztes Ziel, wie es der Titel auszudrücken scheint, in Wahrheit aber geht es dem Verf. um eine Revision des bisher vorherrschenden Marsiliusbildes. Dafür greift Garnett mutig alte (freilich wohl insgesamt unlösbare) Probleme auf, die die Geschichte politischer Vorstellungen und Ideen immer wieder beunruhigen: Wie soll eine bestimmte politiktheoretische Position in der allgemeinen Entwicklung des politischen Denkens begrifflich erfasst werden? Wie sind Vorläufer, Wegbereiter, Gründerfiguren kommender Entwicklungen zu identifizieren? Kann eine Philosophie in die Zukunft der Entwicklung des Denkens vorausdeuten, diese vielleicht sogar aktiv mitbewirken, oder muss jede einzelne Position allein aus den Bedingungen ihrer Entstehung begriffen werden?

Auf Marsilius von Padua angewendet heißt das, dass Garnett eine Antwort sucht, wie man die politische Philosophie des Paduaners zu verstehen hat. Brachte der »Defensor pacis« [künftig »DP«], wie eine massive (nicht allein englischsprachige) Forschungs- und Interpretationstradition (vertreten etwa durch Philosophen wie den Deutschen Alois Dempf oder den Amerikaner Alan Gewirth) glauben machen will, den Anbruch der Moderne? Oder gab Marsilius (einer anderen Interpretation zufolge) einer frühen »republikanischen« Staatsauffassung Ausdruck? Ist sein Buch wenigstens ein scholastischer Traktat in Vorwegnahme einer republikanisch-humanistischen Staatsgesinnung? Die weitere (z. B. von Jacqueline Quillet vertretene) These, die im »Defensor« die Verteidigung des mittelalterlichen Römischen Kaisertums sehen wollte, ist Garnett zwar nicht gleichermaßen suspekt wie die anderen Pauschalurteile, er wertet sie aber erst ganz am Ende positiv. Die Widersprüchlichkeit all dieser Annahmen veranlasst Garnett zu dem Versuch, einen anderen Zugang zum »wirklichen«, zum historischen Marsilius zu suchen. Der Verlag stellt auf dem Schutzumschlag auch kühn fest: »Garnett […] attempts to advance the first truly historical interpretation of Marsilius’ thought.«

Dieser etwas unbescheidenen Behauptung ist freilich entschieden zu widersprechen, wenn sie mehr sein soll, als das verkaufsfördernde Argument eines Werbepsychologen. Es wird sich zeigen, dass allenfalls die Aussage zutrifft, dass Garnett das Geschichtsdenken bzw. das Geschichtsbild des Marsilius (in »II. Diccio« des DP) erhebt, denn dazu gab es bisher nur wenige, ja, man wird zugestehen können, allzu wenige Bemühungen, etwa Bernard Guenée, »Avant-Propos« zu: Marsile de Padoue, Œuvres mineures, éd. par Jeannine Quillet, Colette Jeudy (Sources d’histoire médiévale), Paris 1979, S. 1–14 (von Guenée wenig später unter dem Titel: »Marsile de Padoue et l’histoire«, in seine Aufsatzsammlung »Politique et histoire au moyen-âge, Paris 1981, S. 327–340, aufgenommen); J. Miethke, Parteistandpunkt und historisches Argument in der spätmittelalterlichen Publizistik, in: Objektivität und Parteilichkeit in der Geschichtswissenschaft, hg. von Reinhart Koselleck, Wolfgang J. Mommsen, Jörn Rüsen (Theorie der Geschichte, Beiträge zur Historik, 1), München 1977, S. 47–62; nicht erreichbar war mir: D. R. Carr, Marsilius of Padua: The Use and Image of History in the DP, in: Altro polo, edd. by Conal Condren and R. Pesman Cooper, Sydney 1982).

Jede Interpretation muss berücksichtigen, wie Marsilius selber sein methodisches Vorgehen im DP begründet hat. Bereits in seiner Einleitung [I.1.8] sind die beiden »Dicciones« nebeneinander oder richtiger einander gegenübergestellt:



dictum negotium distinguam per tres dictiones. In prima quarum demonstrabo intenta viis certis humano ingenio adinventis, constantibus ex propositionibus per se notis cuilibet menti non corrupte natura, consuetudin, vel affeccione perversa. In secunda vero, que demonstrasse credidero, confirmabo [!] testimoniis veritatis in eternum fundatis, auctoritaibus quoque sanctorum illius interpretum necnon aliorum approbatorum doctorum fidei Christiane: ut liber iste sit stans per se nullius egens probacionis extrinsece.



Dazu ist die Bemerkung zur vorgesehenen Methode zu vergleichen: Marsilius will, wie er sagt [II.1.1], »die römischen Bischöfe und ihre Anhänger« von ihrem verderblichen Tun sermone veridico quantumcumque eciam manifesto zurückrufen (wobei das manifesto nicht handgreifliche Gewalt, sondern evidente Wahrheit bezeichnet). Beide Teile des Buches sollen mit verschiedener Methode dasselbe Ziel erreichen, die »I. Diccio« mit systematisch-philosophischem Vorgehen, die »II. Diccio «mit theologisch-juristisch-histori­schem Räsonnement, beide Wege sollen sich in ihrer Verschiedenheit gegenseitig stützen und durch ihre Übereinstimmung in der Wahrheit den Lesern das Fundament zu einer evidens certitudo [I.1.8] liefern, einer Gewissheit, die »für sich selbst stehen« kann. Angesichts dieses hohen Anspruchs darf bei einer Gesamtinterpretation keine der beiden »Dicciones« allein das Feld behaupten. Dass Garnett fast ausschließlich die »II. Diccio« zur Basis seiner Interpretation wählt, wirkt für das Ergebnis verzerrend. Wer den Anspruch stellt, den »ganzen Marsilius« zu erfassen, müsste den »heilsgeschichtlichen Entwurf« des Marsilius mit seiner aristotelischen Theorie in der »I. Diccio« des DP gedanklich vermitteln.

Im einzelnen führt Garnett seine Untersuchung in überlegten und gemessenen Schritten: Er weist zu Beginn mit vollem Recht darauf hin, dass Marsilius nirgendwo vom »Staat«, geschweige denn vom modernen Staat oder von einer Republik gesprochen habe. Wie hätte er das auch tun können, gab es doch den »Staat« im modernen Sinn damals noch nicht. Jedes scheinbar übermächtige Vorverständnis ablehnend, will Garnett nicht wie zahlreiche Marsiliusinterpreten zuvor ausschließlich oder vorwiegend seine Betrachtung am ersten Teil des DP orientieren, wo Marsilius aus Begriffen der aristotelischen Philosophie sein Verständnis politischer Organisation entwickelt. Garnett möchte vielmehr Zeitkritik und Gegenwartsanalysen des Paduaners in der fast doppelt so langen und ganz anders gearbeiteten dictio II des DP interpretieren.

Um ein handhabbares Programm abarbeiten zu können, wählt er einen doppelten Weg. Einmal untersucht er zunächst die zeitgenössische Rezeption des Buches, um das Sensorium des 14. Jhs. für »aufregende« Thesen des »Defensors«, wie er glaubt, unmittelbar zu erheben. Die zeitgenössische Wahrnehmung von Marsilius’ Thesen, die insbesondere an der Kurie in Avi­gnon bis zur Verurteilung als Ketzerei führte, soll ihm gewissermaßen das Tor zur unmittelbaren Reaktion der Zeitgenossen auf die theoretischen Bemühungen des Paduaners öffnen. Sodann sucht Garnett als Historiker die Behandlung und Benutzung historischer Argumente im »Defensor« auf, um das Geschichtsverständnis des Marsilius nachzuvollziehen. Damit, so hofft er, gelangt die Studie in den Innenbezirk von Marsilius’ Zeitgenossenschaft.

Der erste Teil der Untersuchung, welcher der Rezeption des marsilianischen Entwurfs durch die Zeitgenossen gewidmet ist, kann, das versteht sich von selbst, nicht über die Schwierigkeit hinwegsehen, die sich aus der allgemeinen Quellenlage ergibt: Wir besitzen über die Diskussionen und Debatten des 14. Jhs. selbst an der Universität Paris nur wenige direkte Zeugnisse. Wir kennen kaum die Reaktionen der Zeitgenossen auf den Text, wir wissen nicht einmal, ob dessen Auffassungen völlig isoliert oder in breitem Verbund vertreten worden sind (das hat 1989 noch Nicolai Rubinstein in einer kritischen Reflexion deutlich gemacht: Problems of Evidence in the History of Political Ideas, jetzt abgedruckt in Rubinstein, Studies in Italian History in the Middle Ages and the Renaissance, vol. I: Political Thought and the Language of Politics, ed. Giovanni Ciapelli, Storia e Letteratura 216, Roma 2004, S. 335–346). Aus dem Text allein lässt sich das jedoch auch durch noch so »nahes« Lesen und noch so dichte Interpretation nicht ermitteln. Wir können schlechterdings nicht erkennen, ob Marsilius als Solitär auftrat, oder ob er gewissermaßen als Sprecher eines ganzen universitären Milieus (z. B. der Artes-Fakultät bzw. der Artistenmagister seiner Universität oder doch eines wichtigen Teils von ihnen) oder einer anderen Gruppe spricht.

Was also neuartige Theorie, was allgemein oder doch vielfach geteilte Annahme gewesen ist, das lässt sich heute nicht ohne weiteres feststellen. Damit wissen wir auch nicht, können es jedenfalls nicht mit Sicherheit nachweisen, was in dem Entwurf des Marsilius »Ideologie«, rechtfertigendes und politisch gezieltes Konstrukt, was zeitgenössische Selbstverständlichkeit, oder doch in einem allgemeinen Meinungsklima zumindest vorbereitet war und bereitgelegen hat. Alle Behauptung von Neuerung oder gar Revolution, von Traditionalismus oder Schulweisheit bleibt deshalb gewissermaßen von vorneherein eingeklammert und kann nur aus der Evidenz einer gelungenen Interpretation Überzeugungskraft beziehen. Das ist gewiss kein Sonderfall in geschichtswissenschaftlichen Problemen, aber es gilt doch auch hier.

Wie Marsilius »die Wahrheit der Geschichte« begriffen hat, wie er Geschichte argumentativ eingesetzt, will Garnett also darstellen. Weniger geht es ihm darum, wie er seine Ergebnisse mit seinem Aristotelismus abgeglichen hat. Die Darlegungen Garnetts belegen zunächst die immensen Schwierigkeiten einer genauen Darstellung der Rezeption des DP. Allein die Wertung der päpstlichen Reaktion und des kurialen Verfahrens vor und nach der Verurteilungsbulle »Licet iuxta doctrinam« (vom 23. Oktober 1327) darf nach der Überzeugung des Rez. nicht davon ausgehen, dass die Verfasser der »Widerlegungen« der von der Kurie öffentlich in Umlauf gebrachten Liste von zunächst sechs Irrtümern und dann der fünf verurteilten »ketzerischen« Thesen den DP selber auch studiert oder doch zumindest gelesen hätten. Das war damals im normalen kurialen Häresieverfahren auch gar nicht vorgesehen, da die Irrtümer nur ut verba sonant (und nicht im hermeneutischen Zusammenhang der Argumentationen des angegriffenen Autors) »widerlegt« werden sollten. Wir müssen vielmehr voraussetzen (Garnett rechnet jedoch, sehe ich recht, nirgendwo mit dieser Möglichkeit!), dass die Verfasser der auf uns gekommenen Schriften, die gegen die »Irrtümer« des Marsilius gerichtet sind, dass also ein Sybert von Beek, Wilhelm Amidani von Cremona, Peter von Kaiserslautern, Lambert Guerrici aus Huy, Guido Terreni, Alvarus Pelagius oder Hermann Schildesche (der erst um 1330 zur Feder gegriffen hat) Marsilius’ Text gerade nicht anders als vom Hörensagen kannten. Es genügte ihnen, die sechs oder fünf Irrtümer stracks zu »widerlegen« und sich über sie zu erregen. Für die mehr oder minder geschickte Handhabung derart polemischer Spiegelfechtereien war dann von der Kurie eine veritable Belohnung zu erwarten, was die Vielzahl derartiger Polemiken zusätzlich erklären mag.

Insofern ist es irreführend, wenn Garnett glauben machen will, der DP habe seine Zeitgenossen vor allem wegen seiner antikurialen Spitzen aufgeregt und also hier ihren empfindlichen Nerv getroffen. Die kurialistischen Gegenpolemiken jedenfalls können das allein nicht belegen, da sie ganz anderen Zwecken dienten, als späteren Historikern das politische Denken ihrer Autoren zu eröffnen. Allenfalls können sie das »Meinungsklima« an der Kurie zu ihrer Entstehungszeit belegen, freilich nicht unmittelbar, sondern nur in der von den Autoren angenommenen Tendenz. Es ist also verfehlt, in ihnen die »zeitgenössische Reaktion« auf den DP zu suchen, erst recht findet man hier nicht die »eigentlichen« Absichten und Intentionen des Marsilius gespiegelt. Hier muss der Interpret sich zunächst an den Text des Marsilius selbst halten. Daran führt kein Weg vorbei.

In einem knappen, scharfsinnig argumentierenden und wohl beratenen Durchgang durch die Hauptthesen der »II. Diccio« des Marsilius liefert Garnett dann einen gelungenen Überblick über die Hauptannahmen des Marsilius zum Gang der allgemeinen und der kirchlichen Geschichte und über die methodischen Grundlagen seiner Thesen. Diese Aufmerksamkeit auf die truth of history lohnt die Mühe des Verf. vollauf. Auch seiner Behandlung bestimmter historischer Quellen und Probleme wird genaue Aufmerksamkeit geschenkt. Ausführlich geht die Studie etwa auf die Bedeutung der angeblichen Konstantinischen Schenkung für das Geschichtsbild des Marsilius ein. Es stellt sich heraus, dass Marsilius seine historischen Argumente immer wieder sehr tentativ setzt, durch passende Annahmen Widersprüche seiner Quellen zu harmonisieren liebt, mitunter auch einen Fälschungsvorwurf gegen einzelne Dokumente (wie etwa den Clemensbrief aus den Pseudoisidoriana, vgl. S. 97 f.) nicht verschmäht, ohne etwa darin völlig konsequent zu bleiben: die pseudoisidorischen Fälschungen dienen ihm in Gestalt eines von ihm vielfach aufgerufenen Codex Ysidori (offenbar einer in Paris damals verfügbaren Handschrift der Pseudoisidoriana) immer wieder als Beleg, während er die von Zeitgenossen demgegenüber bevorzugten Texte zur Situation der Alten Kirche in Gratians Dekret nicht erwähnt (auch wenn Gratian selbst die pseudoisidorischen Dekretalen in relativ großem Umfang in seine Kompilation eingestellt hat!). Hier wird man gewiss die Absicht des Marsilius erkennen dürfen, gewissermaßen hinter Gratian zurück auf »ältere« Belege zuzugreifen und damit mit größerer Authentizität die Zustände der Alten Kirche erkennen zu können, als sie die seiner Auffassung nach möglicherweise durch die Päpste und ihren Anhang verfälschten Texte in Gratians Dekret liefern konnten. Dass Marsilius dabei die karolingisch-west­fränkische Großfälschung des 9. Jhs. nicht durchschaute, fällt gegenüber dieser charakteristischen Absicht m. E. weniger ins Gewicht. Zu Recht macht Garnett auch in einer längeren Überlegung am Ende darauf aufmerksam, dass die pseudoisidorische Kompilation Marsilius auch darin entgegenkam, dass sie ihre Texte in archaisch-chronologischer Folge präsentierte, sodass sie von Marsilius leichter als die systematisch angeordneten Canones Gratians benutzbar und in den Rahmen etwa der Kompilation des Martinus Polonus einzuordnen waren.

Garnett liefert sorgfältig argumentierend einen höchst nützlichen Gesamtüberblick über das Bild, das Marsilius von der Heils- und der Kirchengeschichte zeichnet, am Ende als Dialectic of Perfection and Perversion, wie er das Kapitel überschreibt. Hier gelingt dem Verf. eine Miniatur von Marsilius’ Geschichtsauffassung. Marsilius’ Benutzung historischer Quellen bleibt freilich durchgängig polemisch und kritisch: so meinte er noch nach dem DP den stark »kurialistischen« Traktat des Landulf Colonna »De translatione Romani imperii« mit einer minimalen »toilette verbale« (wie es B. Guenée plastisch ausgedrückt hat) antikurialistisch überarbeiten zu können, also einen historischen Traktat seiner Gegner durch den Austausch weniger Wörter polemisch für seine widersprechende Auffassung einsetzen zu können. Das erscheint typisch. Offenbar ließen sich seiner Meinung nach Staffage und Kulissen der historischen Entwicklungen, in der »korrekten« Sicht eingefärbt, polemisch vorzüglich gebrauchen, ja es ließ sich damit, wie er glaubte, die vergangene Wirklichkeit zuverlässig erreichen. Solcher Umgang mit den Quellen (bzw. mit den historiographischen Traditionen als Quellen) ist genuin mittelalterlich. Marsilius gebraucht diese politisch-kritische Methode nur besonders radikal und unverblümt. Er tut es auch im DP. Es ist dem Rez. freilich höchst fraglich, ob es erlaubt ist, das Gesamtbild der Geschichte, wie es Marsilius entwickelt, als durchwegs »providentially ordained« zu bezeichnen und ihm sogar eine apokalyptische Gegenwartsbestimmung zuzuschreiben. Das dürfte der Geschlossenheit des von Marsilius erreichten Geschichtsbildes doch zuviel apokalyptische Betroffenheit zurechnen Es ist doch sehr die Frage, was an den diesen Thesen zugrundeliegenden Aussagen genuine Annahme des Marsilius, was konventionelle Formulierung und polemische Zuspitzung war.

Garnett hat dem Verständnis des DP einen guten, einen vorzüglichen Dienst erwiesen, indem er die historischen Vorstellungen und Vorgehensweisen des Marsilius gekonnt unter die Lupe nahm. Dass die aristotelische Theoriegrundlage bei Garnett praktisch ausgeklammert wird, muss jeder Leser und Benutzer dieser lesenswerten Monographie freilich stets im Gedächtnis behalten, wenn er sich um ein zutreffendes Verständnis des DP bemüht.


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G. Garnett: Marsilius of Padua and the ›Truth of History‹ (Jürgen Miethke)
In: Francia-Recensio, 2008-4, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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Dokument zuletzt verändert am: Feb 22, 2012 11:24 AM
Zugriff vom: May 24, 2012