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A. Degl'innocenti, D. Frioli, P. Gatti (Hg.): Manoscritti agiografici latini de trento e rovereto (Thomas Ertl)

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Antonella Degl’innocenti, Donatella Frioli, Paolo Gatti, Manoscritti agiografici latini de trento e rovereto

Francia-Recensio 2008/4 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Antonella Degl’innocenti, Donatella Frioli, Paolo Gatti, Manoscritti agiografici latini de trento e rovereto, Firenze (SISMEL – Edizioni del Galluzzo) 2005, XVIII–317 S. (Quaderni di »Hagiographica«, 3), ISBN 978-88-8450-207-0.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Thomas Ertl, Rom

Die Hagiographie, die Darstellung des Lebens von Heiligen, und deren wissenschaftliche Erforschung bilden einen festen Bestandteil der Mediävistik, kann das Mittelalter doch als Blütezeit dieser Quellengattung betrachtet werden. In den letzten Jahrzehnten scheint das Interesse sogar noch zugenommen zu haben, was sich sowohl in zahlreichen Tagungen und Sammelbänden als auch in längerfristigen Forschungs- und Editionsprojekten sowie in der Einrichtung von wissenschaftlichen Vereinigungen und Arbeitskreisen niedergeschlagen hat. In Deutschland beispielsweise fand die Erforschung hagiographischer Quellen – dazu gehören unter anderem Lebensbeschreibungen, Wunderberichte, Translationsberichte und Heiligenverzeichnisse – im »Arbeitskreis für hagiographische Fragen« und der mit ihm verbundenen Schriftenreihe »Beiträge zur Hagiographie« einen institutionellen Rahmen. Einen schnellen Überblick über aktuelle Fragestellungen und zentrale Texte bieten der von Dieter R. Bauer und Klaus Herbers in dieser Reihe publizierte Band »Hagiographie im Kontext« (2000), der von Monique Goullet betreute Band »La réécriture hagiographique dans l’Occident médiéval« (2003) sowie die von Thomas Head herausgegebene Textsammlung »Medieval Hagiography. An Anthology«.

Das Interesse an der Quellengattung führte auch in Italien zur Gründung einer »Associazione italiana per lo studio della santità, dei culti e dell’agiografia«, die 1997 mit dem von Sofia Boesch herausgegebenen Band »Santità, culti, agiografia. Temi e prospettive« eine Darstellung des Forschungsstandes bot. Der Orientierung innerhalb eines expandierenden Forschungsfeldes dient die von derselben Vereinigung im Jahr 2000 veröffentlichte »Bibliografia agiografica italiana 1976–1999«. Weitere Plattformen für die Erforschung der mittelalterlichen Hagiographie bieten die »Società Internazionale per lo Studio del Medioevo Latino (SISMEL)«, jener mediävistische Forschungsverbund, der vor allem durch seine grundlegenden Hilfsmittel zur Erschließung der mittelalterlichen Geschichte (»Medioevo latino; Compendium autorum Latinorum medii aevi«) bekannt ist, sowie die Fondazione Ezio Franceschini. Während diese gemeinsam mit der École française de Rome verantwortlich ist für die »Biblioteca agiografica italiana«, in der ein Repertorium volkssprachlicher Texte erstellt wird, arbeitet innerhalb der SISMEL eine eigene »Sezione agiografica«, in der unter anderem die Zeitschrift »Hagiographica. Rivista di agiografia e biografia. Journal of Hagiography and Biography« herausgegeben wird.

Unter dem Dach der SISMEL besitzt die italienische Forschung seit einigen Jahren in der Reihe »Quaderni di Hagiographica« ein zusätzliches Organ. Nach einem wissenschaftsgeschichtlichen »Überblick« in Bd. 1 (»Gli studi agiografici sul Medioevo in Europa«) folgte 2003 erstmals ein hagiographischer Handschriftenkatalog von Antonella Mazzon, der Bestände aus der Biblioteca Antoniana in Padua vorstellte. Im dritten Band dieser Reihe stehen hagiographische Handschriften aus mehreren Bibliotheken und Archiven der Städte Trient und Rovereto im Mittelpunkt. Zwei Beiträge über Charakter und Überlieferung hagiographischer Manuskripte aus dem Trentino gehen dem Handschriftenkatalog voran. Beschrieben werden 81 Manuskripte, von denen 42 aus der Zeit vor 1500 stammen und acht nur fragmentarisch erhalten sind. Die Kriterien der Handschriftenbeschreibung werden in der Einleitung vorgestellt und orientieren sich an bewährten Vorbildern. Am Beginn steht eine kodikologische Beschreibung, die Beschreibstoff, Lagen- und Seitenzahl, Ausmaße, Schrift, Ausstattung, Seiteneinteilung und Besitzgeschichte umfasst. Es folgt eine Erörterung des Inhalts mit der Nennung von Autor und Titel, Incipit und Explicit sowie Hinweise auf vorliegende Editionen. Den Abschluss bildet eine Bibliographie zum jeweiligen Werk.

Der sorgfältig erstellte Katalog wirft insbesondere ein Schlaglicht auf den reichen Handschriftenbestand des 15. Jhs., welcher den zentralen Bestandteil der Überlieferung aufmacht und in vielen Fällen mit der Person des Trienter Bischofs Johannes Hinderbach (Amtszeit 1465-1486) in Verbindung steht. Seine hagiographischen Interessen für Heilige aus dem nordalpinen Bereich wie Emmeram und Wolfgang von Regenburg oder Quirin von Tegernsee werden ebenso dokumentiert wie das umfangreiche Schrifttum, das im Zuge des Prozesses gegen die vermeintlichen jüdischen Ritualmörder des Simon von Trient angefertigt wurde. Erkennbar wird zudem die große Vielfalt mittelalterlicher Heiligenlegenden, aber auch allgemeine hagiographische Vorlieben des Mittelalters für einerseits möglichst alte Heiligenfiguren und andererseits für Heilige aus der eigenen Region. Insgesamt bietet die Mischung aus vielen bekannten Texten, den Hinderbach-Handschriften sowie einigen weniger bekannten Legenden einen anregenden Blick in die hagiographischen Traditionen einer Landschaft an der Schnittstelle zwischen Deutschland und Italien. Ergänzt wird der Katalog durch Schrifttafeln der vor 1500 entstandenen Handschriften sowie durch ein Register der erwähnten Heiligen. Für das erfolgreiche Fortschreiten der Hagiographieforschung bilden solche Werke akribischer Quellenerschließung zweifellos einen essentiellen Baustein.

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A. Degl'innocenti, D. Frioli, P. Gatti (Hg.): Manoscritti agiografici latini de trento e rovereto (Thomas Ertl)
In: Francia-Recensio, 2008-4, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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