K. Post Walton: Catholic Queen, Protestant Patriarchy (Raingard Esser)
Kristen
Post Walton, Catholic Queen, Protestant Patriarchy. Mary, Queen of
Scots, and the Politics of Gender and Religion, Basingstoke (Palgrave
Macmillan) 2006, 264 S., ISBN 1-4039-8835-8, GBP 50,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Raingard
Esser, Bristol
Die vorliegende Studie untersucht die Bedeutung der Kategorien Geschlecht und Religion in der politischen Literatur zur Rolle von Maria Stuart als schottischer Königin und als potentieller Nachfolgerin von Elisabeth I. in England. Hierfür analysiert die Autorin Traktate von bedeutenden und weniger bekannten englischen und schottischen politischen Theoretikern. Besonders herausgehoben sind die Arbeiten von John Knox und George Buchanan. Das Buch scheint sich an Studenten im Grundstudium zu richten, denn der gewählte Stil ist einfach und enthält keine komplexen historiographischen Diskussionen. Kapitel werden am Ende noch einmal zusammengefasst, Kernaussagen werden wiederholt und die Autorin scheint wenige Grundkenntnisse vorauszusetzen.
Ein Großteil der Einleitung bietet eine grobe Skizzierung der wichtigsten Ereignisse der Frühen Neuzeit in Europa: die Reformation, die Erfindung der Druckerpresse und die europäische Entdeckung Amerikas. Die Rolle Schottlands ist auf »a pawn in the chess games of other kings and the pope« (p. 2) reduziert, die die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen des Landes insbesondere zu seinen skandinavischen Nachbarn unterschätzt und eine anglozentrische Perspektive widerspiegelt, die sicherlich nicht von schottischen Historikern geteilt wird.
Das erste Kapitel skizziert Debatten über die Rolle der Königin nach ihrer Rückkehr aus Frankreich und zentriert sich vor allem um die Schriften des presbyterianischen Wortführers John Knox, der sich bekanntermaßen mit seinem »first blast of the trumpet against the monstrous regiment of women« sowohl gegen die Regierung Maria Stuarts als auch ihrer südlichen Nachbarin auf dem englischen Thron aussprach. Die Debatte erhielt in Schottland eine religiöse Ausrichtung, da die Königin katholisch blieb, obwohl sich im Land während ihrer Abwesenheit eine starke presbyterianische Kirche entwickelt hatte, die im schottischen Parlament großen Einfluss ausübte. Eng verbunden mit der Person der Königin war allerdings die Frage der Nachfolge und damit des zukünftigen (zweiten) Gemahls Marias. Hier sahen die politischen Kommentatoren das Szenario einer Fremdherrschaft voraus- eine Befürchtung, die sie mit ihren Kollegen in England teilten. Obwohl die Autorin in längeren Abschnitten die zeitgenössische Kritik gegen Frauenregimenter jeglicher Art skizziert, beunruhigte die politischen Eliten in Schottland allerdings weniger die Tatsache der »unnatürlichen« weiblichen Herrschaft an sich als vielmehr das Problem der Unvereinbarkeit zwischen der katholischen Konfession der Königin und einem von ihnen als »protestantisch« bezeichneten Land. Im zweiten Kapitel widmet sich die Autorin der englischen succession crisis also der Diskussion um die Nachfolge der unverheirateten Elisabeth I. von England. Auch hier spielte die Kategorie Geschlecht, wie bereits Natalie Mears (2005) nachgewiesen hat, nur eine untergeordnete Rolle. Konfessionelle Überlegungen und, wie Post Walton argumentiert, eine wachsende »nationale Identität« beeinflussten die Überlegungen der politischen Pamphletisten. Der Umgang mit der Kategorie »Nation« ist hier meines Erachtens ausgesprochen problematisch. An keiner Stelle definiert oder diskutiert die Autorin diesen Begriff. Beispiele, die hier angeführt werden, skizzieren die Definition und Rolle von Bürgerschaft im Zusammenhang mit Erbrechten in England. Dass diese Diskussion eine wichtige Facette im Staatsbildungsprozess Englands spielte, ist unbestritten. Staatsbildung mit nationaler Identität gleichzusetzen ist allerdings problematisch. Es ist auch zu einseitig, die juristischen Debatten um citizenship und denizenship auf die Thronfolgefrage zu verkürzen. Juristen reagierten hier auf eine Welle von Immigranten, die vor allem in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach England kamen und auf die Frage, wie die Bürger der gerade verlorenen englischen Enklave in Frankreich, Calais, nun zu behandeln seien. Die Referenz auf »English liberties and customs« als Paradebeispiel für die Entwicklung eines englischen Nationalbewusstseins (S. 62) überzeichnet die Rolle juristischer Argumente in diesem Komplex. Die beiden folgenden Kapitel beschäftigen sich wieder mit dem schottischen Szenario. Hier wird zunächst Maria Stuarts Ringen mit den politisch Mächtigen des Landes und dem Parlament nachgezeichnet, es folgt eine kurze Darstellung ihrer beiden katastrophalen Ehen in Schottland und ihre Absetzung und Vertreibung. Schließlich wird dieser Prozess wiederum auf seinen Widerhall in der politischen Literatur der Zeit untersucht. Angesichts einer vergleichsweise geringen Anzahl schottischer Kommentatoren stützt sich die Autorin hier vor allem auf die Arbeiten George Buchanans. Die Interpretation seiner Überlegungen zum Vertragscharakter des Königtums ist nicht neu. Der Versuch Buchanan als Autor eines »nationalistischen« Gedankengutes darzustellen, überzeugt nicht. Das Resümee der Studie ist nicht überraschend. Hier wird noch einmal darauf hingewiesen, dass die Kategorien Geschlecht, Religion und Politik sowohl in Schottland als auch in England in einem komplizierten Zusammenhang standen, in dem die Politik der jeweiligen Monarchin eine entscheidende Rolle spielte. Während Elisabeth es verstand, alle drei Kategorien für sich zu nutzen, versagte Maria Stuart sowohl als Politikerin als auch, so könnte man brutal formulieren, als (Ehe-)Frau.
Der ausgesprochen amerikanische Stil der Darstellung kann eine europäische Leserschaft befremden. Das Bild der flackernden Kerze am Schreibtisch des englischen Botschafters in Schottland, das im ersten Paragraphen der Einleitung entworfen wird, mag die Phantasie der intendierten Leserschaft anregen, gehört aber nicht in das rhetorische Repertoire europäischer Wissenschaftler. Ebenso irritierend wirken die oft sehr konstruierten Verbindungen zur US-amerikanischen Geschichte und Gegenwart, wie etwa der Vergleich von John Aylmers politischer Darstellung der englischen Regierungsform mit den amerikanischen »checks and balances« (S. 41) und der Vergleich der englischen Bürgerschaftsrechte mit der amerikanischen Praxis des 20. und 21. Jhs. (S.71f., S.176). Die Bezeichnung »British« wird hier anachronistisch verwendet, wenn die Autorin Ereignisse und Verhältnisse in England und in Schottland beschreibt. Hinzu kommen einige fehlende Referenzen zu Dokumenten in der British Library (S. 32, 44,165) und ein, wie bereits erwähnt, unkritischer Umgang mit historischen Konzepten und Definitionen. Maria Stuart war selbst in den Augen der presbyterianischen Geistlichkeit nicht »infidel« (S. 33). Insgesamt bietet dieses Buch also der Fachleserschaft kaum etwas Neues. Leser mit wenig Wissen um die frühneuzeitliche Geschichte in England und Schottland mag es zum Weiterlesen inspirieren.
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