E. H. Lemay (Hg.): Dictionnaire des Législateurs 1791-1792 (Wolfgang H. Stein)
Dictionnaire des Législateurs
1791–1792. Sous la direction de Edna Hindie Lemay (†). Préface
par Mona Ozouf. Tome I: A-G, Ferney-Voltaire (Centre international
d’étude du XVIIIe
siècle) 2007, XL–384 S.; Tome II: H-Z 385–821 S.
(Publication du Centre international d’étude du XVIIIe
siècle, 18), ISBN 978-2-84559-0250-0, EUR 250,00.
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Als 1991 das erste große Werk von E. H. Lemay, nämlich der von ihr herausgegebene »Dictionnaire des Constituants«, erschien, war dies ein besonderes Geschenk zum langen Revolutionsjubiläum, stellte er doch nicht nur das biographische Material für alle Abgeordneten der Assemblée constituante (1789–1791) vor, sondern erschloss auch biographisch und sachthematisch die Parlamentsdebatten. Es wurde sofort ein unverzichtbares Arbeitsinstrument für die frühe Revolutionsgeschichte. Heute, nach nunmehr 16 Jahren weiterer Arbeit, liegt mit dem »Dictionnaire des Législateurs« die Fortsetzung des Unternehmens für die Assemblée législative (1791–1792) vor, dessen Erscheinen die Herausgeberin allerdings nicht mehr hat erleben können. Wer immer diese liebenswürdige und großherzige Grande Dame der Revolutionshistoriographie hat kennenlernen dürften, kann nur dankbar dafür sein, dass somit ihr zweites großes Standardwerk, gut ein Jahr nach ihrem Tod, zu Ende geführt und publiziert worden ist und nun der Revolutionsforschung zur Verfügung steht.
Die Gliederung ist beibehalten. Wie das Vorgängerwerk bietet der »Dictionnaire«, im Unterschied etwa zum »Dictionnaire de biographie française«, keine Kurzbiographien, sondern nach einem festen Plan gegliederte Informationen, die mit den persönlichen Daten beginnen, und dann die eigentliche politische bzw. öffentliche Karriere darstellen, unterteilt nach den Epochen von vor 1789, 1789–1791,1791–1792 (Assemblée législative) sowie nach 1792. Daran schließen sich noch Angaben zum Vermögensstand (oft nach Nachlassinventaren) sowie zu Quellen und Literatur an. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf der Nachzeichnung der eigentlichen Parlamentsarbeit der Abgeordneten in der Assemblée législative. Für jeden Parlamentarier sind alle Redebeträge zusammengestellt und ausführlich referiert worden. Außerdem wird das Abstimmungsverhalten bei den sieben namentlichen Abstimmungen der Législative nachgewiesen. Bei der relativ kurzen Dauer des zweiten Parlamentes der Revolutionsepoche (Okt. 1791–Sept. 1792) konnte diese Analyse der Parlamentsarbeit sogar ausführlicher geschehen als im Band über die Constituante, so dass regelrechte politische Profile entstehen. Dabei treten natürlich vor allem die Protagonisten der politischen Debatten der Zeit hervor (insbesondere die der Gironde von Brissac bis Vergniaud). Aber auch viele Gestalten, die erst später ihre eigentliche politische Bedeutung gewinnen, lassen sich hier verorten (François de Neufchâteau u.a.). Über diese personengeschichtliche Zusammenstellung hinaus ergibt sich zudem bes. in Verbindung mit den als Anhängen beigegebenen Übersichten ein komplexes Instrumentarium zu weiteren Untersuchungen des Parlaments in statistischer, geographischer und sachthematischer Hinsicht.
Die nachparlamentarische Karriere der Abgeordneten wird verständlicherweise nur soweit nachgezeichnet, als sie sich im öffentlichen Raum bewegte, und das Handbuch beschränkt sich dabei auch auf die wichtigsten Daten. Doch auch dafür kann das Werk mit Gewinn herangezogen werden. Eine Durchsicht des Personals in Bezug auf seine Verwendung in den annektierten rheinischen Departements ergab eine Reihe von wertvollen Hinweise, wenn sie auch nicht ganz so zahlreich sind, wie sie von einem Personalhandbuch für den Konvent zu erwarten wären. In der französischen Militärverwaltung vor Einrichtung der Departements finden sich die Armeekommissare Merlin de Thionville (1791/1794 Armeekommissar in Mainz) und Hausmann (1796, Kommissar bei der Rhein-und-Mosel-Armee). Von den Regierungskommissaren für die vier rheinischen Departements saßen Rudler (1797–1799), dessen Biographie in der rheinischen Historiographie noch immer etwas enigmatisch ist, und Jollivet (1800–1802) in der Législative. Hinzu kommt noch Rudlers Generalsekretär Mulot (1797–1799), der vielfach als eigentlicher Regierungskommissar gilt. Schwächer sind die Legislatoren unter den Präfekten der rheinischen Departements vertreten, wo nur wiederum Jollivet (Donnersberg 1800–1802) und Merlet (Roer 1809–1813) zu nennen sind. Auch bei den Richtern ist nur auf Piorry (Richter am Revisionsgericht in Trier 1799–1804) zu verweisen. Bedeutsam ist dagegen wieder die Vertretung in den Regierungen der Napoleonidenstaaten, und zwar Jollivet im Königreich Westphalen (1807–1811) und Beugnot ebenfalls im Königreich Westphalen (1806–1808) und dann im Großherzogtum Berg (1807–1811).
Die einzelnen biographischen Artikel sind nicht gezeichnet. Nur diskret weist eine Liste der wichtigsten Mitarbeiter und eine genauere Liste der Arbeitsgebiete der Mitarbeiter mit Angabe der Anzahl der jeweils gelieferten Artikel auf die komplexe Teamarbeit hin.
Dem Werk sind schließlich noch eine Reihe von Vorworten beigegeben. Von der Herausgeberin selbst stammen noch die eigentliche Einleitung sowie eine technische Anleitung zur Benutzung des Werkes. Mona Ozouf hat ein Vorwort beigesteuert, das das Werk im Kontext der Revolutionsforschung situiert und insbesondere die Frage nach dem Mechanismus der Radikalisierung stellt, die das eher gemäßigte Parlament in der Zeitspanne zwischen Varennes und der Suspendierung des Königs nach dem 10. August bis zur Kriegserklärung trieb. Schließlich hat Bernard Gainot, der mit der Herausgeberin wohl am engsten zusammengearbeitet hat, E. H. Lemay einen sehr persönlichen Nachruf gewidmet.
Dass hiermit ein weiteres wichtiges Standardwerk vorliegt, ohne dass keine weitere Revolutionsforschung bestehen kann, und der Forschung über die konstitutionelle Phase der Revolution neue Impulse geben wird, steht außer Frage. Zu wünschen bleibt aber, dass das Werk für die weiteren Revolutionsparlamente und zunächst und insbesondere für den Konvent bald eine gleich kompetente und verlässliche Fortsetzung finden möge.
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