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K. Gould: Catholic Activism in South-West France, 1540-1570 (Jan-Friedrich Mißfelder)

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Kevin Gould, Catholic Activism in South-West France, 1540–1570

Francia-Recensio 2008/4 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Kevin Gould, Catholic Activism in South-West France, 1540–1570, Aldershot, Hampshire (Ashgate) 2006, VIII–190 S. (St Andrews Studies in Reformation History), ISBN 0-7546-5226-2, GBP 50,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé, par

Jan-Friedrich Mißfelder, Zürich

Der französische Südwesten bot für die Ausbreitung der Reformation relativ günstige Voraussetzungen. Vor allem der mangelnde Einfluss der großen katholischen Clans wie der Guise und die relative Ferne von der Zentrale erleichterten die Verankerung reformatorischer Tendenzen in dieser Region. Doch blieben diese auch hier nicht ohne Reaktion. Schon bald formierten sich regionale Widerstandsbewegungen gegen die neue Religion, die ihren Ausgang vor allem von den städtischen Zentren und lokalen Adligen nahmen. Kevin Gould widmet sich in seiner angenehm knappen, präzise und unprätentiös geschriebenen Studie diesen katholischen, d.h. vor allem anti-reformatorischen Aktivisten. Dabei will er diese Zusammenschlüsse und Gruppen keineswegs als frühe, gescheiterte Vorläufer der großen Sainte Union der 1570er bis 1590er Jahre gewertet wissen. Vielmehr analysiert er die Genese, Struktur und Zusammensetzung solcher informeller Organe als historische Phänomene sui generis. Gould fokussiert dabei vor allem auf die urbanen Zentren von Guyenne und westlichem Languedoc, namentlich Bordeaux, Agen und Toulouse. In allen drei Städten bildeten sich seit den 1540er Jahren Organisationsformen eines anti-reformatorischen Aktivismus heraus, der seinen Ausgang oftmals von lokalen Bruderschaften oder – wie in Bordeaux und Toulouse – von den Vereinigungen der basoches nahmen, die das lokale Prozessionswesen musikalisch und theatralisch umrahmten. Gould identifiziert in allen drei Städten eine spezifische Eskalationsdynamik des konfessionellen Konflikts, die mit einer zunehmenden Verdichtung sowie einer Schwerpunktverschiebung der organisatorischen Strukturen der jeweiligen Aktivisten einhergeht. Der Weg von teils durchaus ritualisierter konfessioneller Polemik hin zu offener Gewaltanwendung im urbanen Raum war oftmals nicht weit. Daher präsentierte sich der Konfessionskonflikt den städtischen Obrigkeiten und parlements vornehmlich als ordnungspolitisches Problem. Sie neigten im Gegensatz zu den katholischen Aktivisten daher vielfach einer Politik des Ausgleichs und der Koexistenz in der Intoleranz zu. Die Aktivistenpartei inszenierte sich demgegenüber quasi als eine Gegenobrigkeit, die antrat, die konfessionelle Homogenität der Stadtgemeinde zu sichern. Die resultierenden Konflikte spielten sich daher mindestens ebenso sehr zwischen gemäßigten und radikalen Katholiken ab wie zwischen katholischen und reformierten Aktivisten. Insbesondere am Beispiel Bordeaux kann Gould zeigen, wie einzelne moderate Individuen wie der président des dortigen parlement der Radikalisierung der städtischen Politik erfolgreich entgegenwirkten. Erst als es den radikaleren Aktivisten gelang, administrative Schlüsselpositionen zu besetzen und die Eskalation des militärischen Konfliktes seit den späten 1550er Jahren eine verstärkte Intervention des katholischen Adels mit sich brachte, gelang in Bordeaux, Agen und Toulouse die konfessionelle Einnordung der städtischen Gesellschaften wie ihres jeweiligen Umlandes. Als militärischer Feuerwehrmann in diesen Konfliktlagen fungierte in allen drei Fällen der Heerführer und seit 1565 auch lieutenant du roi für Guyenne, Blaise de Monluc, dessen »Commentaires« eine von Goulds Hauptquellen darstellen.

Hinsichtlich der organisatorischen Strukturen des katholischen Aktivismus unterscheidet Gould zwischen eher informellen syndicates (34 u. ö.) einzelner Mitglieder der administrativen und klerikalen Eliten, vor allem der parlements, und geschworenen ligues, die vor allem im Adel fundiert waren. Er kann im Verlauf seines Untersuchungszeitraums eine zunehmende organisatorische Verdichtung und Vernetzung von Bruderschaften über parlements hin zum Adel konstatieren. Dass diese aktivistischen Netzwerke (Gould gebraucht den Begriff nicht) nicht ausschließlich im engeren lokalen Rahmen funktionierten, versucht er in einem anschließenden Kapitel zu Rekatholisierungsprojekten des durch Jeanne d’Albret reformierten Béarn. Im Zusammenhang mit dieser konzertierten Aktion deutet er auch eine internationale Vernetzung des katholischen Aktivismus vor allem mit Spanien an.

Insgesamt leistet Gould eine konzise, stark aus den archivalischen Quellen gearbeitete Analyse radikal-katholischer Assoziationen im weitesten Sinne. Diese spiegelten – so die im Buch eher implizite, nur im Klappentext explizierte These – die Organisationsstrukturen der reformierten Synoden, die als ein Angriff auf die bestehende politische Ordnung, als ein erster Schritt zum »Staat im Staate« wahrgenommen wurden. Der vom Autor in Anschlag gebrachte Begriff des activism erweist sich dabei als einerseits offen genug, um viele unterschiedliche Formen solcher Vereinigungen zu fassen, bleibt aber andererseits ein wenig vage, wenn es um die Analyse ihrer konkreten Praktiken geht. Man hätte sich hier einen stärker kulturhistorisch und anthropologisch orientierten Zugriff gewünscht, gerade auch um den Aktivismus der 1540er bis 1560er Jahre ganz im Sinne des Autors stärker gegen die Sainte Union abgrenzen zu können. Gab es schon früh Anzeichen eines eschatologischen politischen Programms? Wie lassen sich die frühen ligues und Syndikate des Südwestens in die Geschichte der Radikalisierung des französischen Katholizismus einordnen? Wie weit reichte die Opposition gegen die monarchische Zentrale und ihre Amtsträger, die aus der Sicht der katholischen Aktivisten zu nachsichtig mit den reformierten Häretikern umgingen? Diese Fragen lässt Gould weitgehend offen, indem er sich auf das Anliegen einer historiographischen Rehabilitierung der aktivistischen Organisationen der Jahrhundertmitte konzentriert. Das ist legitim und sinnvoll durch die daraus resultierende Stringenz des Arguments. Es kann als Verdienst des Buches gewertet werden, dass es trotzdem zum Weiterfragen ermutigt.

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K. Gould: Catholic Activism in South-West France, 1540-1570 (Jan-Friedrich Mißfelder)
In: Francia-Recensio, 2008-4, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2008-4/FN/gould_missfelder
Dokument zuletzt verändert am: Feb 24, 2012 05:47 PM
Zugriff vom: May 24, 2012