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P. Griset: Georges Pompidou et la modernité (Ulrich Lappenküper)

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Pascal Griset (dir.), Georges Pompidou et la modernité. Les tensions de l’innovation, 1962–1974

Francia-Recensio 2008/3 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine

Pascal Griset (dir.), Georges Pompidou et la modernité. Les tensions de l’innovation, 1962–1974, Brüssel, Bern, Berlin, (Peter Lang) 2006, 315 S. (Études Georges Pompidou, 2), ISBN 978-90-5201-329-9, CHF 56,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Ulrich Lappenküper, Friedrichsruh/Bonn

Von der Riege der Staatschefs der V. französischen Republik steht Georges Pompidou im öffentlichen Interesse meist in der zweiten, wenn nicht dritten Reihe. Dabei waren die Jahre seiner politischen Tätigkeit als Premierminister bzw. Staatspräsident von 1962 bis 1974 für Frankreich ein Zeitraum atemberaubender Modernisierung. Ausgelöst durch wirtschaftliches Wachstum, technischen Fortschritt und den Siegeszug des Massenkonsums, vollzogen sich die tiefgreifenden Umwandlungsprozesse indes nicht ohne Anpassungsschwierigkeiten. Wie der Staat und seine politische Führung die Herausforderungen meisterten, verdeutlichte im Frühjahr 2005 ein Kolloquium der Association Georges Pompidou. Der die Analyse der Wissenschaftler mit den Erinnerungen zeitgenössischer Akteure konfrontierende, lesenswerte Tagungsband schlägt in vier Sektionen den Bogen vom »défi de l’espace français« über »Le temps des consommateurs« und »l’âge de l’information« bis hin zu »Santé et modes de vie« und zeichnet das Bild einer »période réellement fascinante« (Jean-Marc Offner S. 291). Wie der Herausgeber Pascal Griset in seiner instruktiven Einleitung herausstellt, wies das Denken und Handeln Pompidous ganz in gaullistischer Tradition als »axe majeur« die nationale Unabhängigkeit auf und als »ligne de conduite« die Sorge um eine »efficacité très éloignée de tout fantasme de ›grandeur‹« (S. 15). Nicht selten wurden seine Visionen von einer modernen Industriepolitik, seine Städtebaukonzepte und Medienplanungen missdeutet. Folgt man dem Urteil Éric Brussières, ging es Pompidou darum, »d'assumer la modernité, de faciliter son épanouissement et de l’encourager«. Zugleich war er darauf bedacht, »d'orienter les évolutions voire d'en éloigner certains excès«. Mit seiner »planification« fühlte sich der Staatsmann einer »logique d’équilibre et de dynamique« verpflichtet (S. 301). Überzeugend weist Mathieu Flonneau nach, dass Pompidou entgegen der zählebigen Legende vom »tout automobile« zwar ein leidenschaftlicher Autofan war, dem Kraftfahrzeug die Städte aber keineswegs unterordnen wollte. Manche gesellschaftliche Umwälzung konnte das Staatsoberhaupt allenfalls zur Kenntnis nehmen, nicht aber beeinflussen oder gar kontrollieren. In diesem Sinne bewertet Paul N. Edwards Pompidous angeblich größten Fehlschlag, den »Plan Calcul«, nicht als »échec«, sondern als «révélateur d’un excès de confiance dans le fait que l’électronique rêverait pour nous« (S. 170). Andere Neuerungen – den Aufstieg des Fernsehens etwa – schätzte Pompidou hingegen falsch ein, weil dem »homme de l’écrit« offensichtlich das Sensorium für das neue Leitmedium fehlte (Isabelle Veyrat-Masson S. 208).

Wie Pascal Griset am Ende des Bandes freimütig zugibt, war ihm bei der Vorbereitung des Kolloquiums sehr wohl bewusst, mit dem von ihm gewählten spezifischen Problemzugang der »approche segmentée« nicht die Gesamtheit einer »histoire d'un secteur« erfassen zu können. Ihm genügte ein »renouvellement des perspectives« (S. 293) in der Erforschung des Alltags der französischen Gesellschaft in einem Jahrzehnt aufregender Transformationsprozesse. Dieses bescheidene Ziel hat er weit übertroffen.

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P. Griset: Georges Pompidou et la modernité (Ulrich Lappenküper)
In: Francia-Recensio, 2008-3, 19./20. Jahrhundert – Histoire contemporaine
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2008-3/ZG/Griset_Lappenkueper
Dokument zuletzt verändert am: Oct 29, 2008 09:15 PM
Zugriff vom: Feb 08, 2012