F. Denoyelle: Le front populaire des photographes (Daniela Kneißl)
Françoise
Denoyelle, Le front populaire des photographes, Paris
(éditions terrebleue) 2006, 224 S., ISBN 2-909953-09-2, EUR
38,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Daniela
Kneißl, Paris
Wie im Vorwort unterstrichen wird, will der reich illustrierte Bildband einer besonderen Parallelität nachspüren: Dem Sieg der Front National im Jahr 1936 und dem zeitgleichen Aufstieg einer neuen Generation von Fotografen, die Geschichte schreiben sollten, darunter Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Willy Ronis, um nur die prominentesten Namen zu nennen.
Der Titel des Buches, »Le front populaire des photographes« ist also wörtlich zu nehmen. Der Blick der Fotografen auf den Front populaire »avec ses mythes, ses symboles et ses icônes« umfasst ein breites Spektrum: Von den Wahlen und Streiks über die Unterhaltungs- und Kinokultur bis hin zum Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs. In diesem Konzept ist auf den ersten Blick keine wirkliche Verfehlung zu sehen. Eine genauere Analyse würde von einem typischen »Coffee Table Book« wie diesem auch niemand verlangen wollen.
Doch die Konzentration auf die Bilder, die meist lediglich von oberflächlichen Kommentaren begleitet werden, hat auch ihre Schattenseiten. Das Medium der Fotografie nämlich, dem in und mit diesem Buch ja nicht zuletzt gehuldigt werden soll, wird auf diese Weise schlichtweg nicht ernst genommen. Denn der Umgang mit der Fotografie stellt sich hier so da, als hätte es eine Diskussion um ihre Verwendung, Kontextualisierung und Interpretation als historische Quellen nie gegeben. Vor allem die Frage danach, was die Fotografien eigentlich zeigen, und welchen Anteil Inszenierungen und Momentaufnahmen im Hinblick auf einen umfassenden Mythos eigentlich haben, tritt in keiner Weise ins Bewußtsein.
Dies spielt etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, bei der Visualisierung der Ferien von 1936 eine entscheidende Rolle. (S. 118–139) Der erste gesetzlich gewährte congé payé von vierzehn Tagen löste jedoch, anders als Fotografien und Kinobeiträge glauben machen wollten, keineswegs eine beispiellose Erholungswelle aus. Die Bilder von unbekümmerten Urlaubern und vielfältigen neuen Sportarten und Strandvergnügen waren vielmehr Teil einer politischen Strategie. Dem durchschnittliche Betrachter, der für gewöhnlich nicht in die Ferien fahren konnte, wurde somit immerhin die Hoffnung auf bessere Zeiten signalisiert1. Bilder, wie die von Henri Cartier-Bresson an der Marne aufgenommenen Fotografien, zeigen in der Regel Anwohner aus der Umgebung am Wochenende oder Tagestouristen.
Als Fazit bleibt also festzuhalten: Ein schön anzusehendes Buch, in dem auch Kenner der Epoche noch manche unbekannte Ansicht entdecken werden. Ein Bilderbuch eben, nicht weniger, aber auch nicht mehr.
1 Vgl. dazu den entsprechenden Beitrag: Marie Chominot, Été 1936. Les premièrs congés payés. Mythe ou événement?, in: Les images comme acteur de l’histoire, catalogue de l’exposition au Jeu de Paume Paris, 16 janvier au 1er avril 2007, S. 84–103.
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