M. Mollat du Jourdin: Les Explorateurs du XIIIe au XVIe siècle (Folker Reichert)
Michel
Mollat du Jourdin, Les Explorateurs du XIIIe
au XVIe
siècle. Premiers regards sur les mondes nouveaux, Paris
(Éditions du CTHS) 2005, 258 S. (CTHS Format, 57), ISBN
2-7355-0601-0, EUR 14,00.
rezensiert von/compte rendu rédigé par
Folker
Reichert, Stuttgart
Das schmale Buch ist ein verkleinerter Nachdruck der ersten Auflage von 1984, vermehrt um wenige Hinweise auf seither erschienene Quellenausgaben und Literatur. Der Akzent liegt dabei ganz auf der französischen, italienischen und portugiesischen Forschung. Englische oder gar deutsche Titel fanden keine Aufnahme. Das Anliegen des (1996 verstorbenen) Verfassers war es nicht, die europäische Entdeckungsgeschichte ein weiteres Mal zu dokumentieren, sondern die Begegnung der (meistens europäischen) »Entdecker« mit den (außereuropäischen) »Entdeckten« zu reflektieren und die Sicht- und Darstellungsweisen dieser Vorgänge zu analysieren. Im Untertitel hätte das Buch auch eine »préhistoire de la curiosité et de l’étonnement des hommes de la Découverte« heißen können (so der Verfasser im neuen Vorwort). Schauplätze des Geschehens sind das mongolische China, Innerafrika, soweit es Kaufleuten und Abenteurern zugänglich war, Portugals werdendes Kolonialreich an den afrikanischen Küsten, in Indien und Südostasien, die Neuen Welten im Westen und die Großreiche (Russland und Ming-China) im Osten. Die Reisen des späten Mittelalters werden dabei nicht als Vorgeschichte, sondern als intregraler Bestandteil der europäischen Entdeckungs- und Expansionsgeschichte verstanden. Johannes von Plano Carpini, Wilhelm von Rubruk, Marco Polo, Johannes von Montecorvino, Christoph Columbus, Antonio Pigafetta, Jacques Cartier und Giovanni Verrazzano sind Protagonisten des Buchs. Behandelt werden Wahrnehmungsformen und Wahrnehmungsmuster, das Verhältnis von Tradition und Empirie, Alterität und Identität. Die geographischen Horizonte wurden erweitert und die neuen Entdeckungen in das europäische Weltbild integriert, der Vergleich des Unbekannten mit dem Bekannten gab eine erste Orientierung, Stereotypen und Topoi (wie etwa die Bilder von edlen oder kannibalischen Wilden) konnten dabei helfen, Unerhörtes zu begreifen. Der Dialog mit völlig fremden Menschen war jedoch schon dadurch behindert, daß ihm das sprachliche Fundament fehlte. Mimik und Gestik schufen nur schwachen Ersatz. Der Verfasser ist sich der Schwierigkeiten bewusst, dem Standpunkt der »Entdeckten« gerecht zu werden. Denn die Quellenlage ist einseitig und von »umgekehrten Entdeckungsreisen«, mit denen sich die neuere Forschung beschäftigt, noch keine Rede. Immerhin kommt mit Ibn Battuta auch ein nichteuropäischer »Entdeckungsreisender« zu Wort. Mollats Buch stellt Fragen, die bei seinem ersten Erscheinen neue Wege wiesen. Mittlerweile wurden der Mentalitäts- und Wahrnehmungsgeschichte der europäischen Entdeckungen zahlreiche weitere Untersuchungen gewidmet. Das Buch hat also Anregungen gegeben. Der aktuelle Forschungsstand ist deshalb allerdings nicht in ihm zu finden.
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