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K. A. LoPrete: Adela of Blois (Joachim Ehlers)

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Kimberly A. LoPrete, Adela of Blois. Countess and Lord (c. 1067–1137)

Francia-Recensio 2008/3 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Kimberly A. LoPrete, Adela of Blois. Countess and Lord (c. 1067–1137), County Dublin (Four Courts Press) 2007, XXVI–663 S., ISBN 978-1-85182-563-9, EUR 85,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Joachim Ehlers, Berlin

Diese monumentale Darstellung des Lebens und der Wirksamkeit Adelas von Blois will das gesamte historische Umfeld der Protagonistin mit deren Augen sehen und bewerten anstatt sie konventionell-allgemeinen Fragestellung wie etwa der nach der Rolle adliger Frauen in ihrer Zeit und Gesellschaft auszusetzen. Als Grundlage dient eine möglichst vollständige Rekonstruktion ihrer Lebensgeschichte und der politischen Aktivitäten, aus der sich dann die Biographie einer französischen Fürstin in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts ergeben soll.

Grundsätzlich ist das von hohem Interesse, weil das Fürstentum zu den Grundbestandteilen der politischen ebenso wie der Kulturgeschichte des Mittelalters gehört, aber eben deshalb darf man leise Zweifel an der These haben, dass es keinen spezifischen, sondern nur einen graduellen Rangunterschied zwischen Fürstinnen und allen anderen Adelsdamen gegeben habe, Adela insofern weit typischer sei als es ihre einflussreiche Stellung nahelege. Es ist auch nicht richtig, dass die Bedeutung königlichen Geblüts der Ehefrau für Herrschafts- und Legitimitätsansprüche »often minimized in modern historiography« erscheint (S. 26).

Die Autorin kämpft mit den bekannten Schwierigkeiten aller Biographen von Menschen des Mittelalters, mit Hindernissen, die sich aus dem Mangel an Selbstzeugnissen und dem Desinteresse der zeitgenössischen Autoren an individualpsychologischen Befunden ergeben, so dass die Folie der allgemeinen Zeitgeschichte unentbehrlich bleibt und notwendigerweise viel Erzählzeit in Anspruch nimmt. Es kommt deshalb darauf an, wie diese auch für den Leser entscheidende Spannung zwischen biographischer Anteilnahme und historischem Hintergrund historiographisch umgesetzt und literarisch fruchtbar gemacht wird, ob die Rekonstruktion der vielfältigen Aktionen, persönlichen Beziehungen und quasi unabänderlichen Lebensbedingungen über sich selbst hinaus auf die Charaktere der Handelnden weist.

Eine etwas wortreiche Einleitung informiert über die Quellenlage und breitet allgemein bekannte Grundsätze der Quellenkritik aus; der Umfang des Buches ergibt sich ohnehin zu einem guten Teil daraus, dass die Autorin nicht konzentriert auf ihre Fragestellung hinarbeitet, sondern zu viele der angefallenen Überlegungen auch dann ausführlich mitteilt, wenn die Ergebnisse nicht neu sind.

Als jüngste Tochter Wilhelms des Eroberers, Schwester der Könige Wilhelm II. Rufus († 1100) und Heinrich I. von England († 1135), wurde Adela 1067/68 geboren und heiratete vor 1085 Stephan, einen Sohn des Grafen Theobald III. von Blois-Champagne, der nach dem Tod seines Vaters 1089 die Grafschaften Blois, Chartres und Meaux erbte. Sogleich erschien Adela in Urkunden Stephans und entfaltete eine Reihe von Aktivitäten, die sie als anerkannte consors ihres wohl achtzehn Jahre älteren Gemahls ausweisen. Sie wirkte (im einzelnen ist das allerdings nicht erkennbar) an der Konsolidierung der gräflichen Domäne mit, so dass Stephan während seiner Abwesenheit als Kreuzfahrer die Gemahlin als verlässliche Regentin zurücklassen konnte, die gegen Übergriffe Fulkos IV. von Anjou durch ihren Bruder Wilhelm Rufus, König von England und Herzog der Normandie, gesichert war.

Ob Stephan bald darauf wegen seiner verfrühten Rückreise aus Palästina zu recht als Feigling und Verräter an der christlichen Sache geschmäht oder durch Krankheit zur Heimkehr gezwungen war, bleibt unklar; 1102 kehrte er ins Heilige Land zurück, nach L.s Ansicht sowohl auf Drängen Adelas als auch aus Furcht vor der drohenden Exkommunikation, und kam dort im folgenden Jahr ums Leben. Fortan regierte Adela allein und allgemein anerkannt; gestützt auf ihre Urkunden rekonstruiert L. die Praxis der Reiseherrschaft und teilweise auch das engere Gefolge, ebenso die anglonormannischen Familienbeziehungen, denen sie großes Gewicht für die beiderseitige Herrschaftsstabilisierung beimisst. Bretagne und Maine erscheinen als Brennpunkte einer gleichsam parallel geführten Anstrengung zur Erhaltung der Autonomie gegenüber dem kapetingischen Königtum und der Stärkung des normannischen Herzogs als Bündnispartner gegen die Anjou. Der inneren Konsolidierung ihrer Grafschaften diente Adelas Unterstützung der Gottesfriedensbewegung und der Kirchenreform, insbesondere das Zusammenwirken mit Bischof Ivo von Chartres, so dass Anselm von Canterbury sie als eine der führenden Promotoren der päpstlichen Reform pries. Spannungen mit Ludwig VI., der 1108 die selbständige Regierung angetreten hatte, entlasteten Heinrich I. in seiner Auseinandersetzung mit dem französischen König um die Normandie, weil sie dessen Kräfte banden und die Anjou neutralisierten. Sehr ins Einzelne gehend werden die Konflikte der folgenden Jahre geschildert, wobei die große Linie mitunter etwas aus dem Blick gerät. Adelas Entscheidung, in das Kloster Marcigny einzutreten (1120), wird unter Beiziehung zeitgenössischer Kommentare ausführlich abgehandelt, aber letztlich nicht hinreichend erklärt: Hier wie auch sonst oft verhindert (interessanter) Detailreichtum die Analyse.

Sie liefern auch die »Conclusions« am Ende (S. 419–438) nicht, weil sie in kompakter Form den Inhalt der vorangegangen Kapitel repetieren. Für die rasche Information ist das gleichwohl nützlich, zumal anschließend in Form von 139 Regesten (S. 439–528) die wichtigsten Quellen zu Adelas Leben von der Geburt bis zum Tod vorgeführt werden und mehrere Exkurse (u. a. über die Siegel, Adelas Kinder, den gelehrten Dichter Gottfried von Reims, die Heirat von Adelas Sohn Theobald IV.) auf Einzelprobleme eingehen. Acht Stammtafeln erleichtern die Orientierung im Dickicht der personalen Beziehungen, das Register ist zuverlässig.

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K. A. LoPrete: Adela of Blois (Joachim Ehlers)
In: Francia-Recensio, 2008-3, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
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Dokument zuletzt verändert am: 21.01.2009 13:30
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