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J. Bugnion: Les chasses médiévales (Werner Rösener)

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Jacques Bugnion, Les chasses médiévales. Le brachet, le lévrier, l’épagneul, leur nomenclature, leur métier, leur typologie

Francia-Recensio 2008/3 Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)

Jacques Bugnion, Les chasses médiévales. Le brachet, le lévrier, l’épagneul, leur nomenclature, leur métier, leur typologie, Gollion (Infolio) 2005, 160 S., ISBN 2-88474-211-5, EUR 49,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Werner Rösener, Gießen

In der kulturellen Entwicklung der Menschheit spielte die Jagd zweifellos seit der frühesten Zeit eine herausragende Rolle. Gab doch die erfolgreiche Jagd dem Menschen lange Zeit das, was er zum Überleben brauchte: Fleisch zur Nahrung, Knochen und Häute zur Herstellung von Kleidung und Werkzeugen. Zugleich stand die Jagd an der Wiege der Kultur: Sozial- und Rechtsordnung, technischer Fortschritt und Handel wurden ebenso wie Sprache, bildende Kunst und Religion stark von der Jagd und ihren unterschiedlichen Formen geprägt. Auch nach dem Übergang der Menschen zu Ackerbau und Viehwirtschaft behielt die Jagd eine ökonomische und kulturelle Bedeutung. In alten Hochkulturen spielte sie weiterhin eine wichtige Rolle nicht nur zur ergänzenden Fleischbeschaffung, sondern auch im gesellschaftlichen Leben der Herrschaftseliten. So bildete die Jagd vor allem im Mittelalter einen wichtigen Bestandteil des adeligen Lebens und der höfischen Kultur, die sich seit dem Hochmittelalter im okzidentalen Europa entfaltete. Trotz der hohen Bedeutung der Jagd in der Geschichte des Mittelalters ist ihre Erforschung stark vernachlässigt worden. Die Jagd wird in den Handbüchern und allgemeinhistorischen Werken zwar sporadisch mit einigen Sätzen gestreift, aber nur dann, wenn Könige zufällig auf der Jagd zu Tode kommen. In der Vernachlässigung der Jagd und ihrer Position in der Gesellschaft durch die historische Forschung liegt es auch begründet, dass sie vor allem die Aufmerksamkeit von speziellen Jagdhistorikern erregte, deren Interesse in erster Linie auf besondere Jagdaspekte beschränkt blieb. Eine rühmliche Ausnahme bildet das neue Handbuch der Göttinger Residenzenforschung (Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich. Bilder und Begriffe, Ostfildern 2005), das in mehreren Artikeln auf Jagdformen und Jagdschlösser eingeht und sie in dem Kontext der höfischen Kultur des Mittelalters und der frühen Neuzeit behandelt.

Der vorliegende, aufwendig illustrierte Band »Les chasses médiévales« von Jacques Bugnion befasst sich vor allem mit den Jagdhunden und ihrer Bedeutung im Rahmen der mittelalterlichen Jagd vom Früh- bis zum Spätmittelalter. Für die mittelalterlichen Jagdhunde war vor allem ihre Funktion bei den verschiedenen Jagdarten entscheidend. Deswegen ist bei einer Klassifizierung der Jagdhunde die genaue Kenntnis der mittelalterlichen Jagdmethoden unbedingt notwendig, wie Bugnion zu Recht betont. Vom Aussehen der mittelalterlichen Jagdhunde zeugen bildliche Darstellungen in Handschriften, auf Altarbildern, auf Reliefs sowie bei Skulpturen. Schriftliche Zeugnisse zum mittelalterlichen Jagdwesen finden sich in Stammesrechten, Weistümern und Jagdtraktaten; Jagdformen und die vielfältige Verwendung von Jagdhunden werden vor allem in den literarischen Quellen des Hoch- und Spätmittelalters geschildert. Drei Hauptgruppen von Jagdhunden lassen sich im Hochmittelalter erkennen: die auf der Fährte jagenden Spürhunde, ferner die hetzenden Hunde, die besonders bei der Hirschjagd vertreten waren, und schließlich Hunde, die bei der Falkenjagd eingesetzt wurden. Daneben gab es Hunde, die bei der Jagd auf wehrhaftes Wild (Wildschweine, Bären) Verwendung fanden, die also besonders stark und mutig zu sein hatten. Analog zu diesen drei Jagdarten der Pirschjagd (chasser à l’arc), Hetzjagd (chasser à courre) und Beizjagd (chasser au vol) beschäftigt sich Bugnion vor allem mit den entsprechenden Hunden dieser Jagdtechniken: mit den Bracken (brachets), Windhunden (chiens courants, lévriers) und den Beizhunden (chiens d’oisel, épagneuls). Drei Forschungsfelder kommen dabei zur Geltung: die Bezeichnungen für die verschiedenen Hundearten in den lateinischen, französischen und deutschen Texten, die spezifische Aufzucht und Dressur der einzelnen Hunde und die Typologie der Jagdhunde. Die Untersuchungen beschäftigen sich mit den Jagdhunden der frühmittelalterlichen Epoche (Leges der germanischen Stämme als Quellenbasis), den Jagdmethoden in den anglonormannischen Chroniken und den Formen der Jagd, die in den Jagdbüchern und literarischen Werken des Hoch- und Spätmittelalters zum Ausdruck kommen. Spezielle Kapitel befassen sich mit den drei wichtigsten Jagdhundearten (brachet, lévrier, l’épagneul) und ihrer Verwendung bei den jeweiligen Jagdformen. Eine zusammenfassende Typologie der Jagdhunde des Mittelalters führt acht Arten von Hunden auf: brachet, chien courant, limier, lévrier, chien de force, brachet de volerie, épagneul und barbet, die jeweils anhand von Bildern und Zeichnungen erläutert werden. Die Liste der verschiedenen Arten von Jagdhunden des Mittelalters sind offensichtlich besonders auf Frankreich bezogen und könnten durch viele Beispiele aus Deutschland und anderen Nachbarländern ergänzt werden. Trotz dieser Konzentration auf die französischen Jagdverhältnisse leistet der mit hervorragenden Abbildungen ausgestattete Band einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Jagdhunde und allgemein zur Jagdentwicklung in der Epoche des Mittelalters.

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J. Bugnion: Les chasses médiévales (Werner Rösener)
In: Francia-Recensio, 2008-3, Mittelalter – Moyen Âge (500–1500)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2008-3/MA/Bugnion_Roesener
Dokument zuletzt verändert am: 21.01.2009 13:53
Zugriff vom: 07.02.2012