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K. Militzer, J.A. Mol, H.J. Nicholson, The Military Orders and the Reformation. Choices, State Building, and the Weight of Tradition (Jochen A. Fühner)

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The Military Orders and the Reformation. Choices, State Building, and the Weight of Tradition. Papers of the Utrecht Conference, 30 September – 2 October 2004. Ed. by Klaus Militzer, Johannes A. Mol and Helen J. Nicholson

Francia-Recensio 2008/2 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

The Military Orders and the Reformation. Choices, State Building, and the Weight of Tradition. Papers of the Utrecht Conference, 30 September – 2 October 2004. Ed. by Klaus Militzer, Johannes A. Mol and Helen J. Nicholson, Hilversum (Uitgeverij Verloren) 2006, 319 S. (Bijdragen tot de Geschiedenis van de Ridderlijke Duitse Orde, Balije van Utrecht, 3), ISBN 90-65550-913-5, EUR 32,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Jochen A. Fühner, Frankfurt a.M.

Persönliche Entscheidungen, Staatsbildung und die Last der Tradition – so lautete das Leitmotiv einer Tagung in Utrecht, die sich dem Deutschen Orden und dem Johanniterorden im Zeitalter von Reformation und Konfessionalisierung widmete. Die hier versammelten Beiträge untersuchen verschiedene Aspekte der Auseinandersetzung der geistlichen Ritterorden mit den religiösen und politischen Umwälzungen zwischen dem Beginn des 16. und der Mitte des 17. Jhs.

Der Umbruch im preußischen Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens setzte schon lange vor der Reformation ein. Udo Arnold weist nach, dass Hochmeister Albrecht von Brandenburg 1525 eine »persönliche Entscheidung zugunsten einer personalen Herrschaft in einem von Rom und dem katholisch geführten Reich unabhängigen Territorium« traf. Andere politische und sozioökonomische Gegebenheiten in seinem Herrschaftsbereich trugen dagegen entscheidend dazu bei, dass der livländische Ordenszweig sich erst 1561 dem polnischen König unterwarf und Landmeister Gotthard Kettler erster Herzog von Kurland wurde. Dass die Verbreitung des Luthertums in Livland keine Gefahr für die Landesherrschaft des Deutschen Ordens darstellte, jedoch die Unfähigkeit zur Mobilisierung seiner Ressourcen im 1558 ausgebrochenen livländischen Krieg seine Stellung entscheidend schwächte, zeigt Juhan Kreem. Die Politik König Sigismunds I. von Polen angesichts der Verbreitung des Luthertums in Preußen zwischen 1517 und 1548 analysiert Janusz Małłek.

Martin Berntson richtet den Blick auf die schwedischen und dänischen Kommenden des Johanniterpriorats Dacia, die zum Teil in lutherische Institutionen umgewandelt, aber dann bis 1580 aufgelöst wurden. Wie Gregory O’Malley zeigt, führten Konflikte innerhalb des Ordens und Spannungen zwischen der Ordensleitung und König Heinrich VIII. 1540 zur Auflösung der Johanniterpriorate in England und Irland.

Im Reich garantierte der Fürstenstatus den beiden geistlichen Ritterorden einen stärkeren Schutz als allen anderen Orden der alten Kirche. Jörg Seiler analysiert die »in ihrer Pragmatik einzigartige Politik« der Deutschmeister im Zeitalter der Reformation, die zur »Vertiefung der sozialen Verankerung im niederen Adel, unabhängig davon, welcher Glaubensrichtung dieser angehörte«, führte. »Nicht in seiner Rolle als katholischer Orden, sondern in seiner Funktion als Spital des niederen deutschen Adels lag die Zukunft der Gemeinschaft«. Der Aufbau einer zentralen Ordensverwaltung in Mergentheim, die enge Bindung an Kaiser und Reich sowie die Zulassung der Bi- und Trikonfessionalität trugen entscheidend zum Überleben des Deutschen Ordens bei.

Karl Borchardt beobachtet, dass die Reformation in beiden Ritterorden zum weitgehenden Verschwinden der Ordensgeistlichen führte: »Der geistliche Charakter des Ritterordens trat mehr und mehr zurück zugunsten der Versorgung überzähliger Adelssöhne und militärisch-administrativer Aufgaben. Abgesehen von den Besitzverlusten dürfte darin die zweite wesentliche Konsequenz der Reformation für die Johanniter wie, mutatis mutandis, den Deutschen Orden liegen«. Jürgen Sarnowsky untersucht die Umwandlung der Johanniterballei Brandenburg in einen protestantischen Ordenszweig, der sich aus der Abhängigkeit der Ordenszentrale in Malta löste und den Markgrafen von Brandenburg unterstellte.

Am Beispiel von Utrecht zeigt Johannes A. Mol, dass der Fortbestand (von Niederlassungen) der Ritterorden selbst in einer überwiegend protestantischen Umgebung noch längere Zeit möglich war, wenn dies den Interessen der lokalen Eliten entsprach. Daantje Meuwissen erläutert Entstehung und Funktion einer Porträtserie der Landkomture der Deutschordensballei Utrecht. Gemälde aus der Johanniterkomturei Haarlem stehen im Zentrum des Beitrags von Truus van Buren: Bildmedien, die die religiösen Überzeugungen und politischen Ansichten der Ordensangehörigen zum Ausdruck gebracht hatten, wurden nach langwierigen Auseinandersetzungen konfisziert und dienten dann in anderem Kontext zur Legitimation der städtischen Ansprüche auf das Eigentum der Johanniter.

Dass gegenreformatorische Bildungspolitik wesentlich zum Fortbestand der bedrohten Ballei Biesen beitrug, zeigt Jozef Mertens. Denn durch die Finanzierung von Stipendien an den Universitäten Köln und Löwen sowie an Lateinschulen in Maastricht und im nordbrabantischen Gemert errichteten und pflegten die Biesener Landkomture ein »Klientelsystem«, »ein riesiges Netzwerk von Personen in Adel, Politik, Verwaltung und Gericht […] in Orten oder Gegenden, wo der Deutsche Orden Güter oder Interessen hatte«. Der Beitrag von David F. Allen untersucht die Politik des Großmeisters Lascaris, der den Johanniterorden zwischen 1636 und 1657 erfolgreich durch alle europäischen Krisen führte. Lascaris stand den Jesuiten sehr nahe und wollte sowohl den Orden nach Innen als auch einige französische Karibikinseln evangelisieren. Diese Aufgaben betrachtete er als Kompensation für die Verluste durch die Reformation und die Niederlagen gegen die Osmanen.

Als Fazit kann festgehalten werden: Die Reformation beschleunigte viele Entwicklungen, die den Deutschen Orden und den Johanniterorden bereits um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert prägten. Dabei spielte in beiden Orden die Debatte über die religiöse Erneuerung eine Nebenrolle, meist diente sie nur zur Erhärtung politischer Forderungen. Ein Verdienst dieses Tagungsbandes besteht darin, dass die regional sehr unterschiedlichen Voraussetzungen, die entweder zur Auflösung der Ordenszweige und -niederlassungen führten oder zu ihrem Überleben beitrugen, präzise herausgearbeitet werden. Die Beiträge bieten eine gelungene Darstellung des aktuellen Forschungsstandes und werfen neue Fragen auf, die zur intensiveren Beschäftigung mit den Ritterorden im Zeitalter der Reformation anregen.

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K. Militzer, J.A. Mol, H.J. Nicholson, The Military Orders and the Reformation. Choices, State Building, and the Weight of Tradition (Jochen A. Fühner)
In: Francia-Recensio, 2008-2, Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2008-2/FN/Militzer_Fuehner
Dokument zuletzt verändert am: Feb 27, 2012 09:53 AM
Zugriff vom: May 23, 2012