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E. Fulton: Catholic Belief and Survival in Late Sixteenth-Century Vienna (Karl Vocelka)

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Elaine Fulton, Catholic Belief and Survival in Late Sixteenth-Century Vienna. The Case of Georg Eder (1523-87)

Francia-Recensio 2008/2 Frühe Neuzeit – Revolution – Empire (1500–1815)

Elaine Fulton, Catholic Belief and Survival in Late Sixteenth-Century Vienna. The Case of Georg Eder (1523-87), Aldershot, Hampshire (Ashgate Publishing) 2007, 200 S., 3 Abb., ISBN 978-0-7546-5652-4, GBP 55,00.

rezensiert von/compte rendu rédigé par

Karl Vocelka, Wien

Die zweite Hälfte des 16. Jhs. ist für die Habsburgermonarchie sicherlich eine der schwierigsten, schillerndsten, aber auch spannendsten Perioden der konfessionellen Auseinandersetzungen. In diesem Konflikt stehen sich dabei nicht zwei monolithische Gegner: die Lutheraner und die Katholiken gegenüber, sondern die beiden Konfessionsparteien weisen manche inneren Spaltungen und Widersprüche auf.

Die Beschäftigung mit diesem Thema der österreichischen Geschichte – wenn man sich so wie die Autorin Elaine Fulton vorwiegend auf Donauösterreich (die heutigen Bundesländer Nieder- und Oberösterreich) als das von Maximilian II. beherrschte Gebiet konzentriert – ist in letzter Zeit sehr stark von den Studien angelsächsischer Autorinnen und Autoren bestimmt. Dieser Eindruck hängt vermutlich mit der lange zurückreichenden Vernachlässigung dieses Themenbereiches durch die österreichische Geschichtsforschung zusammen. Dabei wäre die Ausgangssituation durch die ältere Literatur und einige quellenorientierte Arbeiten eine besonders gute.

Sicherlich hat – gerade in der deutschsprachigen Historiographie – der alte Standpunkt, die »Reformation ist modern, der Katholizismus altmodisch« dazu beigetragen, dass man sich lange der katholischen Seite wenig widmete, doch diese »Ideologie« ist heute überholt, neuere Forschungen beschäftigen sich intensiv mit der katholischen Reform und ihren Auswirkungen. Für Österreich gehen die neueren Ansätze dabei von ForscherInnen aus, die in England und den USA tätig sind, wie Regina Pörtner, die die steirischen Verhältnisse untersuchte, oder von Joseph Patrouch und Rona Johnston Gordon, die ihre Studien auf der Pfarrebene ansiedelten.

Elaine Fulton hat sich in dem vorliegenden Buch, das aus ihrer Dissertation hervorgegangen ist, mit einer der zentralen Personen der konfessionellen »Szene« im Wien der zweiten Hälfte des 16. Jhs., mit Georg Eder, beschäftigt. Sein Leben steht im Mittelpunkt der Studie, wobei sie sich nicht nur auf die ältere Literatur stützt, sondern auch vor allem in Wien und München in den Archiven geforscht und damit die Quellenbasis erheblich erweitert hat. Schon darin liegt ein großes Verdienst dieser Arbeit, die ein bisher nicht vorhandenes genaues Lebensbild des Reichshofrates, Rektors der Universität Wien etc. Georg Eder bietet. Auch die erste soweit als möglich »vollständige« Bibliographie seiner gedruckten Werke liefert die vorliegende Arbeit.

In den beiden Kapiteln »Promotion and prominence, 1550–73« (S. 39ff.) und »Service to the Church«, 1550–73 (S. 59ff.) schildert Fulton den Aufstieg des Laien Eder, der aber eng mit den Jesuiten zusammenarbeitete, in Wien. Dabei sind seine politischen Ämter, vor allem seine Karriere im Reichshofrat und seine Tätigkeit an der Universität im Zeichen des Aufsteigers und dessen, der an seinem Image arbeitet, gesehen. An der Universität z.B. verbreitete er in seinen Aufzeichnungen auch sein gedrucktes Porträt, er hat viele seiner Reden publiziert und schrieb auch als Erster eine Geschichte der Universität Wien. Seine pädagogischen Werke der Zeit standen im Dienste der katholischen Sache und sind unter stark jesuitischem Einfluss entstanden.

Der große Einschnitt im Leben Georg Eders erfolgte 1573, als seine Schrift »Evangelische Inquisition« von Kaiser Maximilian II. abgelehnt wurde, der Kaiser ließ die Kopien des Werkes konfiszieren. Der Hintergrund dieser Ablehnung ist eindeutig in der komplexen konfessionspolitischen Lage zu sehen. Einige Jahrzehnte später hätte einer der Kaiser der Gegenreformation Georg Eder für diese Arbeit, in der er klar den Standpunkt der Katholiken herausarbeitet, mit Ehren und Gnaden überhäuft. Aber Maximilian II. – über dessen konfessionelle Orientierung viel geschrieben und spekuliert wurde – gehörte zu jener »Dritten Kraft«, die zwischen den Konfessionen stand. Jedenfalls war Maximilian an einer Polarisierung und Verschärfung des Gegensatzes der Konfessionen in seinem Lande nicht interessiert. Daher kam es, wie die Autorin sehr schön ausführt, zu einem Konflikt, einem clash, zwischen den Diensten Eders für die katholische Kirche und jener für den Kaiser, die bis 1573 gut vereinbar waren. Eder hatte gegen jene »lauen Hofchristen« polemisiert, die eben jener »Dritten Kraft«, der sich der Kaiser ebenfalls verbunden fühlte, nahe standen. Damit machte er sich nicht nur Maximilian, sondern auch viele der bei Hof einflussreichen Intellektuellen zu Feinden. Eders Standpunkt, den die Arbeit sehr klar herausarbeitet, war, dass alle, die nicht wie die Jesuiten denken, keine Katholiken sind. Eine Auffassung, die der Haltung des Wiener Hofes zu dieser Zeit keineswegs entsprach.

Ganz anders reagierten andere katholische Mächte in Europa, an den Höfen von Madrid, Rom und München wurde die Affäre sehr wohl bemerkt und damit gewann die causa Eder eine weit über Wien hinausgehende Bedeutung. Zunächst gab es sogar den Plan, den gerade eben verwitweten Eder zum Bischof zu machen, der sich zwar nicht realisierte, aber die Diskussion zeigt, dass man in Rom eine solche klare Position zu konfessionellen Fragen nach dem Tridentinum sehr wohl zu schätzen wusste. Auch die klarsten und radikalsten Vertreter der Gegenreformation im Reich, die Wittelsbacher, wussten Eders Haltung zu würdigen. Er gewann neue Förderer in den bayrischen Herzögen (S. 99ff.: Wittelsbach Patronage, 1573–1587). Das beruhte einerseits auf dem sehr ambivalenten Verhältnis der Wittelsbacher und der Habsburger, die zwar vielfach verwandt waren und auch in konfessionellen Angelegenheiten grundsätzlich an einem Strick zogen, aber auch in großer Konkurrenz zueinander standen und andererseits auf dem Ausbau des Korrespondentennetzes der Bayern. Der Hinweis auf die Akten in München ist hier besonders wertvoll, weil dort offensichtlich noch ungehobene Schätze für die Informationspolitik der Frühen Neuzeit liegen.

Die Korrespondenz Eders mit den Wittelsbachern, die weitgehend bekannt war, wurde durch Elaine Fulton auf eine solidere Grundlage gestellt. Einerseits stellte sie fest, dass Teile von Eders Briefen von dem sie bearbeitenden Historiker Viktor Bibl ausgelassen wurden, außerdem hat sie einige bisher unbekannte Briefe gefunden. In diesen Briefen hat der »Scharfmacher« oder »Hardliner« Eder, der mit seiner »Evangelischen Inquisition« eine so negative Reaktion Maximilians II. auslöste, den Wittelsbachern Berichte über den Wiener Hof vor allem der 1580er Jahre geliefert, die heute sicherlich eine besonders wichtige Quelle für die konfessionelle Geschichte Österreichs darstellen.

Am Rande berührt das Buch auch das Netzwerk anderer, die den bayrischen Hof mit Nachrichten versorgten, aber auch die Netzwerke Eders mit seinen Zeitgenossen, die auch nach Rom und vor allem zu den Jesuiten dort reichten. Eder war also im Netzwerk des Katholizismus, wie Elaine Fulton gut aufzeigen kann, durchaus verankert, er kam z.B. in den Nuntiaturberichten und der Korrespondenz von Petrus Canisius mehrfach vor.

Da in diesem Buch von Netzwerken und ihrem Zustandekommen soviel die Rede ist, wäre es auch ganz interessant die eigenen Netzwerke der Autorin anzusehen. Dabei fällt im Hinblick auf die Netzwerke der AutorInnen zum Thema auf, dass sie wie fast alle englischsprachigen Autoren sehr stark auf die englischen Werke zurückgreift, obwohl sie eindeutig der deutschen Sprache mächtig ist. Auch weniger gelungene Werke (wie die Arbeit von Paula Sutter Fichtner über Ferdinand I.) werden ausgiebig zitiert, Alfred Kohlers neue Biographie Ferdinands fehlt hingegen im Literaturverzeichnis. Auch eine starke Betonung des nach meinem Ermessen überschätzten Werkes von Robert J. W. Evans »The Making of the Habsburg Monarchy« ist auffällig.

Noch interessanter ist das persönliche Netzwerk, das ausführlich in der Einleitung dargestellt wird, wobei eine gewisse Selektion klar ersichtlich ist. Das vielleicht eigenartigste ist, dass die protestantische Seite völlig fehlt. Sicherlich ist Elaine Fulton nicht vorzuwerfen, dass sie das zeitlich parallel zu ihrer Arbeit entstandene und 2003 erschienene Standardwerk zur »Geschichte des Christentums in Österreich von der Spätantike bis zur Gegenwart« (im Rahmen der von Herwig Wolfram herausgegebenen Geschichte Österreichs) nicht kennt, aber Kontakte zur protestantischen Kirchengeschichte wären sinnvoll gewesen. Der sicherlich beste Kenner des Protestantismus in Österreich, Rudolf Leeb, ist weder im Literaturverzeichnis noch in der Liste der Personen, die Frau Fulton in Wien kontaktierte, enthalten.

Selbstverständlich gibt es zu Eder hauptsächlich katholisch geprägte Literatur, aber gerade mit dieser müsste man sehr sensibel umgehen und die Wirkungen auf die eigene Sprache, die dem Einfluss dieser Literatur ausgesetzt ist, reflektieren. Ein Satz wie »Thanks in part to the policies of Ferdinand, Lower Austria became the territory of one of the first executions of a Lutheran, with the beheading of one Kaspar Tauber on 17 September 1524 before Vienna’s Stubentor« (S. 32) erscheint mir zynisch und keineswegs politically correct.

Was den oft schwierigen Umgang mit deutschen Spezialtermini (wie z.B. Reichshofrat oder Herrenstand) anlangt, hat Frau Fulton das Problem gut gelöst. Anstatt komplizierte und oft nicht stimmige Übersetzungen zu benutzen, verwendet sie die Originalausdrücke, die sie in einem Glossar am Beginn des Buches auf Englisch erklärt.

Eine kleine Korrektur am Rande, die aus der Tatsache erklärbar ist, dass Deutsch nicht die Muttersprache der Autorin ist. Wenn sie von »usage of ›f‹ for ›s‹« in alten deutschen Texten spricht, irrt sie. Was sie wohl sah und nicht verstand ist, dass in der alten Druck- wie auch Schreibschrift zwei Formen des Buchstaben s (das runde und das lange s) existierten, wobei das lange s zwar aussieht wie f – aber klarerweise keines ist.

Alles in allem aber ist die Arbeit eine sehr gelungene Studie zur konfessionellen und politischen Situation in der Habsburgermonarchie im späten 16. Jh., die viele neue Ergebnisse bringt und hoffentlich in der österreichischen Geschichtsschreibung entsprechend rezipiert wird.

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