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O. Mallick: Freundin oder Gönnerin?

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Freundin oder Gönnerin? Anna von Österreich im Spiegel ihrer Korrespondenz

discussions 8 (2013)

Oliver Mallick

Freundin oder Gönnerin?

Anna von Österreich im Spiegel ihrer Korrespondenz



Abstract:

Obwohl die Korrespondenz von Anna von Österreich sehr aufschlussreich ist, was ihre Patronage und etwaige Freundschaftsverhältnisse betrifft, fehlt bisher eine eingehendere Untersuchung. Einerseits bat sie in Briefen um Unterstützung für ihre Klienten/Freunde bzw. ihre Klienten/Freunde wandten sich an sie, um für sich, Angehörige oder eigene Klienten/Freunde eine Gunst zu erhalten. Andererseits lässt sich in den Briefen ein standardisiertes Vokabular nachweisen, wenn es um die Einforderung beziehungsweise Gewährung einer Gunst ging. Denn es wurden immer wieder Termini benutzt, die auch dann ein Verwandtschafts- und Freundschaftsverhältnis implizierten, wenn keines vorlag. Der Übergang zwischen Freundschaft und Patronage war fließend, nicht zuletzt, weil der Faktor der Zuneigung nicht zwangsläufig eine Rolle spielte. Im Falle von Anna von Österreich galt daher das Prinzip, dass sie Patronin war, ohne Freundin zu sein, aber nie Freundin war, ohne zugleich Patronin zu sein.

Résumé:

Malgré l'importance de la correspondance d'Anne d'Autriche, une étude approfondie de son patronage et des différents liens d'amitié qu'elle a entretenus reste à mener. Elle sollicitait par ses lettres un soutien pour ses clients/amis alors que sa clientèle/ses amis s'adressaient à elle pour obtenir une faveur pour eux-mêmes, leurs proches ou leurs propres clients/amis. Par ailleurs, les lettres livrent un vocabulaire standardisé, lorsqu'il s'agit d'une demande de faveur ou de son obtention. Généralement, les termes mis en avant tendent à suggérer un lien de parenté ou d'amitié, même lorsqu'il n'en existe pas. La distinction entre amitié et patronage était ténue, en partie parce que le facteur affectif n'entrait pas forcément en jeu. Dans le cas d'Anne d'Autriche, le principe prévalait qu'elle pouvait être patronne sans être amie, mais elle n'était jamais l'amie sans être également patronne.



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In vielen zeitgenössischen Schriften und Briefen wurde Anna von Österreich immer wieder wegen ihrer Güte (bonté) gelobt1. Mit anderen Worten, sie hat sich gegenüber zahlreichen Personen als Gönnerin und Wohltäterin erwiesen und entsprechende Anerkennung erworben. Gleichwohl gibt es aber auch einige wenige schriftliche Zeugnisse, in denen konkret von einem Freundschaftsverhältnis der Königin gesprochen wurde, wie zum Beispiel im Fall der Duchesse de Noailles, einer Hofdame der Königin. Über sie hieß es, sie sei eine der engsten Freundinnen der Königin gewesen2. Vor diesem Hintergrund stellt sich nun also die Frage, inwieweit Anna von Österreich in ihrer Funktion und herausragenden gesellschaftlichen Stellung als Königin tatsächlich als eine Freundin auftreten konnte? Wie konkret waren letztlich die Überschneidungen zwischen Verwandtschafts-, Freundschafts- und Patronageverhältnissen, denen von der Forschung gerade für die Frühe Neuzeit zu Recht teils fließende Übergänge attestiert werden3? Oder anders gefragt: War es in Bezug auf die Königin überhaupt möglich, zwischen einem Freundschafts- und einem Patronageverhältnis zu unterscheiden?

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Bis heute wurde der Korrespondenz Annas von Österreich in diesem Zusammenhang von der Forschung kaum oder keine Beachtung geschenkt. Lediglich ihr Briefwechsel mit Kardinal Mazarin ist seit dem 19. Jahrhundert immer wieder bei historischen oder biographischen Betrachtungen herangezogen und aufgrund der emotionalen Sprache und einiger kryptischer Zeichen (fälschlicherweise) als Beweis für ein vermeintliches Liebesverhältnis interpretiert worden4. Unter Berücksichtigung anderer Briefwechsel der Zeit – so auch Briefe der Königin an die Duchesse de La Valette5 – zeigt sich sehr schnell, dass eine derartige affektive Sprache für die Zeit typisch war und es daher abwegig ist, Mazarins Verhältnis zur Königin ohne andere, konkretere Beweise und lediglich auf den Briefwechsel gestützt als Liebesverhältnis zu deuten.

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Es stellt sich daher die Frage, warum nun ihrer Korrespondenz ansonsten kaum Beachtung geschenkt wurde? Dafür gibt es sicherlich zwei wesentliche Gründe. Zum einen ist – etwa im Gegensatz zu Katharina von Medici6 – die Zahl der erhaltenen Briefe an die beziehungsweise von der Königin vergleichsweise gering. Zum anderen sind sie auf zahlreiche Manuskriptbestände verteilt, was eine Einsicht mitunter mühselig erscheinen lässt. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die erhaltenen Schriftstücke allerdings als durchaus aufschlussreich hinsichtlich der zuvor formulierten Fragen, denn ihre Korrespondenz enthält neben politischen und offiziellen Schreiben auch zahlreiche Briefe, in denen sich die Königin für Getreue und Freunde einsetzte.

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Daran knüpft die folgende Betrachtung an. Zunächst soll es einige kurze Vorbemerkungen zu Freundschaft und Patronage im 17. Jahrhundert geben. Anschließend wird die Korrespondenz der Königin in Bezug auf die verschiedenen Personengruppen, an die ihre Briefe gerichtet waren, eingehender untersucht. Und schließlich soll eine Gesamteinschätzung erfolgen.



Vorüberlegungen zu Freundschaft und Patronage im 17. Jahrhundert

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Einige der folgenden Ausführungen und Beispiele aus zeitgenössischen Briefen sollen noch einmal kurz den Hintergrund verdeutlichen, vor dem Anna von Österreich lebte und wirkte, und das Verständnis von Freundschaft und Patronage aufzeigen, das im 17. Jahrhundert herrschte und folglich auch für die Königin konstitutiv war. Für das 17. Jahrhundert lässt sich gerade in Frankreich eine gewisse Dichotomie des Freundschaftsbegriffs konstatieren. Ausgehend vom literarischen und galanten Milieu wurde oft eine Gleichsetzung von Freundschaft und Liebe vorgenommen, was nicht zuletzt den ästhetischen Idealen der Salon- und damit auch der Romankultur geschuldet war7. Dieser fließende Übergang wurde nicht nur per definitionem als real angenommen, wie etwa im Wörterbuch von Furetière8, sondern fand auch bei den Zeitgenossen ein entsprechendes Echo.

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Exemplarisch mag dazu ein Brief Ludwigs XIV. dienen. Als er sich gerade fern von Paris aufhielt, schrieb er seiner Mutter Anna von Österreich und kündigte seine baldige Rückkehr an. Dabei sprach er von seiner Freundschaft (amitié) ihr gegenüber, womit in diesem Zusammenhang also die Liebe des Sohnes gegenüber der Mutter ausgedrückt werden sollte9. Daneben gab es aber noch eine weitere konkrete und alltagsbezogene Interpretation des Freundschaftsbegriffs. Freundschaft beinhaltete stets gegenseitige Hilfe und Unterstützung, etwa bei der Beschaffung von Geld, der Erlangung eines Postens oder der Einwirkung auf ein Gerichtsverfahren10. Ein solches Freundschaftsverhältnis konnte natürlich durchaus eine affektive Komponente erhalten; dies galt insbesondere bei Beziehungen zwischen gleichrangigen Personen, wobei hier dann aber auch ›ererbte‹ Freundschaften mit hineinspielen konnten oder direkte verwandtschaftliche Bindungen zu anderen Adelshäusern11.

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Bei Beziehungen zwischen Personen, die in der gesellschaftlichen Hierarchie unterschiedlich aufgestellt waren, sich also in einem typischen Patron-Klient-Verhältnis12 befanden, war es nicht zwangsläufig der Fall, dass diese Beziehung auf tatsächlicher Zuneigung beruhte13. Denn, wie ebenfalls viele Briefe aus dieser Zeit belegen, die Freundschaftssemantik spielte oft gerade dann eine Rolle, wenn jemand von einer höher gestellten Person Unterstützung empfing. In so einem Fall sprach der Klient ebenfalls von seiner tiefen und großen Freundschaft gegenüber dem Patron, womit er seine Dankbarkeit, aber auch die Hoffnung zum Ausdruck brachte, in Zukunft weiterhin auf ihn zählen zu können14. Das heißt, für den erwiesenen Gefallen war er bereit, sich dem Gönner gegenüber loyal zu erweisen und ihm unter Umständen auch behilflich zu sein. In diesem Kontext hat es zudem den Anschein, dass der Freundschaftsbegriff15 häufig dann auftaucht, wenn sich der Patron bereits des Öfteren als großzügig und hilfreich erwiesen hat16.

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Wie von einem Familienmitglied wurde also auch von einem Freund beziehungsweise Patron/Klient erwartet, Unterstützung zu leisten. Das war zugleich einer der wichtigsten Unterschiede zum Freundschaftsverständnis nachfolgender Epochen, in denen Freundschaft grundsätzlich ohne eine solche Erwartungshaltung verstanden wurde17. War der Freundschaftsbegriff in einem Patron-Klient-Verhältnis aber erst einmal etabliert, konnte dies durchaus zu einer affektiven Komponente innerhalb dieses Verhältnisses führen – inwieweit dies allerdings auf gewachsener und echter Zuneigung beruhte oder einfach gängigen Konventionen von Gesten der Anteilnahme entsprach, muss dahingestellt bleiben18. Eine solche Anteilnahme äußerte sich meist in Form von Glückwunschbriefen im Falle einer Beförderung, Eheschließung oder Geburt sowie durch Beileidsbekundungen im Trauerfall.



Anna von Österreich und ihr Briefwechsel

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Aufgrund der bisherigen Vorüberlegungen soll der Briefwechsel der Königin nun vor allem unter drei Gesichtspunkten beleuchtet werden: Wem schrieb sie? Wie schrieb sie? Was schrieb sie?



Korrespondenz mit anderen Fürsten

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Schreiben an andere Monarchen beziehungsweise Fürsten beinhalteten in der Anrede, wie damals üblich, stets die Formulierung »Mein Bruder« (Mon frère) oder »Meine Schwester« (Ma sœur). Bereits diese Anrede suggerierte also ein Verwandtschaftsverhältnis, wobei es sekundär war, ob auch tatsächlich immer eine direkte verwandtschaftliche Beziehung existierte oder nicht. Weitaus wichtiger war, dass die Anrede die Gleichrangigkeit zwischen Absender und Empfänger unterstrich – beide waren auf Augenhöhe. Und unabhängig davon, ob dieses Verwandtschaftsverhältnis nun tatsächlich gegeben war oder lediglich semantisch imaginiert wurde, ist es damit gelungen, eine Grundlage zu schaffen, die wie auch bei anderen adligen Familien gegenseitige Hilfe, Unterstützung oder die Verfolgung gemeinsamer Interessen zum Gegenstand hatte19.

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Als Beispiel mag hier ein Brief Annas von Österreich an den polnischen König Wladyslaw IV. aus dem Jahr 1644 dienen20: Zunächst ging es um den Aspekt der Anteilnahme. Denn als Erstes bedankte sie sich für sein Kondolenzschreiben, das er ihr anlässlich des Todes von Ludwig XIII. geschickt hatte. In diesem Zusammenhang sprach sie ganz explizit davon, dass sein Brief ein Beweis dafür sei, dass er ein echter Verwandter und Verbündeter sei. Aus diesem Grund dürfe er als Gegenleistung eine ebensolche Zuneigung auch von ihr erwarten. Außerdem könne er davon ausgehen, dass sie ihre Kinder ebenfalls in diesem Geiste erziehen würde, um die guten Beziehungen beider Familien und damit letztlich beider Staaten langfristig aufrechtzuerhalten.

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Einerseits deutete die Königin damit also den Aspekt der ererbten Freundschaft an, andererseits machte sie aber indirekt auch deutlich, dass dafür eine entsprechende Erziehung notwendig war, in deren Verlauf ihrem Sohn, also dem jungen Ludwig XIV., die Vorteile der französisch-polnischen Allianz vermittelt werden mussten. Und sobald sich eine passende Gelegenheit bieten sollte, würde sie dem polnischen König ihre Zuneigung unter Beweis stellen. Hierbei handelte es sich gewissermaßen um eine Standardaussage, die in derartigen Briefen der Königin üblich war, unabhängig davon, ob sie an Gleichrangige oder an Klienten gerichtet waren. Dass es sich tatsächlich um eine häufig verwendete rhetorische Formulierung handelte, wird im Übrigen dadurch bestätigt, dass diese Formulierung auch in Briefen anderer Zeitgenossen anzutreffen war.

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Im Anschluss daran wandte sich die Königin wiederum einer konkreten politischen Zielsetzung zu, nämlich dem Hinarbeiten auf den allgemeinen Frieden in Europa, womit sie zugleich die Politik ihres verstorbenen Gemahls fortsetzen wollte. Deshalb forderte sie den polnischen König auf, auch seinen Anteil am Friedensprozess zu leisten sowie grundsätzlich gemeinsam für die katholische Sache einzutreten und zu kämpfen. Sie sprach damit das Ehrgefühl des Königs an, indem sie darauf hinwies, dass dies auch seinem Ruhm förderlich sei. Und am Ende des Briefes bestärkte sie ihn dann noch einmal darin, dass sie seine Freundschaft zu schätzen wisse und er dementsprechend von ihr erwarten dürfe, was man sich an Unterstützung von einer Freundin und Alliierten erhoffen könne. Dementsprechend beschloss sie den Brief mit der Formulierung »Eure gute Schwester und Kusine Anna«.

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Wie dieses Beispiel gezeigt hat, war eine freundschaftliche Beziehung zwischen Fürsten durch eine politische Partnerschaft beziehungsweise die Verfolgung gleicher Interessen gekennzeichnet – zumal sich beide beteiligten Personen in diesem Fall ja nie begegnet sind. Natürlich bildeten sich politische Allianzen und Zweckbündnisse immer auch unter dem Aspekt aktueller tagespolitischer Ereignisse und konnten daher schnell wieder wechseln. Um also eine solche Beziehung aufrechtzuerhalten und mittel- bis längerfristig zu sichern, erfolgte die Pflege dieser Freundschaft durch die Anteilnahme an Ereignissen im jeweils anderen Fürstenhaus, aber auch durch die bereits erwähnten konkreten Versprechen der gegenseitigen Unterstützung.

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So tauschten beispielsweise Anna von Österreich und die polnische Königin anlässlich von Geburten, Hochzeiten, Krankheiten oder Todesfällen regelmäßig Glückwunsch-, Genesungs- oder Kondolenzwünsche aus, in denen sie sich gegenseitig immer wieder ihrer Freundschaft versicherten21. Der Kontakt zur polnischen Königin – also der Kontakt zwischen den Königinnen – war somit ein nicht zu unterschätzender Faktor, gerade weil sich damit neben der offiziellen Diplomatie eine weitere Möglichkeit ergab, positiv auf die Beziehungen der beiden Länder einzuwirken.



Korrespondenz mit geistlichen Würdenträgern

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Anna von Österreich wandte sich in zahlreichen Schreiben an geistliche Würdenträger wie den Papst, Erzbischöfe und Bischöfe, aber auch an Äbte und Äbtissinnen. Briefe an den Papst waren schon aufgrund seiner innerkirchlichen Stellung von einer formaleren und ehrerbietigen Art gekennzeichnet, was die rhetorischen Formulierungen betraf. Inhaltlich ging es allerdings um konkrete Bitten um Gunstbeweise. So setzte sich Anna von Österreich in einem Schreiben an Papst Urban VIII. dafür ein, dass er einem Geistlichen in ihrem Haushalt doch das Bischofsamt umsonst verleihen solle, um ihm die hohen Kosten des Kaufs zu ersparen22.

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Die Anrede in Schreiben an Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte und Äbtissinnen – unabhängig davon, ob es sich um französische oder ausländische handelte – suggerierte hingegen wie bei den Fürsten ebenfalls ein verwandtschaftliches Verhältnis. Da es sich natürlich nicht um gleichrangige Personen handelte, diente als Anrede oft »Mein(e) Cousin(e)« (mon cousin/ma cousine), was einerseits eine gewisse Vertrautheit und Nähe beinhaltete, aber andererseits trotzdem den Statusunterschied wahrte.

<18>

Bei Äbtissinnen wurde eine derartige Anrede allerdings nur verwendet, wenn sie dem hohen Adel angehörten, ansonsten blieb die Anrede auch hier förmlicher. In jedem Fall korrespondierten die hohen geistlichen Würdenträger direkt mit der Königin und bedienten sich meist nicht eines Mittelsmannes. So wandte sich eine Äbtissin mit einem Vorschlag für die Besetzung eines Postens an die Königin: Da es sich bei der vorgeschlagenen Person aber um ein sehr junges Mädchen handelte und die Königin für deren Amtsantritt keinen Dispens erlangen konnte, entschied sich die Königin für eine andere, ältere Kandidatin. Trotzdem versicherte sie der Äbtissin, sich an ihren Vorschlag erinnern zu wollen, sobald sich eine günstige Gelegenheit bieten würde23.

<19>

Andere Briefe verdeutlichten wiederum, dass sich einige Äbtissinnen auch unabhängig von Bittgesuchen an die Königin wandten, ganz einfach, um den Kontakt zu pflegen und aufrechtzuerhalten. Sie schickten der Königin kleine Geschenke24, übermittelten Neujahrsgrüße und versicherten ihr, beständig für ihr Wohl und das des Königs beten zu wollen25. Dahinter verbarg sich natürlich die indirekte Absicht, unter Umständen Vorteile für das jeweilige Kloster herauszuschlagen. Die Königin reagierte auf solche Geschenke und Schreiben ihrerseits mit Antwortbriefen26. Darin brachte sie nicht nur ihren Dank zum Ausdruck, sondern versicherte die vom Absender erhoffte Unterstützung für das entsprechende Kloster und bekundete ihr freundschaftliches Wohlwollen.

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Das heißt, ein solcher Briefwechsel zwischen einer Äbtissin und der Königin war immer auch eine Art Stimmungstest und Rückversicherung, ob die Gunst der Königin noch gegeben war – letztlich ging es also darum, sich immer wieder bei der Königin in Erinnerung zu rufen, vor allem wenn die räumliche Entfernung Besuche nur selten oder gar nicht erlaubte.

<21>

Anna von Österreich wandte sich ihrerseits an Geistliche, um entsprechende Vergünstigungen für Personen, die ihr nahestanden, zu erreichen. Sie bat etwa einen italienischen Kardinal darum, er möge sich dafür einsetzen, dass man dem ältesten Sohn ihres Oberstallmeisters eine Bulle für die kostenlose Übertragung einer Abtei zukommen lassen möge27. Ihre Argumentation, warum sie sich in diesem Fall engagierte, ist als durchaus exemplarisch anzusehen: Sie begründete ihren Einsatz damit, dass ihr Oberstallmeister ihr stets gute Dienste geleistet habe und immer noch leiste und dass sie bei ihrer Entscheidung, sich für ihn einzusetzen, vor allem von der Zuneigung (affection) für ihn geleitet werde28.

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Abgesehen von einer Art Belohnung für lange und treue Dienste spielte der Faktor der Zuneigung eine nicht unerhebliche Rolle. Die Königin wies nämlich selbst darauf hin, dass sie Bittschreiben dieser Art nur selten verfassen würde29. Aufgrund der wenigen erhaltenen Briefe ist es natürlich nicht möglich, zu überprüfen, ob das tatsächlich stimmte oder ob es sich lediglich um eine rhetorische Beschönigung handelte30.

<23>

In einem anderen Fall wandte sie sich an einen Bischof mit der Bitte, er möge einem der Soldaten ihrer Leibgarde bei Gelegenheit eine vakante Abtei zukommen lassen; damit wollte sie ihm für sein tapferes und mutiges Verhalten nicht zuletzt während der Unruhen im Zuge der Fronde (1648–1653) danken31.

<24>

Für den Fall, dass sich Anna von Österreich an geistliche Würdenträger wandte, mit denen sie bisher keinen persönlichen Umgang gepflegt hatte oder mit denen auch sonst kein Kontakt bestanden hatte, blieb die Anrede hingegen förmlicher. Allerdings beschränkten sich diese Förmlichkeiten meist nur auf die Anrede. Auch hier sei ein Beispiel genannt: Die Königin schrieb einer Äbtissin und eröffnete den Brief mit der Floskel »Madame l'Abbesse«. Sie bat sie darum, die Tochter eines Mannes, der sowohl ihr als auch Ludwig XIV. gedient hatte, in ihrem Kloster aufzunehmen32. Der Grund dafür waren erneut die langen, treuen und aufopferungsvollen Dienste, die er ihr geleistet hatte. Daher, wie sie selbst erklärte, sei sie gern bereit, seinen Angehörigen behilflich zu sein. Gegenüber der Äbtissin deutete sie nun auch ihre Erwartungshaltung an: Sollte sie diesem Gesuch der Königin nachkommen, würde die Königin darin ein Zeichen ihrer Freundschaft sehen (und sich bei Bedarf natürlich für sie und ihre Klostergemeinschaft einsetzen)33.



Korrespondenz mit Adligen

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Je höher der Rang eines Adligen war und je näher er der Königin stand, umso vertrauter war auch die Anrede. Die Vertreter der großen Adelsfamilien, wie etwa Mitglieder der Häuser Condé oder Bouillon, wurden ebenfalls mit »Mein Cousin/Meine Cousine« angesprochen, um die Nähe zur Königin und damit zur königlichen Familie zu unterstreichen. Außerdem sollten entsprechende Versicherungen der Zuneigung und der Gunst diese Familien an den Hof und damit an die Königin binden34. Während Briefe an die Frauen aus den großen Adelsgeschlechtern meist auf Glückwunsch-, Kondolenz- und Dankesschreiben beschränkt blieben, ging es in den Schreiben an die großen adligen Herren in ihrer Funktion als militärische Befehlshaber oder Inhaber von Gouverneursposten neben der Versicherung der Zuneigung natürlich in erster Linie um konkrete Gunstbeweise für Mitglieder des Hofstaates der Königin oder andere ihr nahestehende Personen. So forderte sie zum Beispiel einen Marschall auf, Personen zu unterstützen und zu fördern, die neben einer Charge in ihrem Haushalt auch einen militärischen Posten bekleideten35.



Korrespondenz mit staatlichen Würdenträgern

<26>

Grundsätzlich waren die Briefe an staatliche Würdenträger förmlich gehalten und stellten in diesem Zusammenhang keine Besonderheit in der Korrespondenz der Königin dar. Gleichwohl griff sie aber auch hier auf den Begriff der Zuneigung zurück, um zumindest ein gewisses Maß an Nähe zum Ausdruck zu bringen.

<27>

Eine Ausnahme bildeten jedoch Briefe an besonders hohe Amtsinhaber, wie etwa an den Kanzler von Frankreich, die mit einer förmlichen Anrede begannen, aber mit der Zeile »Eure gute Freundin« (Votre bonne amie) endeten. Die Königin war also bemüht, ein vertrautes Verhältnis zu etablieren. Inhaltlich ging es in Schreiben an den Kanzler von Frankreich meist um juristische Streitfälle. Insbesondere wenn Mitglieder ihres Hofstaates einen Prozess am Pariser Gericht führten, bat die Königin den Kanzler, beim zuständigen Richter einen positiven Ausgang herbeizuführen; der Kanzler fungierte also als Mittler und die Königin vermied es, sich direkt und allzu offensichtlich in laufende Verfahren einzumischen36.

<28>

Für den Kanzler war dies wiederum eine Gelegenheit, seine Treue und Loyalität gegenüber der Königin unter Beweis zu stellen, und er durfte grundsätzlich davon ausgehen, dass sie ihm dann gegebenenfalls auch behilflich sein würde.



Schlussbetrachtung

<29>

Aus den vorangegangenen Betrachtungen und Beispielen lassen sich nun mehrere Rückschlüsse ziehen.



Anna von Österreich als Gönnerin beziehungsweise Patronin37

<30>

Die Auswertung ihrer Briefe hat zunächst einmal deutlich gemacht, dass Anna von Österreich ebenso als Patronin agierte wie auch andere Fürsten und hohe Adlige ihrer Zeit. Des Weiteren macht ihr Briefwechsel aber auch deutlich, dass sich, was die in den Briefen verwendeten Formulierungen betrifft, eine Konventionalisierung ebenso nachweisen lässt, wie sie etwa McLean schon anhand der Medici-Korrespondenz im Florenz des 15. Jahrhunderts aufgezeigt hat38. Das findet zusätzlich Bestätigung, wenn auch Briefe anderer Persönlichkeiten, etwa Kardinal Mazarin oder Jean-Baptiste Colbert, herangezogen werden und sich dort dieselbe Wortwahl wiederfindet39. Das heißt, bat die Königin jemanden um einen Gefallen, wies sie stets darauf hin, dass er oder sie ihr damit eine Freude (plaisir) bereiten würde. Außerdem erklärte sie, dass sie sich bei einer passenden Gelegenheit erkenntlich zeigen würde. Sie verwendete standardisierte Formulierungen, die nur geringfügig in den verschiedenen Briefen variierten40.

<31>

Daran wurde aber auch noch einmal die Asymmetrie eines solchen Verhältnisses offenkundig: Die Königin als Patronin nahm gegenüber ihrem Klienten eine deutlich herausgehobene Position ein und ein Klient konnte sich in einer derartigen Situation der Erfüllung des königlichen Gesuchs nicht einfach entziehen. Im Gegenteil, die Königin war klar im Vorteil. Jeder konnte ihr ohne Weiteres seine Zuneigung versichern und behaupten, alles in seiner Macht Stehende für sie zu tun – nur handelte es sich dabei in erster Linie um Behauptungen. Wandte sich die Königin aber konkret mit einer Bitte an einen Klienten, musste dieser der Bitte erst einmal nachkommen und so beweisen, dass er zu seinen Worten stand und weiterhin der königlichen Gunst und Unterstützung würdig war, sollte er sie eines Tages einfordern41.

<32>

Die Tatsache, dass die Königin um etwas bat, beinhaltete also im Grunde stets eine Anweisung beziehungsweise einen Befehl. Dies umso mehr, wenn beachtet wird, dass derartige Bittschreiben neben dem konkreten Anliegen der Königin ja stets mit dem Hinweis auf ihr anhaltendes Wohlwollen gegenüber dem Adressaten verknüpft waren, er sich also schwerlich der Erfüllung ihres Wunsches entziehen konnte. Wenn der Adressat also dem Ersuchen der Königin nachkam, war seine Gunst weiterhin gesichert42.

<33>

Der Nachteil für den Klienten lag wiederum in der Ungewissheit, wann sich die Königin erkenntlich zeigen beziehungsweise ob sie es tatsächlich tun würde – dies war letztlich ein Risiko, das aber in Kauf genommen wurde, weil das Risiko, sich durch eine Absage dauerhaft den Unmut der Königin zuzuziehen, noch größer war.



Anna von Österreich als Freundin

<34>

Es hat sich ebenfalls gezeigt, dass die Königin für gleichgestellte Personen, für hohe Adlige sowie geistliche Würdenträger ein Vokabular verwendete, das ein verwandtschaftliches Verhältnis andeutete, weil es entweder tatsächlich bestand oder lediglich imaginiert wurde, um eine besondere Vertrautheit oder Nähe zum Ausdruck zu bringen. Daneben tauchte in diesen Briefen kontinuierlich der Freundschaftsbegriff auf; zumindest auf dieser hohen und teilweise ebenbürtigen gesellschaftlichen Ebene war der Übergang von Familie und Freundschaft in dieser Epoche zum Teil recht fließend43.

<35>

Und wie es eingangs bereits angesprochen wurde, wurde sowohl von Familienmitgliedern als auch von Freunden gegenseitige Hilfe erwartet. Das war ja gerade eine bestimmende Komponente in diesen Beziehungsgeflechten. Wie bei einer Freundschaft, etwa zwischen zwei Adligen, kann also auch deshalb von einem Freundschaftsverhältnis zwischen Anna von Österreich und anderen Monarchen, die mit der französischen Krone verbündet waren, gesprochen werden, weil die soziale Gleichrangigkeit gegeben war. Und entsprechend der allgemein gültigen Auffassung der Zeit implizierte das im Bedarfsfall gegenseitige Hilfe44.

<36>

Das galt auch für den Faktor der Zuneigung: Er konnte durchaus eine Rolle spielen, war aber letztlich von eher untergeordneter Bedeutung, zumal es in solchen Fällen natürlich auch immer um politische Erwägungen ging, weshalb eine persönliche Bekanntschaft oft nicht gegeben und im Grunde auch keine Voraussetzung war.

<37>

Darüber hinaus trat der Freundschaftsbegriff auch in Schreiben auf, die an sozial beziehungsweise hierarchisch niedriger gestellte Personen adressiert waren. Folglich lag damit ein asymmetrisches Verhältnis vor und man kann daher von einem Patron-Klient-Verhältnis sprechen. Allerdings wurde der Freundschaftsbegriff auch hier genutzt, um die Klienten stärker an sich zu binden und ihnen durch eine entsprechende Freundschaftsrhetorik klarzumachen, dass sie in der Gunst der Königin stehen und gegebenenfalls auf ihre Hilfe und Kontakte zurückgreifen könnten. Denn eine familiär-freundschaftliche Anrede- oder Schlussformel diente als Vertrauensbeweis, unterstrich noch einmal das enge Verhältnis, ermahnte aber auch dazu, den Bitten der Königin unverzüglich Folge zu leisten.

<38>

Schließlich stellt sich noch die Frage, was es mit Personen auf sich hatte, wie den eingangs erwähnten Duchesses de Noailles und de La Valette, die von den Zeitgenossen als besonders enge Freundinnen der Königin bezeichnet wurden. Auch in diesen Fällen handelte es sich letztlich nur um eine Variante des Patron-Klient-Verhältnisses, das allerdings durch eine gesteigerte Zuneigung vor allem seitens der Königin einen affektiven Charakter erhielt.

<39>

Schon allein aufgrund ihrer herausgehobenen Stellung war ein ebenbürtiges Verhältnis zur Königin in solchen Fällen von vornherein ausgeschlossen. Sie war und blieb stets Patronin, die zu einigen Personen ein besonders enges Verhältnis pflegte, das auf Zuneigung und gemeinsamen Interessen, wie der Förderung karitativer und religiöser Einrichtungen, beruhen konnte, aber nicht zwangsläufig beruhen musste45.

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Abschließend lässt sich somit sagen, dass Anna von Österreich nicht nur Patronin war, sondern vor dem Hintergrund des zeitgenössischen Verständnisses auch Freundin sein konnte: Im Hinblick auf gleichrangige oder hierarchisch sehr hoch stehende Personen lag somit ein mehr oder minder symmetrisches Freundschaftsverhältnis vor; dies geschah aber in erster Linie durch einen Rekurs auf ein reales oder imaginiertes verwandtschaftliches Verhältnis, was wiederum eine Überlagerung beider Beziehungssysteme zur Folge hatte. Durch diese Betonung des verwandtschaftlichen und damit familiären Aspektes wurde nicht nur der freundschaftliche Aspekt der Beziehung wesentlich gestärkt, sondern auch die Verpflichtung, sich gegenseitig zu helfen, erhielt zusätzlich an Gewicht.

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Im Hinblick auf hierarchisch niedriger stehende Personen konnte Anna von Österreich zwar sehr wohl Freundin sein, aber nie, ohne dabei den Status der Patronin aufzugeben, weil es sich trotz allem um ein asymmetrisches Freundschaftsverhältnis handelte. Wenn dabei dann die Freundschaftsmetaphorik Anwendung fand, dann vor allem deshalb, um herauszustellen, dass es sich nicht nur um eine rein formelle Beziehung zwischen Herrscherin und Untertan beziehungsweise Patronin und Klient handelte, sondern diese Beziehung zusätzlich durch besondere Wertschätzung und Vertrauen gekennzeichnet war, was insbesondere auch in den Anrede- und Schlussformeln der Briefe zum Ausdruck kam46.

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Die Wortwahl in den Briefen ist daher ein Indikator für diese verschiedenen Abstufungen innerhalb der Beziehungsgeflechte der Königin. Der Faktor der Zuneigung spielte insbesondere dann eine Rolle, wenn es darum ging, die Art der Beziehung zur Königin und damit den Grad der Gunst zu definieren. Aber trotzdem blieb dieser Faktor letztlich von sekundärer Bedeutung, weil er zwar Bestandteil, nicht aber Voraussetzung einer freundschaftlichen Beziehung zur Königin war.

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Pflicht und Verpflichtung zu gegenseitiger Hilfe spielten eine zentrale Rolle in symmetrischen und asymmetrischen Beziehungsgeflechten und waren für Verwandte, Freunde, Patrone und Klienten gleichermaßen konstitutiv.



Autor:

Oliver Mallick, M.A.
Akademischer Mitarbeiter im wissenschaftlichen Dienst – DFG-Graduiertenkolleg 1288: Freunde, Gönner und Getreue
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
olivermallick@freenet.de



1 Vgl. Nicolas Caussin, Apologie pour les Religieux de la Compagnie de Iesus. A la Reyne Regente, Paris 1644, S. 2: »Cette bonté qui luy est aussi naturelle que le rayon au Soleil, & qui repose sur son cœur comme sur le plus agreables de ses Throsnes, n'a point d'autre souhait que de rendre tout le monde heureux & content, autant que la condition des temps & la necessité des affaires le peuvent permettre«.

2 Bibliothèque nationale de France (im Folgenden BNF), collection Clairambault 1142, Anonym: Recit abregé des vertus et de la mort de Madame la Duchesse Douairiere de Noailles Châlons 1698, fol. 38r: »La plus précieuse partie de sa faveur, a été d'avoir sçu mériter l'amitié de la Reine sa Maîtresse, & l'estime du Roi. Combien d'illustres marques en a elle eu! ce Prince qui ne sçait estimer que la vertu, n'a pû ne pas honorer celle de Madame la Duchesse de Noailles, qu'il connoissoit depuis qu'il s'est connu lui-même, & qu'il avoit vu égale dans tous les temps«.

3 Siehe z.B. Sharon Kettering, Friendship and Clientage in Early Modern France, in: French History 6/2 (Juni 1992), S. 139158; Klaus Oschema (Hg.), Freundschaft oder »amitié«? Ein politisch-soziales Konzept der Vormoderne im zwischensprachlichen Vergleich (15.–17. Jahrhundert), Berlin 2007.

4 Claude Dulong, Les signes cryptiques dans la correspondance d'Anne d'Autriche avec Mazarin, Paris 1982.

5 BNF, Nouvelles acquisitions françaises 5245, Anna von Österreich an die Duchesse de La Valette (undatiert), fol. 170r: »Je seray contente puis que vous estes la personne du monde que j'ayme le mieus [= mieux] pour des nouvelles de Paris; je ne vous en dire [sic] point me remettant au porteur […]. Je vous assure que je suis à vous plus qu'à moy mesme«.

6 Vgl. Catherine de Médicis, Lettres de Catherine de Médicis publiées par M. le comte de Baguenault de Puchesse, 11 Bde., Paris 1880–1943.

7 Siehe Oliver Mallick, La chance d'être femme? Die adlige Frau im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Alte Erwartungen und Restriktionen, neue Hoffnungen und Möglichkeiten, M.A. Universität Rostock 2008, hier S. 75–97. Vgl. auch Maurice Magendie, La politesse mondaine et les théories de l'honnêteté en France au XVIIe siècle, de 1600 à 1660, 2 Bde., Genf 1993.

8 Antoine Furetière, Le Dictionnaire universel, 2 Bde., La Haye, Rotterdam, 2. Aufl., 1702, Bd. 1, S. 83: »Amitié, se dit aussi en matière d'amour«; S. 85: »Amour. […] On dit aussi, Il aime d'amour; pour dire, d'une amitié violente«.

9 Louis XIV, Œuvres de Louis XIV, 6 Bde., Paris 1806, Bd. 5, Ludwig XIV. an Anna von Österreich (5.9.1661), S. 54: »[À] l'instant je partirai avec une joie extrême de vous aller embrasser, et vous assurer moi-même de la continuation de mon amitié«.

10 Siehe auch Wolfgang Reinhard, Freunde und Kreaturen. »Verflechtung« als Konzept zur Erforschung historischer Führungsgruppen. Römische Oligarchie um 1600, München 1979, S. 40, 60.

11 Zum Aspekt der Freundschaft vgl. etwa Ronald G. Asch, Freundschaft und Patronage zwischen alteuropäischer Tradition und Moderne: Frühneuzeitliche Fragestellungen und Befunde, in: Bernadette Descharmes, Eric Anton Heuser u.a. (Hg.), Varieties of Friendship. Interdisciplinary Perspectives on Social Relationships, Göttingen 2011 (Freunde – Gönner – Getreue, 1), S. 265–286; Bertrand Haan, L'amitié entre princes: une alliance franco-espagnole au temps des guerres de religion, 1560–1570, Paris 2010; Klaus Oschema, Freundschaft und Nähe im spätmittelalterlichen Burgund. Studien zum Spannungsfeld von Emotion und Institution, Köln, Weimar, Wien 2006.

12 Einen guten Einblick zum Stand der Patronageforschung bietet u.a. Birgit Emich, Stand und Perspektiven der Patronageforschung. Zugleich eine Antwort auf Heiko Droste, in: Zeitschrift für historische Forschung 32 (2005), S. 233–265. Siehe grundsätzlich auch Ronald G. Asch, Adolf M. Birke (Hg.), Princes, Patronage, and the Nobility. The Court at the Beginning of the Modern Age c. 14501650, London 1991; Charles Giry-Deloison, Roger Mettam (Hg.), Patronages et clientélismes 15501750 (France, Angleterre, Espagne, Italie), Lille 1995; Sharon Kettering, Patrons, Brokers, and Clients in Seventeenth-Century France, New York, Oxford 1986.

13 Vgl. Klaus van Eickels, Freundschaft im (spät)mittelalterlichen Europa: Traditionen, Befunde und Perspektiven, in: Klaus Oschema (Hg.), Freundschaft oder »amitié«? Ein politisch-soziales Konzept der Vormoderne im zwischensprachlichen Vergleich (15–17. Jahrhundert), Berlin 2007, S. 23–34.

14 Kettering, Friendship and Clientage (wie Anm. 3), S. 139–158, hier S. 139, 143.

15 Siehe dazu Arthur L. Herman, The Language of Fidelity in Early Modern France, in: Journal of Modem History 67 (1995), S. 1–24; Jay M. Smith, No More Language Games: Words, Beliefs, and the Political Culture of Early Modern France, in: The American Historical Review 102/5 (Dezember 1997), S. 1413–1440.

16 Pierre Richelet, Dictionnaire françois, contenant les mots et les choses, plusieurs nouvelles remarques sur la langue françoise, Genf 1680, S. 28: »Amitié, s. f. Affection réciproque qu'on se témoigne pour de particulières considérations. […] Ce qui peut faire naître l'amitié, c'est d'obliger, & de faire du bien«.

17 Im 18. Jahrhundert wurde eine deutlichere Trennung vorgenommen. Siehe Denis Diderot, Encyclopédie, ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, par une société des gens de lettres, 5 Bde., réed., New York 1969, Bd. 1, S. 115: »Amitié. L'amitié n'est autre chose que l'habitude d'entretenir avec quelqu'un un commerce honnête et agréable«; S. 116f.: »Amour. […] on ne le [l'amour] peut confondre avec l'amitié; car dans l'amitié, c'est l'esprit qui est organe du sentiment: ici ce sont les sens«.

18 Siehe auch Wolfgang Reinhard, Freunde und Kreaturen. Historische Anthropologie von Patronage-Klientel-Beziehungen, in: Freiburger Universitätsblätter 139 (1998), S. 127–141, hier S. 134.

19 Vgl. Christophe Blanquie, Les masques épistolaires de Saint-Simon, Paris 2009; Ders., Portraits épistolaires du cardinal de Retz, Paris 2011; Giora Sternberg, Epistolary Ceremonial: Corresponding Status at the Time of Louis XIV, in: Past & Present 204 (2009), S. 33–88.

20 BNF, collection Clairambault 391, Anna von Österreich an Wladyslaw IV. Wasa, König von Polen (9.2.1644), fol. 316r–316v.

21 Vgl. etwa Bibliothèque du château de Chantilly, série R, Bd. VIII, Anna von Österreich an Luisa Maria Gonzaga, Königin von Polen (26.2.1665), fol. 140r: »[J]e vous remercie des tesmoignages que vous m'avez donné en cette occasion [la maladie de Marie Thérèse, O. M.] de vostre amitié et je vous prie de croire que j'embrasseray avec joye toutes celles qui vous pourroient asseurer de la mienne que je conserveray toute ma vie entière et inviolable pour vous«.

22 BNF, Français 20.636, Anna von Österreich an Papst Urban VIII. (31.12.1641), fol. 28r.

23 BNF, collection Clairambault 389, Anna von Österreich an die Äbtissin Françoise Foix (9.11.1643), fol. 289r–289v.

24 Siehe dazu Sharon Kettering, Gift-Giving and Patronage in Early Modern France, in: French History 2/2 (1988), S. 131–151, hier S. 138.

25 J. A. Le Roi, Lettres de la reine Anne d'Autriche, du président Molé, du père de La Chaise, de Madame de Montespan, d'Anne de Gonzague, princesse palatine, etc. écrits à l'occasion de la construction du Couvent des Annonciades de Meulan par Louis XIV, Versailles 1860, Nr. 5, Anna von Österreich an Charlotte Dupuis, Oberin der Annuntiatinnen in Meulan (2.1.1644), S. 35f.: »Je prends pour marques si assurées de la continuation de vostre affection le souvenir que vous avez de moy à ce nouvel an que j'ay bien voullu par le retour du prevost de Triel vous tesmoigner qu'elles me seront tousjours très agréables d'avoir les occasions qui ce pourront offrir de vous faire recevoir des effects de mon amitié, et cependant je vous recommande bien soigneusement de faire prier Dieu pour le Roy monsieur mon fils et son frère, afin qu'il plaise à sa divine bonté les avoir en sa saincte garde«.

26 Ibid., S. 37f., 40–43.

27 BNF, Nouvelles acquisitions françaises 25.117, Anna von Österreich an Kardinal Virginio Orsini (21.1.1648), fol. 3r.

28 Ibid.

29 Ibid.

30 Allerdings deutet ein Kommentar von Mme de Motteville, einer Hofdame von Anna von Österreich, darauf hin, dass es sich bei der Bemerkung der Königin keineswegs um einen bloßen Bescheidenheitstopos handelte. Siehe dazu Françoise Bertaut, Dame de Motteville, Mémoires, pour servir à l'histoire d'Anne d'Autriche, épouse de Louis XIII, roi de France, 5 Bde., Amsterdam 1723, Bd. 1, S. 228: »Elle étoit libérale par ses propres sentiments; car ce qu'elle donnoit, elle le donnoit de bonne grâce: mais, elle manquoit de le faire souvent, faute de s'en aviser: il falloit trop s'aider auprès d'elle, pour obtenir ses bienfaits«.

31 BNF, Français 3922, Anna von Österreich an Louis II. Doni d'Attichy, Bischof von Autun (7.9.1652), fol. 29v–30r.

32 Archives nationales (Paris), O1 6, Anna von Österreich an Anne de Ragny, Äbtissin von Notre-Dame de Saint-Julien d'Auxerre (24.9.1656), fol. 177v–178r.

33 Ibid.

34 Kettering, Friendship and Clientage (wie Anm. 3), S. 143f.

35 Bibliothèque du château de Chantilly, série P, Bd. II, Anna von Österreich an Louis II. de Bourbon, Prince de Condé (13.5.1648), fol. 67r. Vgl. auch Barbara Stephenson, The Power and Patronage of Marguerite de Navarre, Aldershot 2004, S. 62, 155.

36 BNF, Français 18.552, Anna von Österreich an Kanzler Séguier (12.7.1654), fol. 110r.

37 An dieser Stelle sei noch auf meine im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Graduiertenkollegs 1288 »Freunde, Gönner und Getreue« in Arbeit befindliche Dissertation zum Thema »Die Patronagepolitik der Anna von Österreich (1643–1666)« hingewiesen, in der es um die verschiedenen Facetten der Patronage der Anna von Österreich – Inszenierung, Hofhaltung, Freundschaft – geht.

38 Paul D. McLean, The Art of the Network. Strategic Interaction and Patronage in Renaissance Florence, Durham 2007.

39 Vgl. Jean-Baptiste Colbert, Lettres, instructions et mémoires de Colbert, éditées par Pierre Clément, 7 Bde., Paris 1861–1873, passim; Jules Mazarin, Lettres du cardinal Mazarin pendant son ministère, recueillies et publiées par Adolphe Chéruel, Paris 18721906, passim.

40 Siehe auch Herman, The Language of Fidelity (wie Anm. 15), S. 1–24, hier S. 6.

41 Ibid., S. 11. Vgl. auch Asch, Freundschaft und Patronage (wie Anm. 11), S. 275f.

42 Siehe auch Herman, The Language of Fidelity (wie Anm. 15), S. 9f.

43 Vgl. ibid., S. 3, 22–24.

44 Siehe dazu Jean-Marie Constant, Amitié, système de relation et politique dans la noblesse française aux XVIe et XVIIe siècles, in: Françoise Thelamon (Hg.), Aux sources de la Puissance: sociabilité et parenté, Rouen 1989, S. 145–153.

45 Vgl. auch Caroline zum Kolk, Catherine de Médicis et sa maison. La fonction politique de l'hôtel de la reine au XVIe siècle, Diss. université Paris 8-Vincennes-Saint-Denis 2006.

46 Daran hat sich ganz offensichtlich seit dem Mittelalter nicht viel geändert. Siehe die noch in Arbeit befindliche Dissertation von Micòl Long, Autografia e epistolografia tra XI e XIII secolo. Alle origini di un mutamento nella concezione della scrittura, delle sue cause e delle sue conseguenze, Scuola Normale Superiore di Pisa.

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Zitation
 
: Freundin oder Gönnerin? . Anna von Österreich im Spiegel ihrer Korrespondenz
In: Freundschaft. Eine politisch-soziale Beziehung in Deutschland und Frankreich, 12.–19. Jahrhundert (8. Sommerkurs des Deutschen Historischen Instituts Paris in Zusammenarbeit mit der Universität Paris-Sorbonne, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und der École des hautes études en sciences sociales, 3.–6. Juli 2011) / Amitié. Un lien politique et social en Allemagne et en France, XIIe–XIXe siècle (8e université d’été de l’Institut historique allemand en coopération avec l’université Paris-Sorbonne, l'université Albert-Ludwig, Fribourg-en-Brisgau, et l'École des hautes études en sciences sociales, 3–6 juillet 2011), hg. von / éd. par Bertrand Haan, Christian Kühner (discussions, 8)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/discussions/8-2013/mallick_freundin
Veröffentlicht am: Jun 12, 2013
Zugriff vom: Nov 23, 2014
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