V. Türck: Herrschaftsraum und Raumdurchdringung
Herrschaftsraum und Raumdurchdringung
Die visuelle
Präsenz Friedrichs I. Barbarossa im Königreich Burgund1
Zusammenfassung:
Das Königreich Burgund wurde vom kinderlosen letzten Rudolfinger Rudolf III. bei seinem Tod 1032 an den römisch-deutschen Kaiser Konrad II. vererbt. Auf diese Weise wurde Burgund ein Teil des Reiches und bildete mit dem regnum teutonicum und Reichsitalien die mittelalterliche Trias. Die salischen Könige beschränkten ihre Herrschaft über Burgund jedoch auf den nördlichen Teil des Königreiches, der auch schon Kernraum der Königsherrschaft unter den Rudolfingern gewesen war. Erst Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) bemühte sich um eine engere Anbindung Burgunds an das Reich. Die staufische Herrschaft über Burgund wie auch die Beziehungen zwischen dem mittelalterlichen Reich und dem Königreich Burgund im Allgemeinen wurden bis jetzt nur peripher behandelt. Ziel des Dissertationsprojektes ist es daher, die Bedeutung, Umsetzung, Durchdringung und Wahrnehmung der Königsherrschaft unter Friedrich Barbarossa in Burgund grundlegend zu untersuchen. Hierbei sollen vor allem Fragen nach den Instrumenten und dem Erfolg der Politik Friedrich Barbarossas gegenüber Burgund im Zentrum der Untersuchung stehen. Herrschaft soll hierbei anhand der Königsurkunden für burgundische Empfänger, der burgundischen Kanzlei, der Heiratspolitik Barbarossas, der realen Präsenz Friedrich Barbarossas in Burgund, der in Burgund abgehaltenen Hoftage, der lehensrechtlichen Bindungen des burgundischen Adels an das Königtum und der personellen Beziehungen zwischen dem Königshof und Burgund greifbar gemacht werden. Hinter diesen konkreten Aspekten steckt die grundsätzliche Frage: Wie kann man einen herrschafts- und königsfernen Raum für das Königtum (zurück)gewinnen?
Résumé:
En
1032, à la mort du dernier représentant de la famille des Welf,
Rodolphe III, resté sans postérité, le royaume de Bourgogne fut
laissé en héritage à l 'empereur
romain germanique Conrad II. Ainsi, la Bourgogne devint territoire de
l 'Empire
pour constituer, avec les parties allemandes et italiennes, les trois
parties de l 'empire
médiéval.
La domination des rois saliques sur la Bourgogne se
limitait cependant à la partie nord du royaume qui était déjà le
noyau du pouvoir royal sous les Rodolphiens. Frédéric Ier
Barberousse (1152-1190) fut le premier à intensifier le lien entre
la Bourgogne et le reste du royaume. Jusqu 'à
présent, le pouvoir des Hohenstaufen en Bourgogne tout comme les
liens entre l 'Empire
médiéval et le royaume de Bourgogne en général n 'ont
été traités que de manière indirecte. Ainsi, ce projet de thèse
vise à analyser la signification, la transformation, la présence et
la perception du pouvoir royal en Bourgogne sous Frédéric
Barberousse. Pour ce faire, il s 'agit
de poser la question centrale des moyens mis en œuvre par Frédéric
Barberousse pour tenter de lier la Bourgogne à l 'Empire
et de s 'interroger
sur la réussite de ceux-ci. On examinera donc ce pouvoir à travers
les écrits du roi adressés aux burgondes, en s 'intéressant
à la chancellerie burgonde, à la politique matrimoniale de
Barberousse, à sa présence réelle en Bourgogne, aux événements
donnés à la cour de Bourgogne, aux liens féodaux des nobles
burgondes avec le royaume et aux relations personnelles à la cour du
roi. Derrière ces aspects concrets se trouve la question
fondamentale de la (ré)appropriation d 'un
territoire loin du roi et du pouvoir royal.
Einleitung
Das Königreich Burgund2 wurde 1032 Teil des mittelalterlichen Reichs und bildete zusammen mit Deutschland und Italien die imperiale Trias. Der neue Herrschaftsraum Burgund war im Selbstverständnis der salischen und staufischen Könige und Kaiser ein wichtiger Bestandteil des hochmittelalterlichen Reichs, vor allem als strategisch bedeutsamer Zugang nach Italien und als zusätzliches Reich zur Stärkung des Anspruchs auf das Kaisertum. Abseits dieser nominellen Herrschaft ist jedoch nach der realen Raumdurchdringung zu fragen. Denn herrschaftsferne und dezentrale Räume stellten für das hochmittelalterliche Königtum immer eine besondere Herausforderung dar. Im Folgenden soll die Durchdringung des Herrschaftsraums Burgund am Beispiel Friedrich Barbarossas, der wohl als der aktivste römisch-deutsche König in Burgund anzusehen ist, näher beleuchtet werden.

Karte 1: Burgund im 12. und 13. Jahrhundert
Marco
Zanoli, 2009 www.wikipedia.de
cc-by-sa/3.0
Raum und Herrschaft
Räume werden in der
neueren Forschung als eine konstruierte Kategorie gesehen, die vor
allem durch Personen und deren soziale Praktiken entstehen3.
Räume sind also keine natürlichen Räume, sondern werden durch die
Einflussnahme von Personen zu Räumen und sind dementsprechend auch
über die Zeit wandelbar. Diese Vorstellung von Räumen ist gerade
für das Mittelalter besonders ertragreich, geht man hier doch schon
einige Zeit nicht mehr von Territorien als politischer Größe,
sondern von dem so genannten Personenverband als Grundlage von
mittelalterlichen Herrschaftsordnungen aus. So hat beispielsweise
Hanna Vollrath nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Raum im
Mittelalter immer vor dem Hintergrund von Personenverbänden gesehen
werden muss und die Kategorie Raum daher keine politische Größe für
das Mittelalter bildet. Vielmehr sind die Personen im Raum für
Herrschaft von zentraler Bedeutung4.
Die Bedeutung eines mittelalterlichen Herrschers misst sich daher
nicht an der Größe seines Territoriums, sondern an der Anzahl
seiner Gefolgsleute.
Für die Stärkung des personalen Elements
bei der Definition mittelalterlicher Herrschaftsräume hat auch Franz
Irsigler plädiert, indem er auf die Herrschaftspraxis des
Reisekönigtums hinwies, die sich genau auf Personen in einem Raum
bezieht: »Vielleicht kann man als Sondertyp für die
mittelalterlichen Jahrhunderte im Reichsgebiet einen vornehmlich nach
personalen Kriterien definierten Raumtyp einführen, der den
Bedingungen des Reisekönigtums und der ebenfalls im Umherziehen
Herrschaft ausübenden geistlichen und weltlichen Reichsaristokratie
Rechnung trägt. Trotz der Anbindung an Versorgungs- und
Besitzschwerpunkte verändert sich die Zentralitätsstruktur des
Raumes ständig mit der Mobilität des Herrschaftsträgers und seine
Hofes5.«
Der Herrschaftsbegriff wird in der neueren Forschung verwendet, um die verschiedenartigen politischen Gewaltverhältnisse und Abhängigkeiten zu charakterisieren. Zu beachten ist freilich, dass es die Herrschaft als abstrakte Vorstellung im Mittelalter nicht gab, sondern Herrschaft immer an die jeweiligen konkreten Befugnisse gebunden blieb. Mittelalterliche Herrschaft war zunächst auf Personen und Institutionen bezogen, die erst durch ihre personalen Netzwerke in den zweidimensionalen Raum wirkten. Herrschaft konnte daher im Hochmittelalter nicht flächendeckend in einen Raum wirken. Vielmehr kann die reale Handlungstiefe und Handlungsdichte von Herrschaft innerhalb eines Raumes nach Peter Moraw nur anhand der jeweiligen Bezugsgrößen untersucht werden6. Des Weiteren ist Herrschaft immer mit bestimmten Herrschaftsrechten verknüpft. Auf das Königtum bezogen sind vor allem die Vergabe von Regalien, die oberste Gerichtsbarkeit, die Münzhoheit, die Investitur und speziell für das 12. Jahrhundert das Lehnswesen als in die regionalen Gegebenheiten eingreifende Rechte von zentraler Bedeutung.
Herrschaft kann durch diese personelle und strukturelle Vielfalt in diplomatischen und historiographischen Quellen erfasst werden. Neben der Feststellung von herrschaftlichem Handeln ist vor allem die Visualisierung von Herrschaft in den Aufenthalten des Herrschers in seinem Gebiet von zentraler Bedeutung. Erst durch den Aufenthalt in einem Raum konnte der Kontakt zu den dortigen Großen hergestellt werden, Recht gesprochen werden und die Zugehörigkeit eines Raums über die Zugehörigkeit von Personen zu einem Herrschaftsgebiet oder Reich sinnbildlich erneuert werden. Im fränkisch-deutschen Reich war vor allem durch den starken Adel die Notwendigkeit gegeben, mit diesem regelmäßig in Kontakt zu treten. Peter Moraw urteilte über die hochmittelalterliche Königsherrschaft im Reich: »Den Kern des politischen Lebens machten die persönliche Verbundenheit unter den Machtträgern ersten Ranges und der persönliche Umgang dieser Leute miteinander aus7.« Von diesen Aufenthalten haben sich teilweise schriftliche Zeugnisse, vor allem Urkunden, erhalten. Durch das Fehlen einer Art zentralen Archivs im Reich und durch die permanente Reisetätigkeit des Hofes wurden ausgehende Urkunden aber nicht in einem Register eingetragen, wie das etwa am Hof des Papstes geschah. Schriftliche Dokumente haben sich von den Rechtsgeschäften bei Hof daher nur dann erhalten, wenn die Urkundenempfänger diese verwahrten und sie durch sonstige äußere Einflüsse wie Kriege und Naturkatastrophen nicht zerstört wurden. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass viele Rechtsgeschäfte und politische Belange nur mündlich verhandelt und geregelt wurden und daher nur schwer zu rekonstruieren sind.
Trotz der Problematik der schriftlichen Überlieferung des politischen Geschehens am Hof des Königs lassen sich schon alleine durch seinen Reiseweg wichtige Erkenntnisse gewinnen. Denn wollte er direkten und persönlichen Kontakt zu seinen Großen, war der König im hochmittelalterlichen Reich gezwungen, stetig umherzureisen. Unterkunft (servitium regis) boten vor allem die Königspfalzen, die Teil des Königsguts waren, aber auch Reichsklöster, Bischofs- und Adelssitze8. Der zurückgelegte Weg und die Dauer der einzelnen Aufenthalte geben Auskunft über Herrschaftsschwerpunkte und Zentren, aber auch über Konfliktherde und häufig besuchte Regionen. Bei Friedrich Barbarossa lässt sich so beispielsweise anhand des Itinerars ein Schwerpunkt seiner Aktivität im südwestdeutschen Raum erkennen. Grund hierfür ist unter anderem, dass hier staufisches Hausgut und ehemalige salische Herrschaftsschwerpunkte lagen, die die Grundlage für die politischen Ambitionen der staufischen Könige darstellten. Auch die Nähe zu Italien war ein Vorteil. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen zur Bedeutung des Itinerars sowohl in politischer als auch ritueller und symbolischer Dimension soll der Schwerpunkt der weiteren Überlegungen auf den Aufenthalten Friedrichs I. Barbarossa in Burgund liegen, um so die Politik Friedrichs in Burgund und die Bedeutung Burgunds im Selbstverständnis Friedrichs zu untersuchen.
Historische Entwicklung des Königreichs Burgund
Zur besseren Einordnung der folgenden Untersuchung des Itinerars Friedrich Barbarossas muss jedoch zunächst auf die historische Entwicklung des Raums Burgund eingegangen werden9. Der Begriff Burgund geht auf das Reich der Burgunder zurück, das sich im 5. und 6. Jahrhundert um den Genfer See und das Rhônebecken erstreckte10. 534 wurde das Burgunderreich an der Rhône von den Söhnen Chlodwigs erobert und damit Teil des fränkischen Reichs. Im Zuge der fränkischen Reichsteilungen von 843, 870 und 880 wurde das alte Gebiet der Burgunder geteilt in einen westlichen Teil um Autun, Chalon und Dijon, der an das Westfränkische Reich fiel, und einen östlichen Teil um Besançon, Genf und Grenoble, der dem Mittelreich zugeschlagen wurde. Die Grenzlinie entlang der Sâone und der Rhône sollte das ganze Mittelalter hindurch Bestand haben; sie markierte die Grenze zwischen dem Herzogtum Burgund und dem Königreich Burgund. Im Jahr 879 ließ sich Boso von der Provence zum König von Niederburgund, also dem Gebiet entlang des Rhônetals von Lyon bis zum Mittelmeer, krönen. Kurz darauf – im Jahr 888 – begründete der Welfe Rudolf I. das Königreich Hochburgund, das die Gebiete östlich der Saône sowie Teile der Schweiz und Savoyens umschloss. Innerhalb kurzer Zeit entstanden also zwei Königreiche auf dem Gebiet des karolingischen Mittelreichs. Niederburgund fiel dann 931 in einem Tausch territorialer Ansprüche an den König von Hochburgund. Diese Vereinigung der beiden Königreiche hatte zwar Bestand, jedoch gelang es den Königen von Hochburgund aus dem Geschlecht der Rudolfinger nie wirklich, Niederburgund herrschaftlich zu durchdringen; ihr Hausgut und ihre Einflussmöglichkeiten blieben auf Hochburgund beschränkt. Die Linie der Rudolfinger starb 1032 mit Rudolf III. im Mannesstamm aus. Schon zuvor verhandelte Heinrich II. mit Rudolf III. über eine mögliche Angliederung Burgunds an das ostfränkische Reich, die dann unter Konrad II. 1032, symbolisiert in der Übersendung der Herrschaftsinsignien, tatsächlich stattfand. Dadurch war der ostfränkische bzw. später deutsche König ab diesem Zeitpunkt auch zugleich König von Burgund. Das Königreich Burgund blieb Bestandteil des Reichs bis in die Zeit Karls IV., löste sich jedoch ab etwa 1250 zunehmend vom Reichsverband und ging schrittweise an Frankreich verloren.

Karte 2: Burgund im 9. und 10. Jahrhundert
Marco
Zanoli, 2009 www.wikipedia.de
cc-by-sa/3.0
Die aufgezeigte unterschiedliche Entwicklung Hoch- und Niederburgunds hat nicht erst in den territorialen Verschiebungen des Früh- und Hochmittelalters ihren Ursprung, sondern reicht bis in die Antike zurück. Die Provence war schon von den Griechen besiedelt worden und wurde bald eine wichtige Region für das römische Imperium, viele römische Bauten zeugen noch heute von dieser Zeit. In der Spätantike erlebte die Provence eine kurze Blütezeit, als Konstantin der Große Arles zu seiner Residenz machte. Die frühe Christianisierung spiegelt sich in den überdurchschnittlich vielen Bistümern der Provence wider, welche die Organisation der spätantiken Stadtbistümer abbilden. Eine zweite Blütezeit erlebte die Provence im 12. Jahrhundert durch den aufkommenden Mittelmeerhandel. Durch den Handel standen die Städte der Provence in engem Kontakt mit oberitalienischen Städten und wie in Oberitalien entwickelte sich hier ebenfalls ein kommunales Selbstbewusstsein, losgelöst von den feudalen Strukturen, das beispielsweise in den Stadtkonsulaten in Marseille, Aix und Arles seinen Ausdruck fand.
Hochburgund hingegen hat nicht die gleiche intensive kulturelle Prägung durch die Griechen und Römer erfahren, und war durch die fehlende Anbindung an das Mittelmeer auch in Bezug auf Handel und Wirtschaft nicht begünstigt. Im Hochmittelalter ist Besançon als die einzig nennenswerte Stadt Hochburgunds anzusehen. Besançon war als Stadt des Erzbischofs in die feudalen Strukturen verankert, hier kam es daher zu keiner ausgeprägten kommunalen Entwicklung wie in den provencalischen Zentren. Festhalten lässt sich also, dass Nieder- und Hochburgund keine gemeinsame Identität entwickelten, sondern zwei Räume blieben, die zwar nominell im Königreich Burgund vereinigt waren, aber mit unterschiedlicher kultureller Prägung. Diese kulturelle und historisch bedingte Verschiedenheit Hochburgunds und Niederburgunds findet in dem häufig auftauchenden zeitgenössischen Quellenausdruck regnum Burgundie et Provincie11 ihren Niederschlag. Bei der Betrachtung der Kontakte Friedrichs I. mit Burgund sind im Folgenden die aufgezeigten zwei Räume innerhalb des Königreichs Burgund immer mitzudenken.
Friedrich Barbarossa in Burgund
Das Itinerar Friedrich Barbarossas ist durch die jahrzehntelangen Arbeiten von Ferdinand Opll gut erschlossen12. Hieraus lassen sich zehn Aufenthalte Friedrich Barbarossas in Burgund erschließen, in den Jahren 1153, 1156, 1157, 1162, 1166, 1168, 1170, 1173, 1174 und 1178 bereiste Friedrich I. Burgund. Diese Aufenthalte galten sehr oft dem Norden des Königreichs, so besuchte Friedrich beispielsweise Besançon insgesamt sieben Mal, Lyon in der Mitte Burgunds zweimal und Arles im Süden nur einmal auf seinem großen Zug durch Burgund 1178. Es ist also ein deutlicher Schwerpunkt in Hochburgund festzuhalten.
Betrachtet man die Aufenthalte genauer, lassen sich schnell unterschiedliche Intentionen erkennen. Der erste Burgundzug Friedrichs im Februar 1153 führte diesen lediglich für wenige Tage nach Besançon und Baume-les-Dames, diese nutzte er, um für burgundische Empfänger zu urkunden. Ein größerer Burgundzug war zwar bereits bei diesem Aufenthalt angedacht, wurde jedoch nicht durchgeführt. Zunächst schien Friedrich kein tieferes Interesse an Burgund zu entwickeln, so erneuerte er das Rektorat Burgund der Zähringer13. Im Jahr 1156 heiratet Friedrich Beatrix, die Erbtochter der Grafschaft Burgund. Durch diese dynastische Verbindung erlangte Friedrich Barbarossa einen direkten Zugriff auf große Gebiete in Hochburgund, zeitgleich beendete er das Rektorat der Zähringer. Die Eheverbindung mit Beatrix von Burgund kann daher gewissermaßen als Beginn der eigenständigen Burgundpolitik Friedrichs gewertet werden. Im Spätherbst 1156 hielt sich Friedrich Barbarossa ebenfalls in Burgund auf, dieser Aufenthalt diente wohl noch der Entschädigung der Zähringer. Gleich im Jahr darauf zog er wieder nach Burgund, diesmal um eine großen Hoftag in Besançon abzuhalten. Anwesend waren hier Gesandte aus ganz Europa. Bekannt geworden ist der Hoftag von Besançon 1157 vor allem durch den beneficium-Streit, der hier seinen Anfang hatte14, die programmatische Aussage, in Burgund einen »internationalen« Hoftag abzuhalten, gerät hierüber in der Forschung meist aus den Augen. Denn mit dem Hoftag in Besançon rückte Friedrich I. Burgund visuell ins Blickfeld des Reichs, denn alle Geladenen mussten nach Burgund kommen, um am Hoftag teilzunehmen. Diese Tatsache ist in ihrer Bedeutung sowohl für die Wahrnehmung des Reichs in Burgund als auch für die Sicht der Großen des Reichs auf Burgund nicht zu unterschätzen. Ein Raum und vor allem die Zugehörigkeit eines politischen Raumes werden hier erst durch die gegenseitige Visualisierung von Raum und den mit diesem verbundenen Personen verdeutlicht und erfahrbar gemacht.
Von Italien kommend zog Friedrich I. 1162 wieder nach Burgund. Vermutlich machte er bei diesem Aufenthalt in Lyon Station. Gesichert ist ein Aufenthalt in Saint-Jean-de-Losne, wo er zunächst Hof hielt, urkundete und dann zusammen mit vielen Vertretern aus allen Teilen des Reichs einen Hoftag und zugleich mit Papst Viktor IV. eine Synode abhielt, um ihm als rechtmäßigem Papst anzuerkennen. Auch bei diesem Hoftag ist wie in Besançon 1157 von der Anwesenheit vieler wichtiger Großer auszugehen. In den folgenden Jahren kam Friedrich Barbarossa regelmäßig, wenn auch meist nur kurz, nach Burgund, so im Juli 1166, wo er in Besançon und Dôle anhand von Urkunden fassbar ist, ebenso hielt er sich im Jahr 1168 kurz in Besançon auf sowie im März 1173 in Baume-les-Dames. Im März 1168 zog er auf dem Weg von Italien zurück ins Reich durch das Tal von Maurienne und machte in Genf halt. 1174 nutzte er ebenfalls den burgundischen Alpenübergang durch das Tal von Maurienne und den Mont Cenis, diesmal um vom Reich nach Italien zu gelangen. Im Herbst 1170 schließlich hielt er vermutlich einen regionalen Hoftag in Besançon ab, zumindest sind viele Urkunden für burgundische Große aus dem Gebiet der Grafschaft belegt. Offenbar dienten die Aufenthalte in den Jahren 1166, 1168, 1170 und 1173 immer dazu, regionale Belange in Hochburgund und in der darin liegenden Grafschaft Burgund zu regeln und den Kontakt zu den dortigen Großen zu pflegen. Die beiden Züge durch das Tal von Maurienne 1168 und 1174 dienten ausschließlich militärischen Zwecken und unterstreichen die Bedeutung Burgunds als strategisch wichtige Verkehrsverbindung über die Alpen nach Italien.
Der letzte – aber mit Sicherheit wichtigste – Aufenthalt Friedrich Barbarossas in Burgund ereignete sich im Jahr 1178: Von Italien kommend zog der Kaiser mit seiner Gemahlin Beatrix und seinem Sohn Heinrich durch das ganze Rhônetal über Arles, Vienne, Lyon bis nach Besançon. Bei dieser Gelegenheit wurde Friedrich in Arles empfangen und von Erzbischof Raimund feierlich gekrönt. Diese Krönung ist nach Johannes Fried nicht als Festkrönung sondern als die Krönung Friedrichs zum burgundischen König zu werten15. Friedrich I. konnte in Arles die Huldigung aller wichtigen geistlichen und einiger weltlichen Großen entgegennehmen. Der Kontakt zum Süden, der schon vorher durch Boten und Privilegien, aber nur teilweise durch persönliche Treffen bestanden hatte, wurde so auf eine ganz neue Ebene gestellt. Die Krönung in Arles ist deshalb auch exzeptionell, da alle römisch-deutschen Könige ab Konrad II. und selbst die letzten Rudolfinger nicht mehr den Süden des Königreichs aufsuchten. Friedrich Barbarossa war also der erste burgundische König nach über 150 Jahren, der wieder den Süden des Königreichs betrat. Die Krönung in Arles ist somit programmatischer Ausdruck des Willens Friedrichs, auch den Süden des Königreichs an sich zu binden und dort durch seine Präsenz die Zugehörigkeit des Südens zum Reich zu verdeutlichen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Friedrich Barbarossa bei seinen zehn Aufenthalten im Königreich Burgund hauptsächlich im Norden aufhielt; die Aufenthalte in den Jahren 1153, 1156, 1166, 1168, 1170 und 1173 dienten wohl ausschließlich der Kontaktpflege, Rechtsprechung und Sicherung der Anerkennung seines Königtums in Hochburgund sowie der Herrschaftssicherung in der durch seine Ehefrau Beatrix erworbenen Grafschaft Burgund. Mit den großen überregionalen Hoftagen 1157 und 1162 verfolgte Friedrich Barbarossa, obwohl sie auch im Norden Burgunds stattfanden, wohl einen anderen Zweck. Burgund und seine Bedeutung für das Reich sollten in den Mittelpunkt des Interesses gerückt werden. Dies geschah in zweierlei Hinsicht, zum einen wurde die Bedeutung Burgunds den Großen des Reichs und den Gesandten aus ganz Europa verdeutlicht, indem diese in diesen Raum reisen und ihn so erfahren und wahrnehmen mussten. Zum anderen wurden den anwesenden burgundischen Großen durch die Bedeutung und Tragweite der Versammlung der Stellenwert und die Einbindung Burgunds ins Reich symbolisch vor Augen geführt.
Die räumliche Präsenz der salischen und staufischen Kaiser in Burgund
Um die gezeigte räumliche Präsenz Friedrichs I. in Burgund einordnen zu können, lohnt ein Blick auf seine Vorgänger und Nachfolger im burgundischen Königtum. So soll im Folgenden ein vergleichender Blick auf die salische und staufische Königsherrschaft in Burgund geworfen werden. Wie oben erwähnt hatten die Rudolfinger ihren Herrschaftsschwerpunkt in Hochburgund. Der Herrschaftsübergang an Konrad II. (1024–1039) stellte diesen zunächst vor die Herausforderung, seinen Anspruch tatsächlich durchzusetzen, was ihm durch einen Heereszug 1032/33 auch gelang16. Hierdurch forcierte er die Königswahl durch die burgundischen Großen 1033 in Payerne (Peterlingen) und wurde 1034 in Genf schließlich von zahlreichen burgundischen Adligen durch Huldigung anerkannt. Ein weiteres Mal hielt sich Konrad II. 1038 in Burgund auf, um auf einem Hoftag in Solothurn die Erhebung seines Sohnes Heinrichs zum rex Burgundionum zu sichern. Sein Sohn Heinrich III. (1039–1056) war bei allen diesen Aufenthalten Konrads II. mit in Burgund, in seiner eigenen Regierungszeit hielt er sich mehrmals in Burgund auf, so 1042 während eines Heereszuges zur Sicherung seiner Herrschaft und nochmals 1045 zur Niederschlagung eines Adelsaufstandes in Hochburgund17. 1043 kam er nach Burgund, um seine Braut Agnes von Poitou in Empfang zu nehmen und in Besançon in Gegenwart burgundischer Großer die Verlobung zu feiern. Auf Hoftagen in Solothurn in den Jahren 1048 und 1052 versicherte er sich seiner Kontakte und seiner Herrschaft in Hochburgund. Neben seiner eigenen Eheverbindung zum aquitanischen und burgundischen Hochadel bereitete Heinrich III. auch die Eheverbindung seines Sohnes mit Bertha von Savoyen-Turin vor, welche ebenfalls der besseren Anbindung der Reiche Burgund und Italien an das regnum teutonicum dienen sollte. Heinrich IV. (1056–1106) hielt die verhältnismäßig engen Kontakte zum Königreich Burgund jedoch nicht aufrecht, nur einmal nutzte er die durch seine Gemahlin erworbenen geographisch strategischen Möglichkeiten auf seinem Zug über den Mont Cenis nach Canossa 107718. Ansonsten hielt er sich kaum in Burgund auf, was vermutlich auch in der in Burgund stark verwurzelten Kirchenreformbewegung begründet liegen mag, die Heinrich IV. bekanntermaßen im Investiturstreit gegenüberstand. Sein Sohn Heinrich V. (1106–1125) schließlich hielt sich nie in Burgund auf, auch hier sind wohl die Gründe unter anderem in der Papsttreue und dem Reformbestreben Burgunds zu sehen19.
Es zeigt sich, dass einzig Heinrich III. eine engere Bindung des Königreichs Burgund an das Reich anstrebte, die Abhaltung von Hoftagen und seine dynastischen Eheprojekte für ihn selber und seinen Sohn belegen dies eindrücklich. Konrad II. war immerhin an der Anerkennung seines Herrschaftsanspruchs in Burgund interessiert, so galten seine drei Burgundzüge alle der Sicherung des Erbes der Rudolfinger für das Reich. Heinrich IV. und Heinrich V. schließlich hatten offenbar das Interesse verloren. Als ein Grund hierfür ist die Prägung des Rhônetals durch die gregorianische Reformbewegung anzuführen, vor allem die Erzbistümer Lyon, Vienne und Arles standen im Investiturstreit auf päpstlicher Seite. Daneben lässt sich feststellen, dass sich die räumliche Präsenz der salischen Könige und Kaiser immer auf Hochburgund beschränkte.
Unter Lothar von Supplinburg (1125–1137) spielte das Königreich Burgund nur eine untergeordnete Rolle, so hielt sich Lothar selbst nie in Burgund auf, erneuerte aber immerhin das von Agnes eingeführte Rektorat Burgund20. Gleiches gilt für den ersten deutschen König aus der Familie der Staufer, Konrad III. (1138–1152), auch er hielt sich nie in Burgund auf21. Erst Friedrich Barbarossa strebte dann wie oben ausgeführt eine stärkere personelle Präsenz und Raumdurchdringung in Burgund an. Sein Sohn Heinrich VI. (1190–1197)22 nahm noch unter Friedrich I. 1178 an dem großen Zug durch Burgund teil und war 1188 im Auftrag des Vaters in der Provence aktiv, in seiner eigenen relativ kurzen Regierungszeit machte er jedoch nur noch einmal 1196 auf einem Zug nach Italien in Besançon halt. In der sogenannten Zeit des deutschen Thronstreits nach dem Tod Heinrichs VI. stand Burgund nicht im Zentrum des Interesses. Philipp von Schwaben (1198–1208) wohnte zwar 1202 der Belehnung seiner Nichte Beatrix mit der Pfalzgrafschaft Burgund bei, die als staufischer Familienbesitz weitervererbt wurde, agierte jedoch ansonsten nicht politisch in Burgund und sein Gegenspieler Otto IV. (1198–1212) hielt sich nie in Burgund auf.
Friedrich II. (1212–1250) schließlich, der Enkel Barbarossas, versuchte noch einmal die Königsherrschaft in Burgund und vor allem im für ihn strategisch wichtigen Arelat (Niederburgund) wieder herzustellen23. Auf einem Hoftag 1214 in Basel trat er in anhaltenden Kontakt mit dem burgundischen Episkopat und Adel, die er über seine Herrschaftszeit hinweg dadurch beispielsweise für Heereszüge nach Oberitalien gewinnen konnte; den direkten Kontakt zum Königreich Burgund durch räumliche Präsenz suchte er jedoch weniger. Vor allem durch den Konflikt Friedrichs II. mit dem Papsttum wurden die geknüpften Beziehungen zu Burgund empfindlich getroffen, so setzte 1245 Papst Innozenz IV. auf einem Konzil in Lyon Friedrich II. ab. Für Konrad IV. (1250–1254), den Sohn Friedrichs II., hatte Burgund wieder deutlich an Bedeutung verloren, zumal Konrad in seiner kurzen Regierungszeit mit Problemen in Deutschland und Italien befasst war. Nach den Staufern geriet Burgund zunehmend weiter in eine Randlage und Teile gingen an Frankreich über. Karl IV. (1346–1378) ließ sich zwar nochmals in Arles krönen, verhinderte aber den Übergang Burgunds an Frankreich nicht.
Es zeigt sich bei der Durchsicht der Vorgänger- und Nachfolger Friedrich Barbarossas, dass diese teilweise – wie Konrad II., Heinrich III. und Friedrich II. – um eine aktive Burgundpolitik bemüht waren, ihr räumlicher Radius in Burgund unterschied sich jedoch erheblich von demjenigen Friedrichs I. Denn während sich die salischen Könige auf den Norden Burgunds beschränkten und Friedrich II. zwar den Kontakt zum Süden erneuerte, erreichte letztlich nur Friedrich Barbarossa eine fast das ganze Königreich umfassende räumliche Präsenz. Bemerkenswert ist, dass sich bei allen salischen und staufischen Herrschern die oben erwähnte kulturelle und historisch bedingte Verschiedenheit Hochburgunds und Niederburgunds widerspiegelt. Es scheint, dass der Norden Burgunds für die meisten deutschen Könige bedeutender war, vermutlich da er näher an den eigenen Machtzentren lag. Friedrich II. hingegen mit seinem auf Italien zentrierten Interesse stützte sich auf den von ihm aus näheren Süden Burgunds. Burgund als Ganzes räumlich zu begreifen und zu erfassen, gelang keinem der genannten Herrscher, hierzu war Burgund wohl in sich zu uneinheitlich und zu großräumig.
Neben der räumlichen Ausdehnung der herrschaftlichen Präsenz müssen die damit verbundenen Aktionen bewertet werden. Hierbei scheint vor allem der Unterschied zwischen regionalen und überregionalen Hoftagen ein entscheidender, wenn auch bis jetzt wenig beachteter Aspekt zu sein. So sind beispielsweise für Heinrich III. mehrere Hoftage in Hochburgund belegt, doch wurden auf diesen – so weit aus den historiographischen Quellen hervorgeht – nur burgundische Angelegenheiten besprochen, sie dienten also lediglich zur Kontaktpflege mit den burgundischen Großen. Überregionale politische Belange besprach einzig Friedrich I. in Burgund, nämlich auf den beiden Hoftagen 1157 und 1162. Hierdurch rückte Burgund – und damit verbunden die Herrschaft über Burgund und die Zugehörigkeit Burgunds zum Reich – in ein erweitertes, überregionales Blickfeld. Eine Visualisierung von Herrschaftsansprüchen in dieser Form konnten die regionalen Hoftage Heinrichs III. mit Sicherheit nicht leisten.
Resümee
Inwieweit dies mit einer realen Machtdurchdringung und dem Niederschlag von Herrschaft einher ging, ist natürlich bei allen genannten Herrschern mehr als fraglich und anhand weiterer Quellen zu erforschen. Doch gerade die reale Bedeutung von normativen Dokumenten ist oft nur sehr schwer und indirekt zu fassen, weshalb der räumlichen Präsenz und dem direkten, belegbaren Kontakt des Herrschers zu den Personen eines Raumes besondere Bedeutung zukommt. Denn durch die wichtigen Hoftage 1157 und 1162 in Burgund und den Zug 1178 durch ganz Burgund verdeutlichte einerseits Friedrich Barbarossa sich selbst und allen Anwesenden und Beteiligten die räumliche Dimension des Königreichs Burgund, andererseits machte er durch diese großen Ereignisse dem burgundischen Klerus und Adel die Zugehörigkeit zum Reich deutlich. Räumliche Durchdringung und Präsenz symbolisieren somit in Friedrichs Burgundpolitik die Zugehörigkeit Burgunds zum Reich sowie den allgemeinen Stellenwert Burgunds in Barbarossas politischer Konzeption.
Autorin:Verena
Türck
Ruprecht-Karls-Universität
Heidelberg
verena.tuerck@zegk.uni-heidelberg.de
1 Der vorliegende Beitrag beruht auf einem am 17. Juni 2009 am DHI Paris anlässlich des 6. Sommerkurses »Raumkonzepte – Raumwahrnehmungen – Raumnutzungen« gehaltenen Vortrag zu meinem Dissertationsprojekt »Friedrich I. Barbarossa und das Königreich Burgund« und greift einen Teilaspekt des Vortrags auf.
2 Das Königreich Burgund, das aus dem karolingischen Mittelreich hervorgegangen war, erstreckte sich von Besançon und Basel im Norden bis an die Mittelmeergrenze und umfasste die Grafschaft Burgund (später Freigrafschaft/Franche-Comté) sowie die ganze Provence (siehe Karte 1). Es ist grundsätzlich geographisch und politisch zu unterscheiden vom Herzogtum Burgund, das im 9. Jh. auf westfränkischem Gebiet entstand und sich nie in Abhängigkeit des Königreichs Burgund befand.
3 Siehe zum Beispiel den Sammelband von Guy P. Marchal (Hg.), Grenzen und Raumvorstellungen (11.–20. Jh.), Zürich 1996 (Clio Lucernensis, 3).
4 Hanna Vollrath, Geographischer Raum – Politischer Raum – Historischer Raum, in: Winfried Eberhard (Hg.), Westmitteleuropa Ostmitteleuropa. Vergleiche und Beziehungen. Festschrift für Ferdinand Seibt zum 65. Geburtstag, München 1992 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, 70), S. 71–78.
5 Franz Irsigler, Raumkonzepte in der historischen Forschung, in: Alfred Heit (Hg.), Zwischen Gallia und Germania. Frankreich und Deutschland. Konstanz und Wandel raumbestimmter Kräfte. Vorträge auf dem 36. Deutschen Historikertag, Trier 8.–12. Oktober 1986, Trier 1987 (Trierer historische Forschungen, 12), S. 11–27; hier S. 26.
6 Peter Moraw, Politische Landschaften im mittelalterlichen Reich – Probleme der Handlungsdichte, in: Karl-Heinz Spieß (Hg.), Landschaften im Mittelalter, Stuttgart 2006, S. 153–166.
7 Peter Moraw, Die Reichsregierung reist. Die deutschen Kaiser von den Ottonen bis zu den Staufern ohne festen Regierungssitz, in: Uwe Schultz (Hg.), Die Hauptstädte der Deutschen. Von der Kaiserpfalz in Aachen zum Regierungssitz Berlin, München 1993, S. 22–32.
8 Die dadurch entstehenden finanziellen und materiellen Belastungen für die Gastgeber sollen hier nicht näher betrachtet werden, zu den Pflichten und den Regeln der Königsgastung ausführlich: Carlrichard Brühl, Fodrum, gistum, servitium regis. Studien zu den wirtschaftlichen Grundlagen des Königtums im Frankenreich und in den fränkischen Nachfolgestaaten Deutschland, Frankreich, Italien vom 6. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, 2 Bde., Köln u.a. 1968 (Kölner historische Abhandlungen, 14).
9 Allgemein zur Entwicklung Burgunds: Laetitia Boehm, Geschichte Burgunds. Politik – Staatsbildung – Kultur, 2. ergänzte Auflage, Stuttgart u.a. 1979; Reinhold Kaiser, Die Burgunder, Stuttgart 2004 (Kohlhammer Urban-Taschenbücher, 586); Hermann Kamp, Burgund. Geschichte und Kultur, München 2007 (C.H. Beck Wissen in der Beck 'schen Reihe, 2414); René Poupardin, Le royaume de Bourgogne (888–1038). Étude sur les origines du royaume d 'Arles, Diss. Paris 1907.
10 Es handelt sich hierbei um das zweite Burgunderreich, das erste Reich der Burgunder lag am Rhein mit dem Zentrum in Worms, dessen Untergang bildete die historische Grundlage für die Nibelungensaga und deren Verschriftlichung um 1200 im Nibelungenlied.
11 Zum Beispiel bei Gottfried von Viterbo, Pantheon, in: Georg H. Pertz, MGH SS XXII, Hannover 1872, Neudruck Stuttgart 1976, S.107–307, hier S. 229.
12 Die Regesten des Kaiserreichs unter Friedrich I. 1152(1122)–1190, neubearbeitet von Ferdinand Opll, Wien u.a. 1980–2001 (J.F. Böhmer, Regesta Imperii, IV,2). Bisher sind die Bände 1 bis 3 erschienen, welche die Jahre 1152 bis 1180 umfassen, der 4. Band steht noch aus. Den gesamten Zeitraum behandelt Ferdinand Opll, Das Itinerar Kaiser Friedrich Barbarossas (1152–1190), Wien u.a. 1978 (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters, 1).
13 Die Zähringer hatten erstmals während der Minderjährigkeit Heinrichs IV. das Rektorat Burgund übertragen bekommen, da sich ihre Rechte und Besitztümer in der Alpenregion an Burgund angrenzten. Siehe hierzu Hartmut Heinemann, Die Zähringer und Burgund, in: Karl Schmid (Hg.), Die Zähringer, Bd. 1: Eine Tradition und ihre Erforschung, Sigmaringen 1986 (Veröffentlichungen zur Zähringer-Ausstellung, 1), S. 59–74; Hans Patze (Hg.), Schwaben und Schweiz im frühen und hohen Mittelalter. Gesammelte Aufsätze von Heinrich Büttner, Sigmaringen 1972 (Vorträge und Forschungen. Konstanzer Arbeitskreis für Mittelalterliche Geschichte, Bd. 15).
14 Auf dem Hoftag verlas Rainald von Dassel einen Brief des Papstes, hierbei übersetzte er das Wort beneficium mit Lehen, das Kaisertum sei somit laut dem Papst nur ein Lehen an den römisch-deutschen König. Dies löste einen Streit um die Herleitung und Stellung des Kaisertums gegenüber dem Papst zwischen kaiserlichem Hof und Kurie aus, bis der Papst einlenkte, indem beneficium als Wohltat und nicht als Lehen gedeutet wurde. In der Forschung ist umstritten, ob der Streit vom Papst oder von Rainald von Dassel oder von beiden bewusst durch die Uneindeutigkeit des Wortes beneficium provoziert wurde. Siehe hierzu z.B. Walter Heinemeyer, »beneficium – non feudum sed bonum factum.« Der Streit auf dem Reichstag zu Besançon 1157, in: Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 15 (1969), S. 155–236.
15 In der Forschung ist bis heute nicht endgültig geklärt, ob es sich bei dieser Krönung um eine Festkrönung oder die burgundische Krönung handelt. Zuletzt hat Johannes Fried die These der burgundischen Krönung weiter untermauert, er argumentiert vor allem mit der Ausführlichkeit der Quellenberichte, die sonst bei Festkrönungen nicht üblich war. Siehe hierzu vor allem Ferdinand Güterbock, Zur Geschichte Burgunds im Zeitalter Barbarossas, in: Zeitschrift für Schweizerische Geschichte 17 (1937), S. 145–229; Hans-Walter Klewitz, Die Festkrönungen der deutschen Könige, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abteilung 28 (1939), S. 48–96; Johannes Fried, Friedrich Barbarossas Krönung in Arles (1178), in: Historisches Jahrbuch 103 (1982), S. 347–371.
16 Siehe zum Itinerar Konrads II.: Die Regesten des Kaiserreiches unter Konrad II. 1024–1039, nach Johann F. Böhmer neubearbeitet unter Mitwirkung von Norbert von Bischoff und Heinrich Appelt, Graz 1951 (J. F. Böhmer, Regesta Imperii, III,1,1).
17 Rekonstruktion des Itinerars Heinrichs III. mithilfe von Ernst Steindorf, Jahrbücher des deutschen Reichs unter Heinrich III., 2. Bde., Leipzig 1874, Neudruck Darmstadt 1969 (Jahrbücher der deutschen Geschichte); Harry Bresslau, Paul Kehr (Hg.), Die Urkunden Heinrichs III., 2. Aufl., Berlin 1957 (MGH Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, 5).
18 Zum Itinerar Heinrichs IV. siehe: Die Regesten des Kaiserreiches unter Heinrich IV. 1056(1050)–1106, neubearbeitet von Tilman Struve, Köln u.a. 1984 (J. F. Böhmer, Regesta Imperii, III,2,3); Die Urkunden Heinrichs IV., bearbeitet von Dietrich von Gladiss, Alfred Gawlik, Teil 1 Berlin 1941, Teil 2 Weimar 1959, Teil 3 Hannover 1978 (MGH Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser, 6).
19 Für Heinrich V. liegen bis jetzt die Regesten der Regesta Imperii noch nicht vor und die Urkundenedition der MGH befindet sich zwar in Vorbereitung, ist aber noch nicht erschienen, daher muss hier auf das ältere Werk von Stumpf-Brentano verwiesen werden: Karl F. Stumpf-Brentano, Die Kaiserurkunden des 10., 11. und 12. Jahrhunderts, chronologisch verzeichnet als Beitrag zu den Regesten und zur Kritik derselben, mit Nachträgen von Julius Ficker, Innsbruck 1865–1883, Neudruck Aalen 1964 (Die Reichskanzler vornehmlich des 10., 11. und 12. Jahrhunderts, 2); Heinrich Baethgen, Das Königreich Burgund in der deutschen Kaiserzeit des Mittelalters, in: Mediaevalia. Aufsätze, Nachrufe, Besprechungen von Friedrich Baethgen, Bd. 1, Stuttgart 1960 (Schriften der Monumenta Germaniae Historica, 17/1), S. 25–50, hier S. 39; Boehm, Geschichte Burgunds (wie Anm. 9), S. 127–129.
20 Siehe zum Itinerar Lothars III.: Die Regesten des Kaiserreiches unter Lothar III. und Konrad III., 1. Teil: Lothar III. 1125(1075)–1137 neubearbeitet von Wolfgang Petke, Köln u.a. 1994 (J. F. Böhmer, Regesta Imperii, IV,1).
21 Siehe zum Itinerar Konrads III.: Die Regesten des Kaiserreiches unter Lothar III. und Konrad III., 2. Teil: Konrad III. 1138(1093/94)–1152, neubearbeitet von Jan P. Niederkorn unter Mitarbeit von Karel Hruza, Köln u.a. 2008 (J. F. Böhmer, Regesta Imperii, IV,1).
22 Siehe zum Itinerar Heinrichs VI.: Die Regesten des Kaiserreiches unter Heinrich VI. 1165(1190)–1197, neubearbeitet von Gerhard Baaken, Wien u.a. 1972 (J.F. Böhmer, Regesta Imperii, IV,3).
23 Siehe zum Itinerar Friedrichs II. bei Christian Keck, Die Provence in der späten Stauferzeit. Das Land an der Rhone im Spannungsfeld von gräflicher Territorialpolitik, Reichspolitik Friedrichs II. und französischer sowie päpstlicher Einflussnahme, Aachen 1996; Boehm, Geschichte Burgunds (wie Anm. 9), S. 138–145.
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- Zitation
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In: Raumkonzepte - Raumwahrnehmungen - Raumnutzungen (6. Sommerkurs des Deutschen Historischen Instituts Paris in Zusammenarbeit mit der Universität Paris I-Panthéon-Sorbonne, 14.-17. Juni 2009) / Espaces: concepts - perceptions - usages (6e université d’été pour jeunes chercheurs de l’Institut historique allemand Paris en coopération avec l’université Paris I-Panthéon-Sorbonne, 14 - 17 juin 2009), hg. von / éd. par Susanne Rau (discussions, 5) URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/discussions/5-2010/tuerck_herrschaftsraum Veröffentlicht am: May 20, 2013 Zugriff vom: May 20, 2013

