F. Neiske: Frühmittelalterliche Studien
Erscheinungsbild, Herausgeber, Verlag
Die Zeitschrift Frühmittelalterliche Studien wird herausgegeben vom Institut für Frühmittelalterforschung und trägt deshalb den Untertitel: Jahrbuch des Instituts für Frühmittelalterforschung. Verantwortliche Herausgeber sind im Augenblick Gerd Althoff und Hagen Keller als Historiker und Christel Meier als Germanistin auf einem Lehrstuhl für Mittellateinische Philologie. Zum erweiterten Herausgeberkreis gehören zurzeit sechs Vertreter der Fächer Geschichte, Germanistik, Theologie und Ur- und Frühgeschichte.
Die Frühmittelalterlichen Studien erscheinen seit 1967, der 42. Band ist erschienen, der 43. in Vorbereitung. Jährlich erscheint ein Band, in Ganzleinen gebunden, im Verlag Walter de Gruyter, Berlin, New York. Der Preis pro Band beträgt zurzeit je nach Umfang 178,00 bis 192,00 Euro1.
Im Durchschnitt umfasst jeder Band 15 Artikel auf 450 bis 500 Seiten mit einem umfangreichen Anhang von Illustrationen auf Kunstdruckpapier. Die Zeitschrift ist grundsätzlich mehrsprachig. Von den mehr als 700 bisher erschienenen Aufsätzen sind 10 Prozent in Englisch, Französisch oder Italienisch abgefasst.
Thematischer Rahmen
Im Jahr 1967 wurde die Zeitschrift unter dem Titel Frühmittelalterliche Studien. Jahrbuch des Instituts für Frühmittelalterforschung begründet als Organ des Instituts für Frühmittelalterforschung. Das Institut selbst war kurz zuvor im Jahr 1964 neu eingerichtet worden. Zeitschrift und Institut verdanken ihre Gründung dem Historiker Karl Hauck. Die Frühmittelalterlichen Studien sollten ein Forum bieten für die gesamte Mittelalterforschung vor allem der Universität Münster.
Der Titel der Zeitschrift scheint eine Beschränkung auf die ersten Jahrhunderte des Mittelalters zu implizieren. Das wird noch unterstrichen durch das Signet/Logo der Zeitschrift, das eine Münze Konstantins des Großen zeigt, auf der das Labarum, das Feldzeichen Konstantins, gekrönt vom Christus-Zeichen Chi-Rho, dargestellt ist.

Abb. 1
Damit war ein deutlicher Bezug zur Übergangszeit Antike/Christentum gemeint. Zugleich wurde aber auch auf die sakrale Begründung der kaiserlichen Herrschaft in der Spätantike verwiesen sowie auf die Kombination heidnischer und christlicher Elemente in den bildlichen Darstellungen des westeuropäischen Mittelalters, eines der Hauptthemen in den Forschungen Karl Haucks. Dass das Themenspektrum der Beiträge dieser neuen Zeitschrift schon seit ihrem Beginn viel weiter gefasst war, wurde von Karl Hauck mit einer ausführlichen Begründung seines, wie er formulierte: »unkonventionell weit gefassten Begriffes ›Frühmittelalter‹« im ersten Band ausführlich erläutert: »Der Begriff ›Frühmittelalter‹ wird hier ... für einen Zeitraum gebraucht, der sich mit Kaiser Konstantin I. und Papst Gregor VII., mit Tacitus und Otto von Freising, mit Augustin und Humbert von Silva Candida als hervorragenden Gestalten an den Grenzsäumen umschreiben läßt. Räumlich wird die Epoche nicht auf den abendländischen Westen beschränkt, sondern der Blick ist auch für osteuropäische und byzantinische Themen offen2.«
Noch entscheidender für die thematische Ausrichtung der neuen Zeitschrift war allerdings eine andere Zielsetzung, die zu der Zeit für den Bereich der Mittelalterforschung völlig neu war: Die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen am gleichen Forschungsprojekt. Dieser interdisziplinäre Ansatz war auch das Leitbild des Sonderforschungsbereichs 7 »Mittelalterforschung«, der ein Jahr nach Gründung der Zeitschrift seine Arbeit aufnehmen konnte ─ übrigens als erster geisteswissenschaftlicher Sonderforschungsbereich in der Bundesrepublik Deutschland überhaupt.
Die neue Idee der Interdisziplinarität folgte damit dem Forschungsziel, durch das »Zusammenwirken aller für das Verständnis der mittelalterlichen Welt und ihrer Hinterlassenschaft relevanten Disziplinen« und mit »der Integration fachspezifischer Fragen in erweiterte Problemstellungen,« ... »zur Erkenntnis großer, allgemeiner Zusammenhänge zu gelangen«3. Die Mitglieder des Sonderforschungsbereiches gehörten zum Teil gleichzeitig zu den Mitherausgebern der Zeitschrift. Unter ihnen waren neben Historikern zum Beispiel auch Vertreter der Germanistik, Romanistik, Anglistik, Nordistik, Archäologie, Kunstgeschichte, Theologie sowie der Prähistorie. Ihre Fächer kennzeichnen die Breite des Forschungsspektrums und damit auch die Themenfelder der Beiträge in der Zeitschrift.
Eine Statistik über die Herkunft der Beiträge aus den einzelnen Fächern gibt einen Eindruck von der Breite und Gewichtung der Themenbereiche in den Frühmittelalterlichen Studien.

Abb. 2
Im besten Sinne nahm man also in Münster in den 1960er-Jahren voraus, was 1983 mit der Gründung des Mediävistenverbandes unter großem Echo in der Öffentlichkeit zu einer weiten Verbreitung des Begriffes »Mediävistik« führte. Das erklärte Ziel des Mediävistenverbandes, »alle mediävistischen Fächer miteinander ins Gespräch zu bringen, um über gemeinsame und interdisziplinär angelegte Arbeit zu einem besseren Verständnis der mittelalterlichen Gesellschaften und ihrer Kulturen beizutragen«4, war damals in Münster schon seit zwei Jahrzehnten erfolgreich erprobt und verwirklicht worden.
Interdisziplinarität blieb auch
in den folgenden Jahrzehnten das wichtigste Ziel der Arbeiten in
Münster. So findet sich denn auch in den bisherigen Bänden der
Frühmittelalterlichen Studien eine eindrucksvolle Reihe
von Beiträgen, die zur Eröffnung und methodischen Grundlegung
neuer Forschungsfelder der Mediävistik führten. Ohne einzelne
Titel der maßgeblichen Aufsätze nennen zu müssen, sei auf die im
Zusammenhang mit den drei Sonderforschungsbereichen in Münster in
den letzten Jahrzehnten erfolgreich bearbeiteten Schwerpunkte
verwiesen:
─ die Bildzeugnisse
der Völkerwanderungszeit;
─ die philologische
Namenforschung;
─ die
Memorialforschung und Prosopographie;
─ die
Bedeutungsforschung und Metaphorik;
─ die Arbeiten zur
Bezeichnungsforschung und Rechtssprache;
─ die Bedeutung und
Entwicklung der pragmatischen Schriftlichkeit;
─ die rituelle und
symbolische Kommunikation.
Auswahl der Beiträge
Auch weiterhin sind die Herausgeber darauf bedacht, in der Zeitschrift Autoren aus unterschiedlichen Mittelalterdisziplinen zu Wort kommen zu lassen, damit »unter Wahrung der jeweils fachspezifischen Gesichtspunkte« neue Diskussionen angestoßen werden, die auch der Überlieferungsvielfalt unseres Faches gerecht werden können und im besten Sinne innovativ für die Forschung sind. »Deshalb wird in den Frühmittelalterlichen Studien Wert auf Beiträge gelegt, die von ihrer Problemstellung und Perspektive her bereits über das Einzelfach hinausweisen.«
Das Ansehen unserer Zeitschrift lässt sich an den zahlreichen unverlangt eingereichten Manuskripten ablesen, die auch ihrerseits das von den Frühmittelalterlichen Studien gepflegte, breite Themenspektrum widerspiegeln. Die Qualitätskontrolle obliegt in allen Fällen den zurzeit drei Herausgebern sowie den sechs zum erweiterten Herausgeberkreis gehörenden Fachkollegen verschiedener Disziplinen. Außerdem werden regelmäßig Vertreter weiterer Fachrichtungen um ihr Urteil gebeten.
Wie ernst diese Aufgabe einer umfassenden Qualitätskontrolle genommen wird, zeigt die Anzahl der abgelehnten Manuskripte ─ über die wir aus verständlichen Gründen keine Statistik führen. Den Autoren sehr spezieller Beiträge, die sich mehr auf ein einzelnes Fach als auf einen interdisziplinären Ansatz beziehen, haben wir oft andere Publikationsorte erfolgreich empfohlen.
Allgemein zeigt sich in den letzten Jahren allerdings, dass viele wichtige und interessante Forschungsergebnisse bei den stetig zunehmenden Kongressen und Kolloquien vorgestellt und in den daraus resultierenden Tagungsbänden publiziert werden. Dieser Umstand führt zweifellos zu einem zahlenmäßig geringeren Angebot an Beiträgen für die klassischen Zeitschriften. Wir tragen dieser Tatsache dadurch Rechnung, dass auch in den Frühmittelalterlichen Studien von Zeit zu Zeit die wichtigsten Vorträge von Tagungen im Zusammenhang publiziert werden. In der Auswahl der Beiträge halten die Herausgeber insgesamt eine sorgfältige Balance zwischen namhaften, arrivierten Forscherinnen und Forschern einerseits und dem wissenschaftlichen Nachwuchs mit neuen Ideen und beachtenswerten Arbeitsergebnissen andererseits.
Redaktion und Arbeitsabläufe
Die Qualität der Beiträge, das breite Themenspektrum und die in den Aufsätzen gepflegte ausführliche Diskussion der Forschungsliteratur erfordern eine sorgfältige redaktionelle Betreuung. Das reicht von der formalen Kontrolle von Anmerkungen und Zitierweise über Layout-Beratung bis hin zur Gestaltung des in jedem Band recht umfangreichen Bildteils mit hochwertigen Abbildungen. Diese Arbeiten werden seit Gründung der Zeitschrift jeweils von einem der wissenschaftlichen Mitarbeiter des Instituts für Frühmittelalterforschung geleistet.
Heute werden diese Arbeiten zum Teil erleichtert durch die Möglichkeiten der elektronischen Textverarbeitung. Das hat auch zu Änderungen im Arbeitsablauf der Redaktion von Beiträgen geführt. Vor allem konnten diese Arbeiten erheblich beschleunigt werden. Wir konnten außerdem das für den Verlag elementare und sehr kostenträchtige Problem der Autorenkorrekturen minimieren, weil nach unserem Redaktionsverfahren praktisch eine gesamte Fahnenkorrektur wegfällt.
Wir erstellen nach der redaktionellen Harmonisierung der Texte schon im Institut für die Autoren eine vorläufige Druckversion, die weitgehend dem endgültigen Schriftbild entspricht. Die Autoren machen darin ihre letzten Korrekturen. Diese Autorenkorrekturen werden von uns in die Texte übertragen. Anschließend schicken wir die von uns korrigierten Textdateien an den Verlag. Die dort erstellte Druckversion mit endgültigem Layout, Trennungen usw. muss dann nur noch einer letzten Revision unterzogen werden. Diese geringfügigen Änderungen erfolgen im Verlag. Dann kann der Band gedruckt werden.
Finanzierung der Zeitschrift
Da es bei dieser Table ronde nicht nur um die Wissenschaft, sondern auch um die reale Welt der Kosten, also die ökonomischen Bedingungen geht, hier noch einige Worte zur Finanzierung der Zeitschrift. In den ersten beiden Jahrzehnten ihres Bestehens wurden die Frühmittelalterlichen Studien jährlich mit einem namhaften Betrag aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft subventioniert. Damit war das unternehmerische Risiko für den Verlag, eine so aufwendig ausgestattete Zeitschrift neu am Buchmarkt einzuführen, weitgehend abgesichert.
Seit Mitte der 1980er-Jahre wird die Zeitschrift vom Verlag de Gruyter ohne jeglichen Zuschuss publiziert, allerdings zu einem recht hohen Preis. Wie bereits erwähnt, kostet ein Band zurzeit zwischen 178,00 und 192,00 Euro. Die Online-Version wird zum gleichen Preis wie die Druckversion angeboten.
Verbreitung: Druckversion und elektronische Version
Die Verbreitung der Zeitschrift und damit ihre Verfügbarkeit für die Forschung lässt sich heute leicht mithilfe der öffentlichen Bibliothekskataloge ermitteln: Der OPAC der Zeitschriftendatenbank (ZDB) weist die Zeitschrift in fast 200 deutschsprachigen Bibliotheken nach. Der Catalogue collectif de France (CCFr) nennt 25 Standorte in Frankreich. Der (ACNP), der Catalogo italiano dei periodici des Centro Inter-Bibliotecario Università di Bologna (CIB) verzeichnet 33 Bibliotheken, die die Zeitschrift führen oder geführt haben. Diese Einschränkung gilt für alle hier genannten Ergebnisse aus den Bibliothekskatalogen.
Die Erreichbarkeit der Inhalte wurde vom Verlag de Gruyter in den letzten Jahren erweitert durch ein elektronisches Angebot aller Artikel. Ein Problem bilden im Augenblick noch die Kosten für den Zugang zur elektronischen Version. Der Preis für einen einzelnen Aufsatz beträgt 40 Euro; das erscheint nicht nur den Herausgebern als viel zu hoch. Wir haben dem Verlag unsere Bedenken mitgeteilt und hoffen auf eine Änderung. Grundsätzlich gilt, dass mit dem Kauf einer Print-Version auch das Recht zum Zugriff auf die elektronische Version für die einzelne Bibliothek und deren Nutzer besteht. Für die deutschen Universitäten ist der freie Zugang zu den elektronischen Texten durch eine von der DFG, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, geförderte Nationallizenz im Rahmen der EZB, der »Elektronischen Zeitschriftenbibliothek«, garantiert. Zurzeit sind die Ausgaben ab 2002 auf diese Weise verfügbar.
Präsenz in Bibliographien
Die Titel der einzelnen Aufsätze sind in den elektronischen Medien sehr gut erreichbar. Der RI-Opac, die Literaturdatenbank der »Regesta Imperii« im Internet, verzeichnet alle Aufsätze der Frühmittelalterlichen Studien. Nahezu vollständig sind die Beiträge auch in der IMB, der »International Medieval Bibliography«, registriert. Rund 60% der Titel erscheinen in der IBZ, der »International Bibliography of Periodical Literature«. Von dort aus können auch die elektronischen Ausgaben der Aufsätze direkt erreicht werden. Auch das Internet-Fachforum H-Soz-u-Kult verzeichnet die Titel der Aufsätze aus den letzten Bänden. Noch nicht präsent sind die Artikel der Zeitschrift im Catalogue SUDOC, dem Katalog des »Système Universitaire de Documentation«.
Das Institut für Frühmittelalterforschung bietet die kompletten Inhaltsverzeichnisse der Zeitschrift schon seit 1997 auf seinen Internetseiten an, also seit einer Zeit, da wissenschaftliche Informationen zur mittelalterlichen Geschichte in den elektronischen Medien noch selten waren5. Zu den letzten Jahrgängen werden jeweils auch die Abstracts der Aufsätze im Internet angeboten. Zu den Beiträgen selbst gibt es in den großen Fachzeitschriften wie etwa dem »Deutschen Archiv zur Erforschung des Mittelalters« regelmäßig Rezensionen.
Autor:
Dr. Franz Neiske
Universität Münster
neiske@uni-muenster.de
1 Über die einzelnen Bände und ihre Beiträge, teils mit Abstracts der Aufsätze, informiert die Internetseite der Zeitschrift: http://fruehmittelalter.uni-muenster.de/fmst.<15.12.2009>.
2 Karl Hauck, Das Frühmittelalter-Kolloquium vom 28.─ 30. April 1966 in Münster/W., in: Frühmittelalterliche Studien 1 (1967), S. 1─2, hier: S. 1.
3 Hagen Keller, Nachruf Karl Hauck (21. Dezember 1916 ─ 8. Mai 2007), in: Frühmittelalterliche Studien 41 (2007), S. IX─XII, hier: S. IX.
4 Internetseite des Mediävistenverbandes, URL: http://www.mediaevistenverband.de/d/verband.htm <15.12.2009>.
5 http://fruehmittelalter.uni-muenster.de/fmst.<15.12.2009>.
Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

