Benutzerspezifische Werkzeuge
Navigation
 

M. Biersack: »Sein und Schein«

— abgelegt unter:
»Sein und Schein«

Discussions 2 (2009)

Martin Biersack

»Sein und Schein«

Ein Forschungsprojekt zur gelehrten Kultur des spanischen Adels im 16. Jahrhundert



Abstract

Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde vom Adel zunehmend gefordert, über gelehrtes Wissen zu verfügen, um seiner gesellschaftlichen Funktion gerecht zu werden. Der Adel reagierte, indem er die Gelehrsamkeit in seinen standesspezifischen Habitus integrierte. Er sah sich selbst als gelehrt an und inszenierte sich auch dementsprechend, wenn er beispielsweise Bibliotheken anlegte, die Herausgabe wissenschaftlicher Schriften förderte oder Gelehrte materiell unterstützte. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, welche Form das gelehrte Wissen beim Adel annahm und inwieweit Adlige dieses tatsächlich in ihr Selbstverständnis integrierten, oder ob es ihnen zur Ausübung standesspezifischer Funktionen genügte, öffentlich zu demonstrieren, dass sie über gelehrtes Wissen verfügten.

1. Die Integration gelehrten Wissens in das Selbstverständnis des spanischen Adels

<1>

Miguel de Cervantes legte zu Beginn des 17. Jahrhunderts folgende, gegen den Gelehrtenstand gerichtete Worte in den Mund seines Don Quijote: »Fort aus meinen Augen mit denen, so da behaupten möchten, dass die Wissenschaften den Vorrang vor den Waffen haben! Denen werde ich sagen, und mögen sie sein, wer sie wollen, dass sie nicht wissen, was sie reden.«1 Don Quijote war zwar den Büchern zugetan, aber vor allem den Ritterromanen, deren Lektüre ihn erst dazu angeregt hatte, sein Dorf zu verlassen, um als fahrender Ritter durch Spanien zu ziehen. Er ist zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Karikatur eines Adligen, und als solcher verachtet er die Gelehrten und ihren Anspruch auf Vorrang vor dem waffentragenden Adel. Cervantes, der selbst aus einer gelehrten Familie von niedriger adliger Herkunft stammte, kritisierte damit aus dem Mund des fahrenden Ritters nicht nur die Buchstabengelehrsamkeit von Juristen und Humanisten, sondern gleichzeitig auch die Ignoranz des Adels.

<2>

Vor allem für die soziale Position des niederen Adels, als dessen Repräsentant Don Quijote fungiert, stellte der sich seit dem Spätmittelalter vollziehende Aufstieg juristisch und humanistisch gebildeter Gelehrter eine große Herausforderung dar. Professionelle Gelehrte waren in den entstehenden Staaten als Funktionselite unabdingbar. Sie rechtfertigten die Ausübung bedeutender Ämter durch den Verweis auf ihr spezielles Wissen und trugen so dazu bei, dass Macht und Herrschaft zunehmend durch Wissen legitimiert wurden. Dem Adel war es deshalb zunehmend unmöglich, sich dem Anspruch einer auf Wissen gegründeten Herrschaft zu entziehen, was Folgen für das Adelsbild und für seine konkrete Lebensführung hatte2.

<3>

In Spanien war es der Aufstieg der ›Letrados‹, der meist juristisch gebildeten Beamtenschaft, der zu einer Herausforderung für die privilegierte Stellung des Adels wurde. Diese verwiesen den Adel auf das Kriegführen und stritten ihm aufgrund seiner fehlenden Bildung in Recht, Sprache und Ethik die Kompetenz zum Regieren ab. Der Adel, der seine Legitimation bislang aus seiner Abstammung und seiner Funktion im Krieg zog, hatte sich mit dem aus der ritterlichen Kultur stammenden Wissen um Kriegführung, Jagd und höfisches Benehmen sowie den Grundlagen christlicher Religion begnügt. ›Illiteratus‹ zu sein war ihm dabei kein Makel gewesen. Angesichts der Bedrohung seiner privilegierten Position durch die ›Letrados‹ sah er sich jedoch seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts genötigt, die Gelehrsamkeit in sein Selbstverständnis zu integrieren. Als Folge entstand ein Adelsbild, das neben den ›arma‹ auch Kenntnisse in den ›litterae‹ umfasste3.

<4>

Unter dem Begriff der ›litterae‹, dem der spanischen ›letras‹ oder dem der deutschen ›Gelehrsamkeit‹ kann man gelehrtes Wissen im Gegensatz zu Handlungswissen verstehen. Gelehrtes Wissen ist meist schulisch gelernt, während sich Handlungswissen ausschließlich aus praktischer Anwendung erklärt. Zu letzterem gehören Fertigkeiten wie Schreiben und Rechnen, das zur Ausübung handwerklicher Berufe nötige Wissen, das Wissen um Kriegführung und die soziale Kompetenz. Es kann durchaus Elemente des gelehrten Wissens integrieren, bleibt aber immer auf die Praxis bezogen4. Gelehrtes Wissen war zunächst, bevor der Humanismus seine Wirksamkeit entfaltete, das an der Universität unterrichtete Wissen der ›artes liberales‹ sowie des Rechts, der Medizin und der Theologie. Teil der ›artes liberales‹ war das Studium der lateinischen Sprache, der Astronomie und der Mathematik. Später fand auch die Naturphilosophie als Vorläuferin der Naturwissenschaften sowie die Moralphilosophie, die neben Ethik auch die Bereiche Politik und Ökonomie umfasste, Eingang in das Studium der Freien Künste. Der Humanismus ordnete mit seinem pädagogischen Programm der ›studia humanitatis‹ Zusammensetzung und Hierarchie des gelehrten Wissens neu. War bislang die Theologie die Krone der Wissenschaft gewesen und das Sprachstudium nur Propädeutikum für die höheren Fakultäten, so kehrten die Humanisten nun dieses Verhältnis um und setzten zwei in der mittelalterlichen Universität nur marginal behandelte Wissensfelder – Poesie und Geschichte – an die Spitze.

<5>

Ein ähnlich offener und schillernder Begriff wie der der Gelehrsamkeit ist der des Adels, dessen Definition nicht nur die Zeitgenossen im 16. Jahrhundert beschäftigt hat. Auch heute gibt es mehrere Möglichkeiten, auf das Phänomen »Adel« zuzugreifen. Adel hat eine rechtliche Dimension, in der er mit den Privilegien einer Familie in Verbindung gebracht wird. Adel hat darüber hinaus eine genealogische Dimension. Er definierte sich im Spanien des 16. Jahrhunderts bevorzugt durch die Abstammung, die nach Möglichkeit bis in die westgotische Vergangenheit zurückprojiziert wurde, um so die »Reinheit des Blutes« zu belegen. Die zeitgenössische Traktatliteratur forderte die Tugendhaftigkeit als notwendige Voraussetzung für den Adel ein, die wichtiger als die Abstammung sei. Dabei war allerdings nicht genau definiert, worin nun die besondere adlige Tugend zu bestehen habe. Privileg, Abstammung und Tugend vereinten einen städtischen ›Caballero‹ oder den eingangs erwähnten ›Hidalgo‹ aus La Mancha genauso unter dem Adelsstand wie die mächtigen titeltragenden Mitglieder des Hochadels, die sogenannten ›Granden‹.

<6>

Gemeinsam war allen Adligen eine bestimmte Denk-, Verhaltens- und Lebensart: der adlige Habitus. Erst wenn der Adel einer Person öffentlich anerkannt wurde, war es seinem Träger möglich, seine sozialen und politischen Vorrechte auszuüben. Somit musste der Adel mittels Symbolen und Verhaltensweisen immer wieder neu demonstriert werden. Dazu eignete sich der Adel kulturelle Praktiken an, die ihm die Distinktion von anderen sozialen Gruppen ermöglichte. Der auf öffentliche Anerkennung ausgelegte Habitus des Adels führte zu einer Kultur des Scheins, in der es bedeutsamer war, etwas zu gelten als etwas zu sein. Dies hatte Konsequenzen auf das Verhältnis des Adels zur Gelehrsamkeit. Die adlige Standeskultur des 16. Jahrhunderts forderte zwar die Pflege der ›litterae‹, doch war es genug, diese zur Schau zu stellen, wobei offen bleiben konnte, ob es zu einer wirklichen Identifikation mit ihnen kam, das heißt ob der Adel ein affektives, interessengeleitetes und nicht nur funktionales Verhältnis zur Gelehrsamkeit entwickelte.

2. Neues kulturgeschichtliches Interesse an der Erforschung des Adels

<7>

Die Geschichte des Adels ist in den letzten Jahren verstärkt in das Interesse der deutschsprachigen Forschung gerückt. Werner Paravicini spricht von der »oft übersehenen Bedeutung einer wenigstens tausendjährigen Adelsherrschaft in Europa, die erst in unserem Jahrhundert zu Ende gegangen ist, aber immer noch fortwirkt.«5 Vor allem anthropologisch-kulturgeschichtliche Fragestellungen, die sich zum Ziel setzen, adlige Weltsicht und adlige Lebensrealität zu untersuchen, versprechen neue Erkenntnisse. Im Zentrum der aktuellen Forschung steht die Frage, wie es dem Adel gelang, unter den unterschiedlichsten Bedingungen und angesichts bedeutsamer gesellschaftlicher Veränderungen seine soziale Position zu bewahren und kulturell wie politisch dominant zu bleiben. Ein Schwerpunkt des Forschungsinteresses bilden Umbruchszeiten, wie sie die beginnende Neuzeit darstellt, die mit ihren weitreichenden Veränderungen auch die Position des Adels betraf. Bürokratisierung, Entstehung eines europäischen Staatensystems, Expansion der europäischen Staaten, beginnender Handelskapitalismus, mediale Umbrüche und der Humanismus führten zu einer Neudefinition der eigenen Legitimität oder zum Versuch, etablierten Vorrangansprüchen unter den veränderten Bedingungen zu neuer gesellschaftlicher Akzeptanz zu verhelfen.

<8>

Das aktuelle Interesse der deutschsprachigen Forschung an der Kulturgeschichte des Adels belegt eine Reihe von Tagungen seit 2006, die Fragen adliger Legitimation und Repräsentation zum Thema haben. Zu nennen sind die oben zitierte Tagung »Aristoi – Nobiles – Adlige. Europäische Adelsformation und ihre Reaktion auf gesellschaftliche Umbrüche« (Dresden 2006)6, die Sektion »Adelsbilder von der Antike bis zur Gegenwart« auf dem Deutschen Historikertag in Konstanz 20067, sowie die Tagung »Hochadelige Herrschaft im mitteldeutschen Raum (1200–1600) . Formen – Legitimation – Repräsentation«.8 Die deutschsprachige Forschung hat sich vor allem auf die Geschichte des europäischen Adels in Mitteleuropa sowie England und Frankreich konzentriert. Der spanische Adel fand dagegen bislang kaum Berücksichtigung9.

<9>

Die Forschung spanischer Historiker zur Geschichte des Adels war lange Zeit von genealogischem Interesse geprägt10. Erst mit Salvador de Móxo begann sich die spanische Historiographie vor allem mit juristischen Fragen zur Gutsherrschaft des spanischen Adels auseinanderzusetzen11. Eine erste umfassende Studie zur sozialen und kulturellen Wirklichkeit des spanischen Adels der Frühen Neuzeit legte 1973 Antonio Domínguez Ortíz vor12. In der Folge entstanden zahlreiche Arbeiten, die sich rechtlichen, prosopographischen, sozialgeschichtlichen und zunehmend auch kulturgeschichtlichen Fragen widmeten. Synthetisierende Darstellungen, die den frühneuzeitlichen spanischen Adel umfassend behandelten, wurden nach Domínguez Ortíz allerdings kaum in Angriff genommen, da es zunächst dringlich erschien, den ›Señoríos‹, den städtischen Oligarchien, dem höfischen Adel oder dem hohen Amtsadel Detailstudien zu widmen13. Lediglich David García Hernán gab 1992 einen schematischen Überblick über die politische, rechtliche, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Identität des spanischen Adels in der Frühen Neuzeit14.

<10>

Im Jahr 2007 erschien die Überblicksdarstellung »La nobleza española en la Edad moderna: cambio y continuidad« von Enrique Soria Mesa15. Darin zeichnet der Autor die Entwicklungslinien des spanischen Adels vom 15. Jahrhundert bis in die Zeit der Französischen Revolution nach. Roter Faden ist die Frage, wie es dem Adel gelang, während des 16., 17. und 18. Jahrhunderts seine soziale Vorrangstellung durch Verweis auf Kontinuität zu bewahren, und dies, obwohl oder gerade weil der Adel soziale Mobilität akzeptierte und neue Familien unter Wahrung der alten Ansprüche in seinen Stand zu integrieren vermochte. Die Darstellung Soria Mesas geht auch auf Fragen des Alltagslebens und der adligen Repräsentation ein. Ausgeklammert bleiben jedoch die gelehrte Kultur und die Auseinandersetzung des Adels mit Architektur, Kunst und Literatur.

<11>

Die Adelskultur ist Gegenstand einer 2007 erschienenen Monographie von Antonio Urquízar Herrera, der die in Inventaren reflektierte Sammeltätigkeit andalusischer Adliger auf ihre Funktion als Mittel sozialer Distinktion hin untersucht. Die Sammeltätigkeit, aber auch die dekorative Gestaltung adliger Häuser dienten der Demonstration von Frömmigkeit, von humanistischer Kultur, von Reichtum und schließlich, als diskursiver Kern der Sammlung, von familiärer Identität16. Urquízar Herrera kommt in Bezug auf die humanistische Kultur zu dem Schluss, dass hier sowohl Identifikation, sprich tatsächliches Interesse von Seiten des Adels vorlag, als auch modische Nachahmung, da die humanistische Kultur eines der Hauptanliegen adliger Kultur, das der Distinktion, bestens erfüllen konnte.

<12>

Das Verhältnis des spanischen Adels zum gelehrten Wissen wurde bislang nur marginal behandelt. Meist begnügen sich die Autoren unter Rückgriff auf konkrete Beispiele oder normative Texte auf den Verweis, dass der spanische Adel des 16. Jahrhunderts das Ideal der ›arma et litterae‹ akzeptiert habe17. Einen Überblick über handschriftliche Erziehungsvorschriften und biographische Modelle, die seit der zweiten Hälfte des 16. und während des 17. Jahrhunderts von spanischen Adeligen entworfen wurden, bietet Fernando Bouza18. José Antonio Guillén Berrendero, dessen Dissertation die Adelsideale in Kastilien während der Regierungszeit Philipps II. zum Thema hat, berücksichtigt die kulturellen Implikationen der von ihm als dominant identifizierten Ideale Tugend und Ehre nicht19. Das Ideal des Tugendadels hatte aber weitreichende pädagogische und kulturelle Konsequenzen. Ein sich auch aufgrund seiner Tugendhaftigkeit legitimierender Adel musste zunehmend gelehrtes Wissen in sein Selbstverständnis integrieren, da dieses als Weg zur Tugend verstanden wurde.

<13>

In Bezug auf die Adelskultur untersucht wurden ferner einzelne Familien wie die Mendoza, die Cardona, die Álvarez de Toledo oder die Velasco sowie Personen wie der Vizekönig von Neapel, Pedro de Toledo, oder die Italienbotschafter der Katholischen Könige20. Lebhaftes Interesse der Forschung fanden in den letzten 20 Jahren die Bibliotheken des spanischen Adels, die für die Rekonstruktion des Verhältnisses, das der Adel zum gelehrten Wissen einnahm, äußerst aufschlussreich sind21.

<14>

Im Gegensatz zum Thema adliger Bildung im 15. Jahrhundert, das mittlerweile, vor allem aufgrund der Arbeiten von Isabel Beceiro Pita, gut erforscht ist22, wurden Bildungsideal und Erziehungspraxis des spanischen Adels im 16. Jahrhundert noch nicht umfassend untersucht. Víctor Infantes setzte sich mit dem Elementarunterricht des Adels auseinander, für den er konstatierte, dass er dem anderer sozialer Gruppen glich23. Es liegen Monographien bzw. Texteditionen zu einzelnen Traktaten vor, die sich mit adliger Erziehung und adligem Wissen und Verhalten beschäftigen, sowie bibliographische Überblicksdarstellungen24. Die Funktion des königlichen Hofes als Bildungseinrichtung in der Zeit Karls V. und Philipps II. ist trotz ihrer Bedeutung praktisch unbekannt25.

<15>

Die Forschung zu Erziehungsvorschriften und Adelstraktaten gibt ein nur unzureichendes Bild vom Verhältnis des Adels zum gelehrten Wissen wieder. Sie reflektiert die Idealvorstellung adliger Kultur, ohne sie jedoch auf ihre »Realität«, das heißt die soziale Praxis adligen Wissens, hin zu prüfen. Zudem stammen die Idealvorstellungen häufig aus der Feder von Autoren, die nicht dem Adelsstand angehörten, sodass die tatsächliche Umsetzung dieser normativen Vorgaben fraglich ist. Fernando Bouza hält es deshalb für zwingend, die Idealvorstellungen anhand von Dokumenten aus den Adelsarchiven zu überprüfen, die erst Aufschluss über das tatsächliche Verhältnis des Adels zur gelehrten Kultur geben können26.

3. Projektbeschreibung

<16>

Das Forschungsprojekt versucht, die Gelehrsamkeit des frühneuzeitlichen spanischen Adels auch und vor allem jenseits des Ideals der ›arma et litterae‹ zu untersuchen. Es gilt zu klären, ob Adlige gelehrtes Wissen tatsächlich in ihr Selbstverständnis integrierten, und wenn ja, in welcher Form sie dies taten. Oder genügte es dem Adel zur Ausübung standesspezifischer Funktionen und Legitimation seiner Position, öffentlich zu demonstrieren, dass er über gelehrtes Wissen verfügte? Es geht also letzten Endes um die Frage, wie und in welcher Form gelehrtes Wissen Teil des adligen Habitus wurde. Unter »Habitus« versteht Pierre Bourdieu eine generative Grammatik aller denkbaren Handlungsmuster, eine allgemeine Disposition, »die Einzelmuster erzeugt, die sich dann in den verschiedenen Bereichen des Denkens und Handelns verwenden lassen.«27 Der Habitus ist Ergebnis eines lebenslangen Sozialisationsprozesses, in dem sich der Mensch die sozialen Regeln und das für ihn relevante Wissen aneignet. Ein Mensch mit dem ihm typischen Habitus nimmt die Welt in der ihm eigentümlichen Weise wahr, entwickelt eigene kulturelle Vorlieben und handelt auch dementsprechend.

<17>

Der Habitus äußert sich in der sozialen Praxis. Ästhetischer Geschmack, Lektüre, die Art zu Sprechen oder zu Lachen werden nach Bourdieu letztlich durch den Habitus geformt, den ein Mensch in unbewusster Form als Teil einer sozialen Gruppe annimmt. Die kulturellen Vorlieben eines spanischen Adligen im 16. Jahrhundert sind demnach kein Zufall. Sie sind Produkt seiner Sozialisation in der Adelsgesellschaft seiner Zeit, die in ihm einen gruppenspezifischen Adelshabitus ausbildete, der sich in konkretem Handeln äußerte. In der Praxis manifestierte sich der Habitus der Gelehrsamkeit als Kulturkapital, das beim Adel des 16. Jahrhunderts in zwei Formen vorliegen konnte: Zum einen als personengebundene Fähigkeiten, im Lernen der klassischen Sprachen oder im Verfügen über die Formen gelehrter Kommunikation, zum anderen in objektiviertem Kulturkapital, zum Beispiel in der Anlage großer Bibliotheken oder der Sammlung wissenschaftlicher Geräte, antiker Münzen oder exotischer Kuriositäten. Institutionalisiertes Bildungskapital im Sinne von akademischen Titeln war für den Adel dagegen irrelevant.28 Der gelehrte Habitus konnte sich des Weiteren in konkretem Handeln äußern. Ein von der Gelehrsamkeit überzeugter Adliger verfasste möglicherweise eigene gelehrte Traktate, er las Fachliteratur, förderte andere Gelehrte und sorgte dafür, dass sein Nachwuchs dementsprechend ausgebildet wurde.

<18>

Eine besondere Form der Praxis gelehrter Kultur ist die symbolische Repräsentation. Institutionen als organisierte soziale Beziehungen – und als solche könnte man, mit Einschränkungen, auch den Adel bezeichnen – werden stabilisiert, indem sie mittels symbolischer Darstellung ihrer Prinzipien und Geltungsansprüche auf kulturelle Sinn- und Wertvorstellungen verweisen und dadurch Handlungs- und Rollenstilisierungen vornehmen29. In dieser Hinsicht war es für den Adel wichtig, in der Selbstdarstellung über das von ihm geforderte Wissen zu verfügen, über das und mit dem er zu herrschen vermochte. Die Inhalte des Wissens tatsächlich zu kennen war dagegen sekundär. Wissen ist in dieser Hinsicht symbolisches Kapital mit Anspruch auf Geltung30.

<19>

Die Manifestationen der Praxis erlauben im Zusammenhang mit den konkreten Begleitumständen ihrer Entstehung Aussagen über den Habitus. Allerdings lässt sich ein Habitus nicht ohne Kenntnis seiner komplexen Voraussetzungen ermitteln. Die Integration der Gelehrsamkeit in den Habitus des Adels wurde durch die Diskussion um die Frage, was Adel sei (normativer Adelsdiskurs), in Form von Adelskritik, Adelstraktaten und Erziehungsschriften bestimmt, die zur Ausbildung eines bestimmten Adelsideals führte. Eine weitere – und die nach Bourdieu zentrale – Voraussetzung für die Genese eines Habitus ist die Schule, das heißt die Erziehungspraxis31.

4. Untersuchungsebenen

<20>

Die Untersuchung vollzieht sich auf vier Ebenen, deren erste die der normativen Texte ist, die sich mit Fragen beschäftigen, was Adel sei. Dazu sind allgemeine Erziehungs- und Bildungstraktate zu rechnen wie beispielsweise die Erziehungsschriften Juan Luis Vives’ oder Erasmus’ »De civilitate morum puerilium«. Diese Texte, auch wenn sie nicht speziell auf den Adel gemünzt waren, gaben allgemeine Ratschläge zur Bildung, die auch vom Adel rezipiert wurden. Bedeutsamer sind die zahlreichen speziellen Adelstraktate wie Piccolominis »Institución de toda la vida del hombre noble«, López de Montoyas »Libro de la buena educación y enseñança de los nobles« und Castigliones »Il libro del cortegiano«32. Die normativen Texte werden daraufhin ausgewertet, welchen Stellenwert sie dem gelehrten Wissen beim Adel beimessen, welche Elemente dieses Wissen umfasst und welche Funktion bzw. Begründung die Auswahl rechtfertigt. Die Analyse nimmt dabei besondere Rücksicht auf den Entstehungszusammenhang der Schrift bzw. ihren Rezeptionskontext in Spanien. So ist es wesentlich zu rekonstruieren, ob beispielsweise Erasmus’ Erziehungsschriften tatsächlich vom Adel gelesen wurden, oder ob sie indirekt, über andere Erziehungstraktate wirkten. Wurden sie gelesen, so ist bedeutsam zu rekonstruieren, in welchem Zeitraum sie in adligen Bibliotheken nachweisbar sind, wer die Leser waren (geographisch, sozial, Bildungsstand) und was deren Interesse an den Schriften rechtfertigte.

<21>

Die zweite Ebene untersucht die Wissensrepräsentation. Der Adel griff auf eine Vielzahl symbolischer bzw. repräsentativer Mechanismen zurück, um seinen Geltungsanspruch zu verdeutlichen und in der Gesellschaft einzufordern. Dazu zählen vor allem die Familiengeschichte, Wappen, Porträts, Sammlungen und die Einrichtung von Adelsresidenzen. Die Elemente adliger Selbststilisierung werden auf die Frage hin untersucht, inwieweit in ihnen der gelehrten Wissenskultur als standesspezifische Adelskultur Rechnung getragen wurde, ob beispielsweise Wappen im Laufe des 16. Jahrhunderts auch Elemente integrierten, die Gelehrsamkeit zum Ausdruck brachten, oder inwieweit in Familiengeschichtsschreibung Wert auf die Bildung eines Ahnherren gelegt wurde. Sammlungen sind, unabhängig von ihrem Inhalt, auch repräsentative Einrichtungen. Auch den Schlössern der Adligen kam besonderes Gewicht beim Ausdruck ihres Selbstverständnisses zu, wie die Untersuchung von Matthias Müller zeigt. Das Fürstenschloss in Deutschland war der Ort, an dem die rechtliche, religiöse, dynastische (und kulturelle) Norm adliger Herrschaft in eine sinnfällige Form überführt wurde33. Eine besondere Funktion kommt den »Geltungsgeschichten« zu, das heißt Ursprungsmythen oder Gründungsgeschichten, die ein institutionelles Arrangement durch Historizität und Tradition über die Zeiten hinweg legitimieren und ihm so Geltung und Identität verschaffen34. Ein Beispiel hierfür ist der Marqués de Santillana, der von seiner Familie zu einem leibhaftigen Beleg für die Zusammengehörigkeit der ›arma et litterae‹ stilisiert wurde. Der Verweis auf den Ahnherren konnte sowohl als Aufforderung an den eigenen Stand verwendet werden, sich dem Studium hinzugeben, als auch Rechtfertigung und Prestigesteigerung nach außen liefern.

<22>

Als dritte Ebene wird die Praxis gelehrten Wissens analysiert, was sich am besten durch die Analyse von Bibliotheksinventaren adliger Privatbibliotheken aus dem 16. Jahrhundert rekonstruieren lässt. Bibliotheken als institutionalisierte Wissensbestände erlauben Rückschlüsse auf die Ziele und Prozesse von Wissenskonstruktionen. Sofern die Genese einer Bibliothek rekonstruierbar ist, können einzelne Wissensbestände und Interessen einem bestimmten Adligen zugeordnet werden. Häufig sind aber gerade die Lücken in Bibliotheksinventaren aussagekräftiger, da bei der Präsenz eines bestimmten Werkes in einer Bibliothek seine Lektüre nicht zwingend folgt, während die Absenz sehr wohl den Schluss zulässt, dass ein bestimmtes Themenspektrum oder Werk nicht rezipiert wurde. Neben der Lektüre geben auch literarische Tätigkeiten einzelner Adliger Aufschluss über ihr tatsächliches Wissen. Beispiele hierfür sind die historiographische Tätigkeit des IV. Duque de Frías oder des IV. Duque del Infantado oder die Briefwechsel des II. Marqués de Mondéjar. Die historiographische oder literarische Tätigkeit an sich ist schon Zeichen einer bestimmten Form der Gelehrsamkeit – der humanistischen. Die Analyse der Werke gibt des Weiteren Hinweise auf die Lektüre der adligen Autoren. Auch Testamente können Aufschluss darüber geben, welchen Wert ein bestimmter Adliger, eventuell als Oberhaupt seiner Familie, der Gelehrsamkeit beimaß. In testamentarischen Verfügungen finden sich beispielsweise Bestimmungen, dass die Bibliothek Teil des ›Mayorazgos‹, des unteilbaren familiären Besitzes, sein sollte; sie wurde somit in das familiäre Erbgut integriert.

<23>

Vierte Ebene der Untersuchung und zentrales Element der Praxis gelehrter Kultur ist die Erziehung. Sie kann direkter Ausdruck der Wertschätzung von Gelehrsamkeit durch den Adel sein, der seinen Kindern durch die Bestellung von Lehrern bestimmte Elemente gelehrten Wissens nahe bringen wollte. Die Erziehungspraxis dient als Vergleichsfolie für die normativen Texte, in denen ein Bildungsideal ausgedrückt wurde. Es sollen hier deshalb nur konkrete Unterrichtsprogramme, nicht aber allgemeine Erziehungsratschläge analysiert werden. In der spanischen Nationalbibliothek in Madrid befinden sich zahlreiche unedierte Briefe und Traktate von spanischen Adligen aus dem 16. Jahrhundert, die diese mit konkreten Anweisungen für die Erziehung ihrer Kinder verfassten. Im Gegensatz zu den allgemeinen Erziehungsanweisungen und den adelsspezifischen Traktaten erlauben diese Schriften die Rekonstruktion einer konkreten Situation, in der ein Adliger über seine Vorstellungen Rechenschaft gab, was sein Erbe zu lernen bzw. zu wissen habe. Die Analyse hat darauf zu achten, welcher Wert der Bildung allgemein beigemessen wurde, welche Lehrer bestellt wurden bzw. welche Höfe als vorbildlich galten, an denen die adligen Kinder erzogen werden sollten. Sofern es möglich ist, werden auch die Inhalte des Unterrichts rekonstruiert, beispielsweise, ob die Adelssöhne in Latein und auch in Griechisch unterrichtet wurden.

5. Resumee

<24>

Ziel der Untersuchung ist es, das dynamische Verhältnis von normativem Adelsdiskurs, Erziehungspraxis, symbolischer Repräsentation und Wissenspraxis zu bestimmen. Es interessiert hier vor allem, wie der Adel auf den Diskurs reagierte, der seine Rolle herausforderte und wie umgekehrt der Adelsdiskurs auf die Realität adliger Gelehrsamkeit reagierte und diese interpretierte. Es soll des Weiteren die symbolische Repräsentation gelehrter Kultur mit dem tatsächlich wahrnehmbaren gelehrten Wissen beim Adel verglichen werden. Genügte es dem Adel zu demonstrieren, dass er über Wissen verfügte, ohne dass er es tatsächlich inhaltlich beherrschte? War der Schein, ›la apariencia‹, ein für die spanische Adelskultur der Frühen Neuzeit häufig und oft kritisch gebrauchter Begriff, genug, um den Standespflichten zu genügen? Oder führte das Ideal des gelehrten Adligen zu einer weitergehenden Identifikation mit dem gelehrten Wissen, die sich auch im praktischen Handeln und in der Erziehungspraxis zeigt? Die Praxis gelehrter Kultur liefert im Zusammenspiel mit der Erziehungspraxis ein kritisches Korrektiv sowohl gegenüber dem normativen Adelsdiskurs und seinen idealen Vorstellungen bzw. Kritiken als auch gegenüber der adligen Selbstdarstellung.

<25>

Aus dem Zusammenspiel der normativen Ebene des Adelsdiskurses, der symbolischen Repräsentation, der Erziehungspraxis und der Praxis gelehrter Kultur wird schließlich die Struktur rekonstruiert, die gelehrte Kultur als Teil des adligen Habitus aufwies. Diese beschreibt und erklärt, welche Haltungen der Adel auf dem »Feld der Möglichkeiten«35 tatsächlich einnahm, was typische und was eher ungewöhnliche Erscheinungen waren, wie sich das Verhältnis von Sein und Schein ausnahm und welchem Wandel das Konzept der Gelehrsamkeit beim Adel im Laufe des Untersuchungszeitraums unterworfen war.

Autor:

Martin Biersack
martin_biersack@yahoo.de

1 Miguel de Cervantes, Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha. Erstes Buch, übersetzt von Ludwig Braunfels, Düsseldorf 2000, Kapitel 37.

2 Ronald G. Asch, Nobilities in Transition, 1500–1700. Courtiers and Rebels in Britain and Europe, Oxford 2003, S. 2.

3 Jesús D. Rodríguez Velasco, De prudentia, scientia et militia. Las condiciones de un »humanismo« caballeresco, in: Atalaya 7 (1996), S. 117–132, hier S. 122f.

4 Martin Kintzinger, Wissen wird Macht. Bildung im Mittelalter, Ostfildern 2003, S. 26–29.

5 Werner Paravicini, Interesse am Adel, in: Otto Gerhard Oexle, ders. (Hg.), Nobilitas. Funktion und Repräsentation des Adels in Alteuropa, Göttingen 1997 (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, 133), S. 9–25, hier S. 9.

6 Josef Matzerath, Claudia Tiersch (Hg.), Aristoi – Nobiles – Adlige. Europäische Adelsformation und ihre Reaktion auf gesellschaftliche Umbrüche (im Druck). Tagung Dresden 2006, siehe: H-Soz-u-Kult [12.4.2006], http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=5257 <22.8.2008>.

7 Tagungsbericht auf H-Soz-u-Kult [18.10.2006], http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=1213 <22.8.2008>.

8 Hochadelige Herrschaft im mitteldeutschen Raum (1200–1600). Formen – Legitimation – Repräsentation, hg. von Jörg Rogge, Uwe Schirmer, Leipzig 2003 (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte, 23.1).

9 Eine Gesamtübersicht neuesten Datums bieten Ronald G. Asch, Europäischer Adel in der Frühen Neuzeit. Eine Einführung, Köln 2008 sowie Walter Demel, Der europäische Adel vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2005.

10 Zu nennen ist Francisco Fernández de Bethencourt, Historia genealógica y heráldica de la monarquía española Casa real y Grandes, 9 Bde., Madrid 1897–1912.

11 Z.B. Salvador Móxo, La disolución del régimen señorial en España, Madrid 1965.

12 Antonio Domínguez Ortíz, Las clases privilegiadas en el Antiguo Régimen, Madrid 1973.

13 Zu nennen sind José Martínez Millán (Hg.), Instituciones y élites de poder en la monarquía hispana durante el siglo XVI, Madrid 1992; Adolfo Carrasco Martínez, Sangre, honor y privilegio. La nobleza española bajo los Austrias, Barcelona 2000; Ignacio Ezquerra Revilla, El Consejo real de Castilla bajo Felipe II. Grupos de poder y luchas faccionales, Madrid 2000; José Martínez Millán, Santiago Fernández Conti, La monarquía de Felipe II: la casa del rey, Madrid 2005; Alonso Franco Silva, Señores y Señoríos (siglos XIV–XVI), Jaén 1997.

14 David García Hernán, La nobleza en la España Moderna, Madrid 1992.

15 Enrique Soria Mesa, La nobleza española en la Edad moderna: cambio y continuidad, Madrid 2007.

16 Antonio Urquízar Herrera, Coleccionismo y nobleza. Signos de distición social en la Andalucía del Renacimiento, Madrid 2007.

17 Carmen María Cremades Griñán, La pujanza de las letras frente a las armas en la nobleza de la España de los Austrias, in: Miscelánea Medieval Murciana, 19/20 (1995–1996), S. 55–66; Maxime Chevalier, La cultura del gentilhombre en la España del siglo de oro, in: Bulletin Hispanique 97/1 (1995), S. 341–345; Joseph Pérez, La aristocracia castellana en el siglo XVI, in: María Carmen Iglesias (Hg.), Nobleza y sociedad en la España Moderna, Oviedo 1996, S. 53–71; Carrasco Martínez, Sangre, honor y privilegio (wie Anm. 11), S. 73–87. Einige aufschlussreiche Beobachtungen über die Integration gelehrten Wissens in das adlige Selbstverständnis liefert Fernando Bouza Álvarez, Escribir en la corte. La cultura de la nobleza cortesana y las formas de comunicación en el Siglo de Oro, in: Dionisio Pérez Sánchez (Hg.), Vivir el Siglo de Oro. Poder, cultura e historia en la Época Moderna. Estudios en homenaje al profesor Ángel Rodríguez Sánchez, Salamanca 2003, S. 77–99.

18 Fernando Bouza Álvarez, Corre manuscrito. Una historia cultural del Siglo de Oro, Madrid 2001, S. 222–239.

19 José Antonio Guillén Berrendero, La idea de la nobleza en Castilla durante el reinado de Felipe II, Valladolid 2007.

20 Helen Nader, The Mendoza Family in the Spanish Renaissance, New Jersey 1979; Carlos Hernando Sánchez, Castilla y Nápoles en el siglo XVI. El virrey Pedro de Toledo, Salamanca 1994; Begoña Alonso, María Cruz de Carlos Varona, Felipe Pereda Espeso, Patronos y coleccionistas. Los condestables de Castilla y el arte (siglos XV–XVII), Valladolid 2005; Juan Manuel Martín García, Arte y diplomacia en el reinado de los Reyes Católicos, Madrid 2002; Adolfo Carrasco Martínez, Los Mendoza y lo sagrado. Piedad y símbolo religioso en la cultura nobiliaria, in: Cuadernos de Historia Moderna 25 (2000), S. 233–272; María José García Sierra, Los Álvarez de Toledo. Un linaje de Mecenas en la historia del arte español, in: María del Pilar García Pinacho (Hg.), Los Álvarez de Toledo. Nobleza viva, Valladolid 1998, S. 159–186; Santi Tottas Tilló, Els ducs di Cardona: art I poder (1575–1690), Diss.: Universidad Autónoma de Barcelona, 1997.

21 Siehe hierzu Charles B. Faulhaber, Libros y bibliotécas en la España medieval: Una bibliografía de fuentes imprimidas, London 1987; María Isabel Hernández González, Suma de inventarios de bibliotecas del siglo XVI (1501–1560), in: El libro antiguo español 4 (1998), S. 375–446.

22 Isabel Beceiro Pita, Educación y cultura en la nobleza (siglos XIII–XV), in: Anuario de Estudios Medievales 21 (1991), S. 571–590; dies., La valoración del saber entre las élites, in: El Marqués de Santillana. 1398–1458. El hombre: la figura de Don Iñigo López de Mendoza, Hiondarribia 2001, S. 109–131; dies., Libros, lectores, bibliotecas en la España medieval, Murcia 2007; dies. (mit Ricardo Córdoba de la Llave), Parentesco, poder y mentalidad. La nobleza castellana entre los siglos XII y XV, Madrid 1990. Für das 15. Jahrhundert sind des Weiteren zu nennen Raquel Homet, Crianza y educación en la Castilla medieval, in: Cuadernos de Historia de España 74 (1997), S. 199–232; Jesús D. Rodríguez Velasco, De prudentia, scientia et militia. Las condiciones de un »humanismo« caballereso, in: Atalaya 7 (1996), S. 117–132.

23 Las primeras letras de la aristocracia renacentista (o la nobleza también sabía leer), in: Ignacio Arellano, Marc Vitse (Hg.), Modelos de vida en la España del siglo de oro, Bd. 1, Madrid 2004, S. 107–122. Allgemein zum Elementarunterricht im 16. Jahrhundert Víctor Infantes, La educación, el libro y la lectura, in: José Javier Jover Zamora (Hg.), Historia de España Menéndez Pidal. La cultura del Renacimiento (1480–1580), Madrid 1999, S. 3–50.

24 Roger Chartier, Los manuales de civildad. Distinción y divulgación: la civildad y los libros, in: Libros, lectores y lectutas en la Edad Moderna, Madrid 1993, 246–283; Nieves Baranda, Escritos para la educación de los nobles, siglos XVI y XVII, in: Bulletin Hispanique 97 (1995), S. 157–171; Emilio Hernández Rodríguez, Las ideas pedagógicas del doctor Pedro López de Montoya. Comentario a nuestra pedagogía del siglo XVI, Madrid 1947; María Isabel Lorca, Martín de Villodres, La nobleza en los comienzos del Estado moderno. El pensamiento del jurista Juan Arce de Otálora, Madrid 2004; Alain Montando, Bibliographie des traités de savoir-vivre en Europe, Bd. 2: Italie, Espagne, Portugal, Roumanie, Norvège, Pays tchèque et slovaque, Pologne, Clermont-Ferrand 1995.

25 Zur Hofschule der Katholischen Könige siehe meinen Aufsatz: La Escuela de Palacio de Pedro Mártir de Anglería, in: Luis Ribot, Julio Valdeón, Elena Maza (Hg.), Isabel la Católica y su Época. Actas del Congreso internacional 2004, Bd. 2, Valladolid 2007, S. 1333–1353; zur Präsenz des höfischen Ideals italienischer Prägung am Hofe Karls V. siehe das Kapitel »Del ideal caballeresco en Borgoña y Castilla a la nueva cortesanía italiana« von Antonio Álvarez-Ossorio Alvariño, in: José Martínez Millán (Hg.), La corte de Carlos V, Bd. 3: Los servidores de las casas reales, Madrid 2000, S. 28–34; Santiago Martínez Hernández, El marqués de Velada y la corte en los reinados de Felipe II y Felipe III. Nobleza cortesana y cultura política en la España del Siglo de Oro, Salamanca 2004, S. 75–99. Allgemein zur Bildung adliger Pagen an den Höfen Mathis Leibetseder, In der Hand des Herrschers. Adlige Pagen und fürstliche Patronage um 1600, in: Zeitschrift für Historische Forschung 34 (2007), S. 609–628.

26 Fernando Bouza Álvarez, Imagen y propaganda. Capítulos de historia cultural del reinado de Felipe II, Madrid 1998, S. 202.

27 Pierre Bourdieu, Zur Soziologie der symbolischen Formen, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1983, S.143f.

28 Ibid., S. 185.

29 Christoph Oliver Meyer, Susanne Gramatzki, »Wissen ist Macht«. Zur Institutionalisierung von kulturellem Wissen in romanischem Mittelalter und Früher Neuzeit, Vortrag auf dem XXX. Romanistentag, Wien 2007 (im Druck).

30 Kintzinger, Wissen wird Macht (wie Anm. 18), S. 34f.

31 Bourdieu, Zur Soziologie der symbolischen Formen (wie Anm. 19), S. 139.

32 Eine leider unvollständige bibliographische Übersicht bietet Mercedes Blanco, Les Discours sur le Savoir-Vivre dans l ’Espagne du Siècle d ’Or, in: Alain Montandon (Hg.), Pour une Histoire des Traités de Savoir-vivre en Europe, Clermont-Ferrand 1994, S. 111–149.

33 Matthias Müller, Das Schloß als Bild des Fürsten. Herrschaftliche Metaphorik in der Residenzarchitektur des Alten Reiches (1470–1618), Göttingen 2004, S. 16.

34 Gert Melville, Hans Vorländer, Geltungsgeschichten und Institutionengeltung, in: dies. (Hg.), Geltungsgeschichten. Über die Stabilisierung und Legitimierung institutioneller Ordnungen, Köln, Weimar, Wien 2002, S. IX–XV.

35 Zu diesem Begriff siehe Daniel Bertaux, Isabelle Bertaux-Wiame, »Was du ererbt von deinen Vätern…«. Transmissionen und soziale Mobilität über fünf Generationen, in: BIOS. Zeitschrift für Biographieforschung und Oral History 1 (1991), S. 13–40, hier S. 28.

Lizenzhinweis: Dieser Beitrag unterliegt der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung (CC-BY-NC-ND), darf also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de

Artikelaktionen
Zitierhinweis
Empfohlene Zitierhinweise:
M. Biersack: »Sein und Schein«
In: discussions, discussions 2 (2009) - Adel im Wandel (16.–20. Jahrhundert) / La noblesse en mutation (XVIe–XXe siècles)
URL: http://www.perspectivia.net/content/publikationen/discussions/2-2009/biersack_letras
Dokument zuletzt verändert am: 11.06.2010 11:26
Zugriff vom: 23.05.2012